Gallespucken: Reinrassiges NPD-Doppel, Kommunalwahl-Allerlei und die Erstwähler-Kampi der NPD-NRW

Region. Die Region ist ein Chaos und daran trägt auch die NPD ein Sturmgepäck Schuld. Auch wenn es empirisch dazu keine Erhebungen bezüglich der Kommunalwahlen gibt, könnte die Partei wegen ihres Russlanddeutschen-Engagements einen Doppelschlag gelandet haben – weil eine asymmetrisch fremdenfeindliche Klientel nämlich NPD wählte. Zwar buhlt die NPD derzeit um rechtsextreme, antisemitische und fremdenfeindliche Russlanddeutsche [1], deren Schädel man rassistisch als „nach Deutschland zurückgekehrte Volksgenossen aus Russland“ (Haller) vermisst. Doch Teile der fremdenfeindlichen NPD-Wählerschaft im heutigen Deutschland betrachten dieselben schnöde als Ausländer. Aber können dann beide NPD wählen?

„Viele Bürgerinnen und Bürger waren im ersten Augenblick nicht imstande unsere Intention, russlanddeutsche Aussiedler bei der Eingliederung in die Gemeinschaft des Deutschen Volkes zu unterstützen, richtig zu deuten. Ihr erster Gedanke ging gleich in Richtung ‚Russen-Mafia’ […]. Durch viele Gespräche [mit] interessierten und besorgten Bürgern gelang es uns […] allerdings deutlich zu machen, daß die kriminelle sog. ‚Russen-Mafia’ nichts mit unseren russlanddeutschen Kameraden gemein hat und wir ein […] verbrecherisches Klientel [nicht] in Deutschland dulden wollen. […] Doch warum bemüht sich die angeblich so fremdenfeindliche NPD um die ‚Ausländer’ aus Russland? Nun, die NPD ist weniger eine fremdenfeindliche als vielmehr eine inländerfreundliche Partei,“ schreibt Dürens NPD-Kreischef Ingo Haller nun in einem ausufernden Pamphlet.

TKKG

Derzeit recherchiert das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ zum Thema NPD und Russlanddeutsche. Johann Thießen, ein Vordenker der rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Vereinigung „Russlanddeutsche Konservativen“ sowie Mastermind des NPD-nahen „Arbeitskreises des Russlanddeutschen in der NPD“, und Juri Sommer [2] traten für die NPD-Düren bei den Kommunalwahlen als Kandidaten an. Eben darauf spielt Haller in oben zitierter Passage an, indem er eine fast chaos-tägliche NPD-Widersprüchlichkeit aufzulösen gedenkt, die dem Autor dieser Zeilen erst in einem Gespräch mit einem der „Spiegel“-Rechercheure dämmerte.

Fremdenfeindlich gesinnte NPD-Wähler, dessen Deutschtumsein nicht ganz so NS-nah wie das der NPD kodiert ist, sehen in den Russlanddeutschen ebenso wie in den einfachen „Kanaken“ schlicht Ausländer, die „raus“ gehören. Warum sollte jene Klientel dann aber die fremdenfeindliche NPD wählen, die bei allem Stammtisch-Blödsinn auch noch mit dem „Pack“ kooperiert? Anders herum: dieselbe Klientel hätte sehr wohl in Vierteln, in denen es Probleme mit nicht integrationswilligen Russlanddeutschen gibt, NPD wählen können, indes nur dann, falls man nichts von dem Haller-Thießen-Pakt gewusst hätte. Und die dort lebenden Russlanddeutschen, die andere Migranten verachten? Die konnten, so sie denn wiederum vom Haller-Thießen-Pakt wussten, NPD und damit jene Partei wählen, die sie ihrem Blut-und-Boden-Denken nach auf eine Stufe mit dem Heimisch-Reinrassigen positioniert…

Die NPD in Düren will ihre Jugendarbeit verstärken und zudem einen Arbeitskreis zum Thema Rentenpolitik schaffen. Dies teilt die Partei in einem Bericht über eine Kreisvorstandssitzung am 2. September mit. Man werde zudem weiter Informationsstände sowie Verteilaktionen durchführen „Bereits in den nächsten tagen würde mit dem Verteilen weiterer 10.000 Wahlzeitungen begonnen,“ heißt es in dem Bericht weiter. Über die gewonnenen Einzelmandate im Stadtrat und Kreistag Düren zeigt man sich einerseits erfreut. Indes versucht der Leiter des „Referates Presse“ und einschlägig vorbestrafte Neonazi, René Laube, galant die ursprünglichen Wünsche, bei den Kommunalwahlen am 30. August mehr Mandate zu erringe, schön zu schreiben:

„Im Vergleich zu den übrigen Besserwissern und undemokratischen Einfaltspinseln braucht sich die NPD nicht zu verstecken, das Wahlergebnis ist ja auch eher der Beweis für das Gegenteil von Demokratie, die Hälfte aller Wahlberechtigten glaubt den bisherigen teuren Demokratiatoren mit ihrer Lächelpropaganda kein Wort und war nicht wählen gegangen.“ Was Laube in diesem extremst schlecht komponierten Schachtelsatz verschweigt, ist das, was auch sein Landeschef Claus Cremer und sein Bundesführer Udo Voigt nicht mitdenken, wenn sie wegen der hohen Zahl der Nichtwähler das Ende der Demokratie bejubeln und als indirekte Stärke für die NPD umlügen: die Nichtwähler rufen zwar den etablierten Parteien ein lustiges „Fuck you!“ zu – aber eben auch der NPD…

Der stellvertretende NPD-Kreisvorsitzende und Neu-NPD-Ratsmann in Düren, René Rothhanns, traut der Demokratie als Ex-SPD-ler auch nicht. In seinem Bericht auf der Homepage der NPD schreibt er in gewohnt schlechter Transkription seiner Art von Muttersprache: „Wir werden bekannterweise immer anders behandelt als etablierte Parteien. Dies fängt mit drangsalierenden Plakatier Vorschriften und Verbote vom Wahlleiter an und endet bis zum massenhaften Plakat Verlusten binnen weniger Stunden. […] Unsere Plakate wurden größtenteils nach kurzer Zeit von selbsternannten Gutmenschen zerstört oder teilweise einfach abgehängt. Etablierte Parteien hingegen behaupten, dass wir, die NPD Düren, ihre Plakate überklebt hätten, jedoch haben sie keinen Täter. Das aber diese Kläger unsere Plakate reichlich überklebten verschweigen nicht nur die Medien, obwohl wir Bilder davon haben.“ [3]

In Stolberg hat der NPD-Kader und „Altbursch“ der urig gestrigen Burschenschaft „Libertas Brünn“ zu Aachen, Oliver Harf, kürzlich seinen Ratssitz eingebüßt [4]. Bei der Bundestagswahl wird sein „Kamerad“ Willibert Kunkel [5] im Kreis Aachen als NPD-Direktkandidat fungieren. Harf selbst wird in der Stadt Aachen – räusper: im Wahlkreis 88 – für die NPD stramm stehen. Dies teilte die Stadt Aachen nun in einer Pressemitteilung mit. Harf wird in dem Schreiben unter den Direktkandidaten an letzter Stelle gelistet, und das geht so: Kandidat sei „der Technische Assistent Oliver Harf von der NPD, der übrigens nicht in Aachen, sondern in Stolberg wohnt, was jedoch seiner Kandidatur in Aachen nicht entgegensteht.“ Wollen wir nun einmal kurz die NPD-übliche Fremdenfeindlichkeit alias Stadtländerfreundlichkeit auf ein kleines Maß herunter brechen? Ausstädter raus!

Am 6. September fand in Bochum in der Landesgeschäftsstelle der NPD-NRW wieder der Landesvorstands-Sonntagsappell statt. Der Landesvorsitzende, Claus Cremer, sagte laut NPD-eigenem Bericht zu den Kommunalwahlergebnissen: „Ich schaue auf das Ergebnis mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das lachende sieht die dazugewonnenen Mandate. […] Man darf aber auch leider die Mandatsverluste in den Räten nicht übersehen, in den wir bereits in Fraktions- bzw. Gruppenstärke vertreten waren.“ [4] Die Wahlbeteiligung in NRW sei „erschreckend niedrig [gewesen], was nach Meinung der NPD-NRW ein deutliches Zeichen dafür ist, daß die Bevölkerung mit den politischen Machthabern bereits innerlich abgeschlossen hat,“ heißt es in dem NPD-Bericht ferner (s.o.). Für die NRW-Landtagswahl 2010 will man daher eine „Erstwähler-Kampagne“ starten. Krass, alda… [© Klarmann]

[1] Sie werfen Migranten vor, sich nicht integrieren zu wollen – und wollen sich doch selbst nicht in die Gesellschaft integrieren. Rechtsextreme Russlanddeutsche und NPD rücken zusammen. Siehe Fremde Feinde
[2] Siehe zu Beiden auch NPD PENDELT IN DÜREN ZWISCHEN FREMDENFEINDLICHKEIT, ANTIKOMMUNISMUS, ANTISEMITISMUS UND FAUSTRECHT
[3] DER KAMPF UM DIE STRASSE VON NPD UND SS KURZ VOR ÖFFNEN DER KOMMUNALWAHLLOKALE IN DÜREN; PLAKAT- UND AUFKLEBERAKTIONEN DURCH NEONAZIS UND NPD – UND DER GEGNER; WAS DIE NPD IM KREIS DÜREN UNTER DEMOKRATIE VERSTEHT…; INLÄNDERKRIMINALITÄT – STRAFANZEIGEN GEGEN NPD
[4] RECHTS VON DER MITTE VERZAUBERT UND ENTZAUBERT SICH SELBST; MANCHMAL GEHST DU SO GANZ, NIRGENDWAS VON DIR BLEIBT HIER…
[5] BERUFUNGSVERFAHREN GEGEN KUNKEL OFFENBAR TERMINIERT