Düsseldorf. Manchmal kannten die Nationalsozialisten in ihrem Bürokratenwahn ebenso wenig Pardon, wie in ihrer Mordlust. Nachdem der Kommunist Dagobert Lubinski in Düsseldorf wegen Hochverrat als politischer Häftling 1936 inhaftiert und 1938 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, wurde er 1943 in das KZ-Auschwitz abtransportiert. Grund: er war auch Jude, zumindest für die Nazis, obschon er seinen Glauben nicht praktizierte. Auf die Anfrage seiner Frau an die Behörden, warum ihr Mann nicht mehr in der Haftanstalt Remscheid-Lüttringhausen inhaftiert sei, antwortete man ihr, er sei nun in einem KZ und die „Strafvollstreckung gegen ihn ist unterbrochen worden.“ Kurz darauf war er tot.
Lubinskis Enkelin Anette Leo hat in dem Buch „Briefe zwischen Kommen und Gehen“ ihrem Großvater ein literarisches Denkmal gesetzt [1]. „Dago“ war zwar Kommunist, hatte sich jedoch Ende der 1920er Jahre mit der ihm zu dogmatischen KPD überworfen und gehörte zu den Mitgliedern der überschaubaren KPO (Kommunistische Partei Opposition). Wegen besagter Organisation wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und später – in Verbindung damit, dass er als Jude galt – ermordet. Während andere Nazigegner in der späteren DDR als Antifaschisten zu Ehren kamen, galt Lubinski weiterhin als Verfemter; in der BRD blieb er derweil im Zuge des Kalten Krieges ein Kommunist und sein Schicksal war lange unbekannt.
Anette Leo hat in den 1980er und Anfang der 1990er Jahre in der DDR, in der BRD und in Polen recherchiert. In rund einem Drittel des Buches schildert sie in sehr persönlich gehaltenen Worten das Schicksal ihres Großvaters und der Familie. Der Rest des Buches besteht aus dokumentierten Briefe aus der Haft, teilweise auch zwischen den einzelnen Familienmitgliedern mit dem Inhaftierten und untereinander. Auch wenn die Briefe zuweilen das Buch langatmig werden lassen, in weiten Teilen zeugen sie und besonders Leos eigenen Texte von einem tragischen Opfer, das lange vergessen war oder vergessen werden sollte.
Dagobert Lubinski wurde vor geraumer Zeit postum vom Verein Düsseldorfer Journalisten, der örtlichen Kreisverband des DJV, mittels einer Gedenktafel gewürdigt. [© Klarmann]
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