Rechts: V-Mann- und andere Gerüchte um Spönlein legen den Haussegen um

Krefeld. Chaotische Zustände innerhalb des NPD-Kreisverbandes Krefeld und das in Umlauf gebrachte Gerücht, dass der frühere Vorsitzende Lars Spönlein ein V-Mann sein soll, haben zu erheblichen Verstimmungen in den regionalen NPD-Gliederungen gesorgt. In einem Szeneforum der NPD-Kreisverbände vom Niederrhein und aus dem Rheinland hat sich unterdessen der Angegriffene zu Teilen der Vorwürfe geäußert. Spönlein kündigte demnach gegenüber dem Kopf des „Krefelder Forums Freies Deutschland“ – ein lokal begrenzter, rechtsradikaler Denkzirkel – an, „alle (!) Mittel aus[zu]schöpfen um solchen Gerüchten entgegen zutreten.“

Spönlein gehörte ebenso wie der bisweilen mit ihm kooperierende Dürener NPD-Kreischef, Ingo Haller, zu einer Art neuen „Generation“ von NPD-Kadern in NRW. Ein aktionistisches Auftreten und das Abhalten von teils provokativen Aufmärschen, Treffen und „Mahnwachen“ standen und stehen bei jenem „Nachwuchs“ oftmals im Vordergrund – im „Kampf um die Straße“. Spönleins Kreisverband fiel zeitweise dabei auch durch extrem provokative und zuweilen beleidigende Textinhalte im Internet auf. Anfang dieser Woche hatten das „Krefelder Forum“ und dessen Kopf, der rechtsradikale Querdenker und Störenfried, Hans-Ulrich Höfs, verbreitet, Spönlein sei ein V-Mann.

Anlass für diesen verschwörungstheoretischen Nachtritt des bislang ebenso mit Spönlein kooperierenden Herren waren, so Höfs, das Torpedieren des NPD-Antritts bei den Kommunalwahlen durch Spönlein höchstselbst [1]. Spönlein äußert sich nun in besagtem Szeneforum unter einem neuen [2] Nickname: „Ich kann da zu nur sagen: Ich habe nie für diesen Staat gearbeitet […].“ Zu den V-Mann-Gerüchten schreibt er: „Aber so ist das halt mit alten verfolgungswahnsinnigen ‚Hinterzimmeraktivisten’ [wie Höfs]. Ich kann Herrn Höfs nur empfelen sich warm an zuziehen, denn ich werde umgehen auf seine verlogene Scheiße reagieren.“

Spönlein weiter: „Der Herr Höfs wird sehen, was er davon hat seine senilen Verschwörungstheorien in dieser Art und Weise zu verbreiten.“ Der frühere NPD-Kader bestätigt in dem Szeneforum indes ebenso, dass er aus der Partei ausgetreten sei – dies beinhaltet offenbar ebenso, dass er alle Parteiämter abgegeben hat oder ihm diese entzogen wurden. Spönlein war zuvor Kreischef der NPD in Krefeld und Beisitzer im NRW-Landesvorstand. Auf der NRW-Reserveliste der NPD für die Bundestagswahl ist er noch gelistet. Spönlein schreibt zudem, dass „die Geschichte mit der Kommunalwahl […] fürchterlich schief gegangen [ist] und mir ist klar, dass ich dafür mehr oder weniger die Verantwortung übernehmen muß.“

Innerhalb der Diskussion werfen sowohl der Angegriffene, als auch die „Kameraden“ mit Dreck. Spönlein wird etwa vorgeworfen, sich zu den teils heftigen, auch innerparteilichen Vorwürfen gegen ihn noch nicht geäußert zu haben. „Wenn man Geheimhaltung betreibt, dann schafft man den Nährboden dafür, dass spekuliert wird,“ schreibt ein rechtsextremer Blogger, der in der Vergangenheit schon des Öfteren durch kritische Einwürfe gegenüber NPD und Spönleins Kreisverband aufgefallen war. Ein NPD-ler ergänzt: „Es müßen von Dir [, Lars Spönlein,] Fakten kommen. Mit einem Abstreiten allein ist es nicht getan.“ Spönlein selbst kündigte an, dies erst auf der nächsten Versammlung des NPD-Verbandes tun zu wollen – doch ein „Kamerad“ merkt dazu an, dass er in dem Lokal „seitens des Wirts Hausverbot“ habe.

Indirekt spiegelt der aktuelle Disput auch wider, dass es innerhalb des NPD-Kreisverbandes in Krefeld – wie auch in anderen Kreisverbänden – offenbar schon länger Unstimmigkeiten gab zwischen einem Art Realo-Flügel, der sich durch eher bewusste Aktionen und dem (schein)demokratischen Einbringen in die Lokalpolitik positionieren will, und einem eher aktivistischen Haufen rund um Spönlein. Für den aktivistischen Flügel der NPD stehen Aktionen, Treffen, Konzerte, Infoaktionen und Aufmärsche teils in rascher Abfolge, im Vordergrund – und es sollen dabei zumeist „erlebnisorientierte Jugendliche“ eingebunden werden [3]. Die Folgen können – auch mangels Organisationstalent – blinder Aktionismus, unüberlegte Aktionen und letztlich ein völliges Scheitern sein.

Sowohl Spönlein, aber auch der stellvertretende NPD-Vorsitzende in Krefeld, Michael Janssen [4], gehören zu diesem aktivistischen Flügel, dessen Vertreter teilweise durch Aggressivität und einem Spielen mit Parolen oder Symbolen aus der historischen NS-Zeit auffielen. Spönlein kritisiert in der aktuellen Diskussion nun, dass „z.B. ein M. Hallmanns verbreitet, ich wäre ein Verräter an der NPD weil Michael Janssen Stelv. Kreisvorsitzender ist.“ Gemeint sein dürfte damit der im Wahlkreis Krefeld II – Wesel II für die NPD als Direktkandidat fungierende Matthias Halmanns, ein Student. Offenbar zu besagter Person ergänzt Spönlein später: „Der Matthias hat direkt vor der Tür gewartet, weil der mir einfach zu anstrengend ist um ihn ein Gespräch mit zunehmen.“

Spönlein meint hier die Abgabe von Unterstützerunterschriften für die Kommunalwahlen, die ohne Zeugen stattgefunden haben soll – obschon, siehe oben, besagter „Kamerad“ dabei gewesen, aber von Spönlein nicht mit ins Wahlamt genommen worden sei. Bei eben jenen Unterschriften seien später Probleme festgestellt worden beziehungsweise diese seien nun „weg“, wie es ein „Kamerad“ ausdrückt. Dies scheint denn auch der Hauptauslöser des aktuellen Streites zu sein: Spönlein habe weder Zeugen mitgenommen, noch habe er sich die Abgabe quittieren lassen.

Und obschon Spönlein angekündigt habe, dagegen rechtlich vorzugehen und sich zudem seinen Partei-„Kameraden“ gegenüber zu erklären, habe er dies nicht getan. Vielmehr sei er aus eigenen Stücken aus der Partei ausgetreten. Ihm vorgeworfen werden u.a. ebenso „finanzielle ‚Unregelmäßigkeiten’“ und weiteres Parteischädigendes Verhalten im Vorfeld der Kommunalwahl im Bereich Moers. Spönlein bestreitet dies teilweise – und bei allem Dissens, findet ein „Kamerad“ dennoch, der Angegriffene sei „ein Idealist und ein überzeugter Nationalist“. [© Klarmann]

[1] V-Mann-Gerücht – Lars Spönlein abgesetzt?…; NPD verliert in Krefeld Kommunalwahl schon heute
[2] Offenbar schreibt er dort nicht mehr unter dem alten Nickname „Lars“, sondern hat sich neu angemeldet.
[3] Siehe dazu Zwischen braunen Kümmerern und Schläger-Erlebniswelten
[4] Siehe dazu entsprechende Passage NPD lügt, Motter hasspredigt, abgeordnetenwatch.NPD, Haller pro Barsuhn, Nönazi-Superstar und Weinflaschenneger und die NPD-Folgen für die Bundestagswahl


3 Antworten auf “Rechts: V-Mann- und andere Gerüchte um Spönlein legen den Haussegen um”


  1. 1 Klar, Mann? 25. September 2009 um 12:31 Uhr
  2. 2 Klar, Mann? 26. September 2009 um 11:45 Uhr

    Aus Sicht des NPD-Kreischefs Düren, Ingo Haller:

    „[…] Lars Spönlein – ehemaliger Kreisvorsitzender aus Krefeld und Landesvorstandsmitglied der NPD NRW, für mich ein Freund, der mit mir in den letzten 3 oder 4 Jahren gemeinsam und erfolgreich neue Wege beschritt. Er wird nun von Unwissenden oder/und Provokateuren als V- Mann dargestellt. Hierzu möchte ich, nicht nur aus Freundschaft, mal einige Sachen klarstellen.



    L. Spönlein wurde wegen gravierende Fehler, vom Landesvorstand der NPD zur Rechenschaft gezogen. Aus einer Art Trotzreaktion, welche er laut letzten Gesprächen selbst in Zweifel stellt, kündigte Spönlein daraufhin seine Mitgliedschaft (ohne das vom System frei erfundene Aussteigerprogramm). Spönlein war und bleibt einer der aktivsten Mitglieder in NRW, er führte nicht nur seinen Kreisverband, sondern organisierte viele Veranstaltungen, Mahnwachen, Demonstrationen u.s.w. nach bestem Gewissen.

    
Seine Entscheidung aus der Partei auszutreten muss von allen Nationaldemokraten und Sozialisten respektiert werden, ohne deshalb seine Person direkt als V-Mann abzustempeln. Nicht nur, dass man mit solchen Behauptungen dem Angeschuldigten das Leben unnötig erschwert, man bietet mit solchen provokanten Aussagen zudem unseren politischen Gegnern noch eine Plattform, auf deren Basis von Unwissenheit sie es schaffen Unruhen zu stiften.

    
Daher bittet der Kreisverband Düren darum, dass in Zukunft gerade derartige Schreiberlinge oder Möchtegern Schreiberlinge zunächst einmal den Mumm haben sollten, betroffene Personen selbst zu fragen, warum und weshalb da diese oder jene Entscheidung getroffen wurde. Anstelle direkt solch übertriebene Äußerungen und Unwahrheiten zu verbreiten. Zumindest wenn sie keine klare beweise haben.



    […] Jedoch behaupte ich, dass Lars Spönlein kein V-Mann oder ähnliches ist. Lars […] möchte ich Dir noch im Namen des Kreisvorstandes Düren sagen, dass Du jederzeit bei uns und ich denke auch in vielen weiteren nationalen Gruppen gerne gesehen bist. […] Bleib stark und wir Dürener freuen uns, Dich bereits in naher Zukunft wieder begrüßen zu dürfen. […]“

    zeilenumbrüche verändert, kürzungen angezeigt. mik

  3. 3 Martin 26. September 2009 um 12:36 Uhr

    Na, ob Haller auch auf einer Gehaltsliste einer staatlichen Institution steht?

    ja! a.) kreistag düren. b.) parteikasse alias öffentliche zuwendungen. c.) via umlagen verschiedener auftraggeber über umweg arbeitgeber… mik

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