Entnazifiziert: Vogelsang – Flächen warten auf Investoren…

…titelt die Lokalpresse und berichtet [1] über die Vermarktungsstrategien der „Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang GmbH“. Deutlich wird in dem Beitrag: über die alte NS-Ordenburg“ und NS-Kaderschmiede Vogelsang kann man heute rund 2.700 Zeichen respektive zirka 90 Zeilen in der Printausgabe einer Lokalzeitung schreiben, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, welchen historischen Kontext das Areal hat, welches vermarktet werden soll; und – zumindest laut Lokalpresse, wobei Teile des Beitrages einem Infotext der GmbH entnommen sind – die Entnazifizierung und schleichende Enthistorisierung alias Neuausrichtung der ehemaligen NS-Stätte ist demnach schon sehr gut gelungen…

Zitate: „Unmittelbar vor Realisierung der ersten Entwicklungsstufe sehen wir den richtigen Zeitpunkt, eine Vermarktungsoffensive zu starten, um weitere innovative Projekte für den Standort zu akquirieren,“ so demnach der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Poth. Laut Lokalpresse seien Nutzungen wie Hotels, Gästehäuser, Ferienwohnungen, Sprachschulen und sonstige Bildungseinrichtungen, sowie Sport-, Freizeit- und Kulturangebote aber auch Kompetenzzentren und „verträgliches“ Gewerbe möglich. „Wir sind offen für neue Projektvorschläge, an die wir bisher nicht gedacht haben. Wichtig ist, dass sie in die jetzige Vogelsang-Familie integrierbar sind,“ sagte Thomas Fischer-Reinbach, Geschäftsführer der GmbH, über die Bandbreite möglicher Nutzungen.

Geworben werden soll im Rahmen der „Vermarktungsoffensive“ auf Messen und via Großanzeigen in vielen Zeitungen. Entsprechende Berichte hatte es schon vor Wochen gegeben [2]. [© Klarmann]

[1] Direktlink
[2] PRIVATE INVESTOREN FÜR AREAL UM ALTE NS-ORDENSBURG GESUCHT – ANTIFASCHISTEN HEGEN DAHER ZWEIFEL; SCHWIMMEN UNTER NAZIKUNST UND NUR LANGSAM FORTSCHRITTE AUF VOGELSANG


3 Antworten auf “Entnazifiziert: Vogelsang – Flächen warten auf Investoren…”


  1. 1 Sarkast 10. Oktober 2009 um 23:17 Uhr

    Eine echte NS-Ordensburg mitten in der Eifel – es wäre doch ein Schande gewesen das Vermarktungspotential dieser „Rocky Horror Nazi Show“ zu verschenken, wenn man den Bau einfach hätte verfallen lassen wie es Paul Spiegel damals vorgeschlagen hätte ..

  2. 2 Antifaschist 11. Oktober 2009 um 10:33 Uhr

    „…die Entnazifizierung und schleichende Enthistorisierung alias Neuausrichtung der ehemaligen NS-Stätte ist demnach schon sehr gut gelungen…“

    Reine Propaganda, habe bei meinem letzten Besuch nichts davon gemerkt.

    Eine echte Brechung des Nazi-Grusel-Charakters der ehemaligen NS-Ordensburg würde auch die Vermarktungschancen stark einschränken.

    Opferorte wie das ehemalige KZ Uckermark werden von der öffentlichen Hand völlig vernachlässigt, während Täterorten wie der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang große Mittel aus unseren Steuergeldern zur Verfügung gestellt werden!

  3. 3 Antifaschist 11. Oktober 2009 um 22:16 Uhr

    Noch ein interessanter Fund aus dem Jahre 2007:

    „Leitentscheidung der NRW-Landesregierung
    Ehemalige NS-Burg wird Touristenziel

    Einst war sie Kaderschmiede der NSDAP, nun soll die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang nach dem Willen der NRW-Landesregierung zum Touristenziel werden. Heftige Kritik an diesem Konzept kommt von den NS-Gedenkstätten in NRW.

    NS-Ordensburg Vogelsang

    „Wir wollen eine touristisch bedeutsame Zukunft für die Anlage, ohne die furchtbare Vergangenheit zu leugnen“, sagte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) am Dienstag (18.12.07). Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte zuvor in einer so genannten Leitentscheidung ein Entwicklungskonzept für die einstige Nazi-Ordensburg im Nationalpark Eifel beschlossen. Mit den Beschlüssen der Landesregierung sei „eine sensible, seriöse und solide Grundlage für die weitere Nutzung der Anlage“ gefunden worden, so Thoben.

    Für die erste Entwicklungsstufe werden insgesamt 27 Millionen Euro zur Verfügung gestellt: Zehn Millionen Euro kommen vom Bund sowie 17 Millionen Euro von Land und EU. Die Region beteiligt sich zu zehn Prozent.

    Rahmenvereinbarung soll 2008 unterzeichnet werden
    Anfang 2008 soll eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Bund, dem Land NRW, den beteiligten Eifel-Kreisen, der Stadt Schleiden und dem Landschaftsverband Rheinland unterzeichnet werden. In der ersten Umbaustufe von 2008 an bis 2012 sollen unter anderem das Dokumentationszentrum zur NS-Geschichte und eine Jugendherberge entstehen.

    Seit der Freigabe der lange vom belgischen Militär genutzten früheren Ordensburg zu Jahresbeginn 2006 für Besucher kamen bislang mehr als 300.000 Interessierte zu der Anlage.

    NS-Gedenkstätten: „Damit haben wir nichts zu tun“

    Heftig kritisiert wird die Entscheidung der Landesregierung vom Arbeitskreis NS-Gedenkstätten NRW. „Damit haben wir nichts zu tun“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Prof. Alfons Kenkmann, zu WDR.de. „Das nun beschlossene Konzept ist mit Historikern weder breit diskutiert noch abgestimmt worden.“ Von den 27 Millionen Euro werde „nur ein Bruchteil“ für die versprochene NS-Dokumentation verwendet. „Statt einer Fokussierung auf die NS-Geschichte steht nun der Event-Tourismus im Vordergrund“, sagt Kenkmann.

    Der Wunsch der Standortentwicklungsgesellschaft1 Vogelsang (SEV), Mitglied im Arbeitskreis NS-Gedenkstätten NRW zu werden, wurde Mitte November vom Arbeitskreis abgelehnt. „Es gab erheblichen Widerstand in der Sitzung“, sagte der Vorsitzende Kenkmann. Wer ein Konzept vertrete, bei dem der Event-Charakter die Hauptrolle spiele und die NS-Vergangenheit als Anhängsel behandelt werde, könne nicht aufgenommen werden. Das „Dachmarkenkonzept Vogelsang ip“ der SEV sei „noch nicht ausgereift“ und verfüge über „eine völlig falsche Gewichtung“, so Kenkmann.

    WDR de. 18.12. 2007″

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