Archiv für November 2009

Rechts: Ein Türke bleibt ein Türke und ein REP ein REP so wie ein Neonazi ein Nazi ist

Alsdorf. Ende August kam es in Alsdorf zu einem Ergebnis bei der Kommunalwahl, das einen früheren Ratsmann sehr beunruhigte. Für die Partei „Die Linke“ wurde Metin Sak in den Rat gewählt. Geprägt worden war Alsdorf zwar schon seit Jahrzehnten durch besonders türkisch-stämmige „Gastarbeiter“ wie Sak. Doch Alfred Spicher, bis dahin Kopf der „Republikaner“ (REP), regte sich in einer via Internet verbreiteten Wählerschelte auf, die Partei ziehe nun „mit dem ersten Türken“ in den Rat ein.

Gibt es in Alsdorf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit? Wäre das Aufstellen von Schildern an Ortseingängen, die symbolisch zeigen, dass Fremdenfeinde (eigentlich) keinen Platz haben (sollten), gerechtfertigt? Sak lebt seit 1980 in Deutschland, der Elektroniker engagierte sich von 1989 bis 2007 gewerkschaftlich und war ab 2002 als Betriebsrat aktiv. 1997 hat Sak die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Hätte er dies nicht getan, hätte er nicht gewählt werden können.

Doch Spicher, über Jahre prägender Kopf der rechtsradikalen REP, ist das egal. Sak sei „ein Türke“, basta. Weniger zimperlich waren zuvor junge Neonazis gewesen, die an einem Infostand der „Linken“ provozierten und Sak als „Scheiß Türke“ beleidigten. Besagte Neonazis haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, sie treten als „Nationaler Widerstand Alsdorf“ (NWA) auf und wollen den „Nationalen Sozialismus“ erkämpfen. Der NWA geht zurück auf die „Nationalen Aktivisten Alsdorf“ (NAA).

Der ehemalige NAA-Anführer hatte 2008 an der Ausrichtung der Gruppe keine Zweifel gelassen: in für die Öffentlichkeit nicht einsehbaren Neonazi-Foren publizierte er Fotos, die ihn vor einer Hakenkreuzflagge zeigten. Die NAA war aufgefallen, weil sie das Rathaus mit rechten Parolen beschmiert hatte. Im Zuge polizeilicher Ermittlungen kam es zu Hausdurchsuchungen und die NAA löste sich unter dem Druck selbst auf. Nun sind Teile der Gruppe wieder als NWA aktiv geworden.

Seit Jahren fallen junge Neonazis in Alsdorf auf, gelegentlich auch via Polizeibericht, weil sie „Heil Hitler!“ gerufen, Gewalttaten begangen oder Wände von Schulen mit rechten Parolen und Symbolen besprüht haben. Negativhöhepunkt war in der Halloween-Nacht 2006 eine Massenschlägerei. Bei einer großen Neonazi-Party in Ofden kam es zu einem Streit, der in eine heftige Schlägerei untereinander mündete und einen Großeinsatz der Polizei zur Folge hatte.

Schon Mitte 2006 war es bei der damaligen Aufstiegsfeier von Alemannia Aachen in der Innenstadt von Aachen zu einer Schlägerei gekommen. Neonazis und Hooligans aus Alsdorf hatten das so genannte „U-Bahn-Lied“ angestimmt. Das Lied handelt davon, dass man eine U-Bahn, etwa von der Stadt des gegnerischen Vereins „bis nach Auschwitz“ bauen werde, um dessen Anhänger zu – vergasen. Weil sich andere Aachen-Fans deswegen beschwerten, kam es zu einer Schlägerei.

Alsdorf mag keine Hochburg von Neonazis und der NPD sein – eine der fremdenfeindlichen REP ist Alsdorf in NRW gleichwohl. Bis 2006 wurden die REP vom Landesverfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuft, die das friedliche Zusammenleben und die Demokratie gefährdeten. Bei den Kommunalwahlen 2004 hatte die Partei in Alsdorf 8,23 Prozent der Stimmen geholt (3 Ratssitze), im August 2009 sackten sie dann auf 4,53 Prozent ab (2 Ratssitze).

Doch die Alsdorfer REP wirken in die gesamte Städteregion hinein. So traten die Rechtsradikalen bei den letzten Kommunalwahlen in 29 von 36 Stimmbezirken der Städteregion nahezu kreisweit mit Kandidaten aus Alsdorf an. Die REP holten 1 Mandat im Städteregionstag, von den insgesamt 2.624 Wählern kamen 697 aus Alsdorf – rund 37 Prozent aller REP-Wähler in der Städteregion kamen also aus der früheren Bergbaustadt (35.500 Wahlberechtigte). In Aachen (187.500 Wahlberechtigte) wählten demgegenüber nur 605 Menschen die REP. [© Michael Klarmann; für AN/AZ (Nordkreis)]