Rechts: Vorgetäuschte Kameradschaft – die Kameradschaft Westwall

Merzenich/Aachen/Düren. Seit geraumer Zeit tritt ein NPD-Mitglied aus dem Kreis Düren bei rechtsextremen Aktionen – bei Aufmärschen, Infoständen und „Mahnwachen“ – mit dem T-Shirt einer „Kameradschaft Westwall“ in Erscheinung. Einen medialen Coup landete der Träger, Frank D. aus Merzenich bei Düren, zu Prozessbeginn gegen einen ehemaligen SS-Mann in Aachen [1]. Mit seinem T-Shirt erregte er Aufmerksamkeit und gab später Interviews gegenüber Medienvertretern. Unter anderen sagte D. dabei, der Angeklagte – dem drei Sühnemorde an Zivilisten angelastet werden – habe im Zweiten Weltkrieg „nichts Verkehrtes gemacht, von mir würde er das Ritterkreuz erhalten.“

D.s „Kameradschaft Westwall“ wurde aufgrund des Prozesses in verschiedenen Medienberichten erwähnt, dies wiederum hatte zur Folge, dass Interessierte zahlreiche Google-Anfragen auf der Suche nach Hintergründen zur „Kameradschaft Westwall“ stellten – einer letztlich nahezu nicht-existenten „Kameradschaft“. Frank D. gilt zwar als deren Kopf, ist ansonsten indes NPD-Mitglied, wirkt seit Monaten als Ordner bei Neonazi- sowie NPD-Aufmärschen und war beim ersten Prozesstag mit dem einschlägig vorbestraften „Kameradschaftsführer“ der Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), René Laube (Vettweiß), als „Prozessbeobachter“ aus der regionalen Neonazi-Szene in dem Verfahren präsent.

D. selbst trat bei den letzten Kommunalwahlen als NPD-Reservelistenkandidat im Kreis Düren auf Platz 12 an, er ist Jahrgang 1968 und gab in seinem Kandidatenprofil als Beruf Maurer an. Laut NPD wurde er im April 2008 als einer der neuen Beisitzer in den Vorstand des NPD-Kreisverbandes Düren gewählt. Von einer bürgerlichen Maskerade hält D. indes wenig. Bekannt ist er dafür, dass er in halb-militärischer Kleidung auftritt, etwa mit Springerstiefeln, Bundeswehr-Hose und seiner obligatorischen Militärmütze, an der meist ein Eisernes Kreuz und ein Zeichen der Gebirgsjäger angesteckt sind. Abgesehen von seinen zahlreichen, teils sehr alten und manchmal szene-typischen Tätowierungen wirkt D. wie ein Neonazi, der von seinem äußeren Erscheinungsbild her in den Tagen der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ stecken geblieben scheint.

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D. gilt als Kopf und Gründer der „Kameradschaft Westwall“ – wobei bislang nur er selbst und gelegentlich auch eine seiner beiden jugendlichen Töchter durch die T-Shirts der Gruppe auffielen. Familienunternehmen statt Neonazi-„Kameradschaft“? Eine Neonazigruppe, sagte D. Ende August gegenüber „Klarmanns Welt“, sei jene „Kameradschaft“ nicht. Auch verwehrte er sich selbst mehrfach dagegen, ein „Neonazi“ zu sein, denn er sei bekennender „Nationalsozialist“. Dabei verwehrte sich D. Ende August gegenüber „Klarmanns Welt“ ebenso, sich positiv auf Adolf Hitler zu beziehen. Sollte jemand wie Hitler wieder an die Macht kommen, dann würde er als erster fluchtartig Deutschland verlassen, sagte D.

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Die T-Shirts von D.s Projekt „Kameradschaft Westwall“ sind auf der Brust in Frakturschrift mit dem Namen der „Kameradschaft“ bedruckt. Auf dem Rücken ist das Motiv der umstrittenen „Windhund Division“ aufgedruckt – dazu die Losung „Ehre dem, dem Ehre gebührt“. [© Klarmann]

[1] PROZESSBEGINN GEGEN EHEMALIGEN SS-MANN IN AACHEN; VERTEIDIGUNG MEINT, DER SS-KILLER HAT NUN LANGE GENUG ZU LANGE GELITTEN [UPDATE]


5 Antworten auf “Rechts: Vorgetäuschte Kameradschaft – die Kameradschaft Westwall”


  1. 1 Klar, Mann? 03. November 2009 um 11:26 Uhr

    Aus Sicht der NPD-Düren/Kameradschaft Westwall/Kameradschaft Aachener Land zum Boere Prozess (möglicherweise – auch – strafrechtlich relevant…); Kürzungen angezeigt, Zeilenumbrüche teils verändert wegen besserer Lesbarkeit im Web:

    Die Zeit ist gekommen, einen der letzten Zeitzeugen der Uniformen des Großdeutschen Reiches auf die Anklagebank zu treiben. Am Mittwoch, den 28.10.09, war der erste Gerichtstermin für den heute 88-jährigen SS Veteran. Ihm wird vorgeworfen, unter dem Befehl des Sonderkommandos Silbertanne drei angeblich an Kriegsaktivitäten unbeteiligte Niederländer 1944 erschossen zu haben. Die Presse durfte selbstverständlich nicht fehlen und so konnte die BRD der ganzen Welt wieder einmal zeigen, dass sie alles tut, um für deutschuniformierte Geschehnisse von Einst zu büßen.


    Einige Aktivisten aus der nationalen Opposition ließen es sich nicht nehmen und werden es sich nicht nehmen lassen, um bei dieser Steuerverschwendung und unnötigen öffentlichkeitswirksamen Gewissensreinigung der BRD teilzunehmen.

Besonders reißerisch sind solche Ereignisse immer für Personengruppen, welche eigentlich die Konfrontation mit Problemen der Gegenwart scheuen, alte Probleme nicht aufarbeiten oder lösen wollen, aber Spass an Randale, Gruppendynamik und Radauüberlegenheit haben. Sie nennen sich Antifaschisten und sind meist charakterlich primitive Randerscheinungen, welche nicht kausal vernetzt denken können, keine nächtlichen Fernsehreportagen der schrecklichen älteren und jüngeren Vergangenheit kennen und natürlich auch keine eigenen Vorstellungen der Zukunft und Verbesserung entwickeln. […] 
Antifaschismus bedeutet […] sich in die Öffentlichkeit zu drängen und dort Freiräume für ihre psychisch komplexe Religion der Marodie zu erobern.

    
[…] Bevor die Anklageschrift gelesen wurde hatten die Anwälte des beschuldigten alten Mannes im Rollstuhl Beschwerde eingelegt, wegen Befangenheit des Oberstaatsanwaltes. Dieser Oberstaatsanwalt ist nämlich bekannt für seine reichlichen Interviews mit der Niederländischen Presse. […] Weiterhin war der Herr Staatsanwalt auch schon zu Besuch im heimischen Altersheim in dem der 88-jährige Rollstuhlfahrer lebt, um dort seine Macht zu präsentieren. Ob er sich dabei erhoffte, dass der Angeklagte dem Vordruck nicht standhält und einem Herzleiden erliegen wird, das weiß man nicht mit Gewissheit, jedoch steht fest, dass der Staatsanwalt geprägt ist von Hass Gefühlen.

    […] Übrigens hat der Angeklagte […] sicher Schlimmeres erlebte als jedes am Gerichtstag präsente Gesicht oder sich zum Jounalisten ernannte Pamphleteschreiber.

[…] Viel Interessantes zum Verfahren gab es jedoch nicht mehr. Man vertagte die Verhandlung auf den folgenden Montag. Wo der alte Mann im Rollstuhl wieder die ganze Zeit unter ärztlicher Aufsicht für ein ausgewähltes Verbrechen verweilen muß.



    Renè Laube

  2. 2 Peter 03. November 2009 um 11:39 Uhr

    Anscheinend scheint […] weder die Geschichte richtig zu kennen, noch scheint er sich darüber im klaren zu sein, was Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind.
    Die „Kameradschaft Westwall“, verschafft […] eben den medialen Rummel und stärkt seine Profilneurose. Journalisten sollten diese Neonazis vor und im Justizzentrum gar nicht beachten.Ich denke die Meinung von […], Laube usw. ist für die Öffentlichkeit nicht von Interesse. Die örtliche Presse sollte nicht noch die braunen Narren hoffähig machen.

  3. 3 Fatihland 03. November 2009 um 12:15 Uhr

    „Sollte jemand wie Hitler wieder an die Macht kommen, dann würde er als erster fluchtartig Deutschland verlassen, sagte […].“

    Und sagt mit dem gleichen Atemzug, dass dieser Ex SS-Mann „nichts verkehrtes gemacht [habe]“?
    Der Typ soll sich mal an den Kopf fassen…

  4. 4 don_giuseppe 03. November 2009 um 16:10 Uhr

    Oh man die Pressemitteilung ist ja mal wieder ein Paradestück deutscher Schlechtschreibung. Es ist so offensichtlich, wie man (oder Laube oder derjenige der dort denkt, er könne schreiben) versucht einen halbwegs geraden Satz hinzubekommen. Alleine der Versuch Fremdwörter, respektive Fachtermini unterzubringen, löst doch einiges an Gelächter aus. Wie lange wohl an diesem „Erguss“ gesessen wurde?

  5. 5 Antifaschist aus Düren 03. November 2009 um 20:12 Uhr

    […] trat im Kommunakwahlkampf der Dürener NPD übrigens auch in einem T-Shirt der „Leibstandarte Adolf Hitler“ in der Öffentlichkeit auf.

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