Sie gelten als moderner, aktionistischer und quasi-popkultureller Arm der Neonaziszene: „Autonome Nationalisten“ (AN). Bei ihrem äußerlichen Erscheinungsbild, bei ihren Aktionsformen und in Sachen „Subkultur“ wildern sie bei Linksautonomen, der Antifa und der Punk-, Hardcore- und bisweilen gar der HipHop-Szenen. Zwar gab es in Medien und Büchern schon Beiträge, die sich jenes Phänomens und den zahlreichen Widersprüchen innerhalb der AN annahmen. Doch mit dem dünnen Bändchen „‚Autonome Nationalisten’ – Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur“ liegt nun eine sowohl kurze, wie auch umfassende Abhandlung über diese modern erscheinenden, von ihrer Überzeugung her jedoch sehr radikalen und militanten Neonazis vor.
Verschiedene Fachautoren – darunter u.a. neben den Herausgebern Jan Raabe und Tomas Sager – beleuchten dabei Facetten der Szene. Etwa, dass AN-Vertreter teilweise wohlbehütete Kinder aus Familien des gutbürgerlichen Mittelstandes sind, die vorgeben, für einen „Nationalen Sozialismus“ kämpfen zu wollen, obschon sie sich in einer „Erlebniswelt“ zwischen Gewaltgeilheit und Hedonismus bewegen. Beleuchtet wird überdies, wie die Neonazi-Szene die Musik der Hardcore- und Hartecore-Szene für sich entdeckte und in die AN-„Erlebniswelt“ integrierte. Zugleich aber wird deutlich, dass die Übernahme von Styles und Aktionsformen des politischen Gegners auch „nur“ eine modernisierte Variante der SA-Aktionen in den 1920er Jahren sind.
Das Buch ist gerade lang genug, um das Phänomen AN verstehen zu können. Genau deswegen aber bietet das schmale Bändchen in seiner Kürze allen Interessierten, indes ebenso den gestressten Menschen in Medien, Schulwesen, Jugend- und Sozialarbeit einen fundierten Einstieg ins Thema. Dank einiger Vertiefungen bietet es indes auch Kennern der Szene noch neue Erkenntnisse. [© Michael Klarmann; für BnR]
Jürgen Peters, Christoph Schulze (Hrsg.): „Autonome Nationalisten“ – Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag, Münster 2009. 64 Seiten, 7,80 Euro
Link zur nun veröffentlichten Fassung:
http://www.bnr.de/content/braune-ae-erlebniswelt-ae
Besprechung des Buches in der jW:
http://www.jungewelt.de/2010/01-04/003.php