Mitte: Verzögerungen verzögern das Verfahren gegen früheren SS-Mann weiter

Aachen. Der Prozess um drei Vergeltungsmorde durch einen ehemaligen SS-Mann in den Niederlanden verzögert sich weiter. Nachdem es schon bei den ersten beiden Prozesstagen zu Verzögerungen gekommen war [1], wurde das Verfahren heute abermals vertagt. Grund dafür ist die Schwerhörigkeit des Angeklagten.

Die Verteidigung des 88-Jährigen wies am Dienstag darauf hin, dass ihr Mandant dem Verfahren wegen eines schweren Hörschadens nicht folgen könne. Er habe Probleme gehabt, die vor einer Woche verlesene Anklageschrift [1] zu verstehen. Aufgefallen sei der Verlust des Hörsinns – auf einem Ohr in Gänze, auf dem anderen zu 80 Prozent – erst im Verfahren. Neue ärztliche Atteste legten nahe, dass der 88-Jährige individuell angepasste Hörhilfen benötige.

Die Nebenklage kritisierte, dies könne keine überraschende Entwicklung sein. Es handele sich möglicherweise um eine bewusste „Verzögerung“ des Verfahrens. Während Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß sagte, bei den Verhören vor rund einem Jahr sei ihm die Schwerhörigkeit des Angeklagten schon aufgefallen, verwies die Verteidigung darauf, diese falle im täglichen Umgang mit den Angeklagte im Pflegeheim nicht auf.

Das Gericht vertagte den Prozess letztlich, da es Zweifel sah, dass der Angeklagte dem Verfahren akustisch folgen könne. Bis zum 17. November (10 Uhr) sollen dem 88-Jährige nun Hörgeräte individuell angepasst werden. Die Nebenklage regte indes gerichtliche Sanktionen – darunter fällt etwa das Verhängen von Ordnungsgeldern – an, da sich der Verdacht aufdränge, dass ein bekannt sein müssendes Verfahrens-„Hindernis“ von dem Angeklagten nicht behoben worden sei, um sich dem Verfahren zu entziehen.

Beobachtet wurde das Verfahren erneut von einer älteren Frau aus der Neonazi-Szene. Anders als in den ersten beiden Verfahrenstagen provozierten keine weiteren Neonazis. [© Klarmann]

[1] VERTEIDIGUNG MEINT, DER SS-KILLER HAT NUN LANGE GENUG ZU LANGE GELITTEN


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