Gallespucken: Wer Opfer ist bestimmt die NPD-Euskirchen

Euskirchen/Kall. Was passiert, wenn man einen 18-jährigen Neonazi für die NPD Texte schreiben lässt? Jan Baden aus Kall im Kreis Euskirchen hat dies nun für die der NPD-Düren unterordnete NPD-Ortsgruppe Euskirchen recht deutlich dargelegt. Anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht und des Gedenkens an die Opfer des NS-Straßenterrors und der Massenmorde an den Juden überschrieb der Neonazi einen Text folgendermaßen: „Gedenktafel für ‚Opfer’ des Nationalsozialismus“.

In dem auf der Homepage publizierten Text kritisiert Baden, dass auf der Internetseite der Stadt Euskirchen eine virtuelle Gedenktafel für die Opfer der Nazibarbarei eingerichtet wird. Indem er das Wort Opfer in der Überschrift in Zitatzeichen setzt, zeigt der Jungspund indes sehr deutlich an, dass er davon ausgeht, dass es tatsächlich gar keine Opfer gegeben habe.

Jedoch war dies nur das warm up: „Es scheint wohl nie genug zu sein, den ehrbaren Deutschen den nationalen Selbsthass weiter einzuimpfen und uns ewig daran zu erinnern, daß wir eine angebliche minderwertige und verhasste Nation sind,“ steigert sich der 18-jährige Wannabe-Herrenmensch langsam zur Hochform. Sodann schreibt er: „Während in Deutschland fast alljährlich irgendwelche Gedenktafeln für Opfer des Nationalsozialismus aufgestellt werden, wird für deutsche Opfer nicht ein Finger gerührt.“

Baden, übrigens wohnhaft in der Eifel, wo in jedem Ort seit Jahrzehnten „Kriegerdenkmäler“ zum Gedenken an die gefallenen Deutschen beider Weltkriege „mahnen“, folgt hiermit nicht dem heutigen Verständnis, wonach die Opfer des Naziterrors auch Deutsche waren, darunter in den KZs ermordete Kommunisten, Gewerkschafter und Katholiken – und, nicht zu vergessen wegen der großen Zahl der Toten, die Menschen jüdischen Glaubens. All diesen Opfern aber spricht der Neonazi in seinem volksverhetzenden Beitrag ab, dass sie Deutsche waren – und er folgt damit glasklar den Nürnberger „Rassegesetzen“ von 1935.

Die Juden – zum teil tapfer im Ersten Weltkrieg in der Armee des Kaiserreiches gekämpft habende Deutsche jüdischen Glaubens – wurden nämlich durch die Nürnberger „Rassegesetze“ willkürlich von den Nazis und mittels deren inhumanen Rassenwahn ausgebürgert. Dabei waren jene „Gesetze“ allerdings nur das Vorspiel dessen, was sich in der Pogromnacht 1938 noch zutragen sollte: Mord und Totschlag, aber wiederum auch nur ein Auftakt zum späteren Massenmord.

Der NPD-Schreiber findet in dem namentlich von ihm unterzeichneten Text indes zu dem Gedenken anlässlich der Pogrome von 1938: „Deshalb werden wir […] wieder einmal einen weiteren Tag der nationalen Demütigung und Diffamierung unserer tapferen Landsleute erleben.“ Frei nach der antijüdischen und göringschen Aussage, dass wer Jude ist der Judenhasser immer noch selbst bestimmt, bleibt da wohl nur festzuhalten: Wer Opfer ist, bestimmt die NPD… [© Klarmann]


9 Antworten auf “Gallespucken: Wer Opfer ist bestimmt die NPD-Euskirchen”


  1. 1 Rente 11. November 2009 um 16:07 Uhr

    Ich bin mir sicher das der junge Nachwuchs Hitler noch nicht mal weiss das sehr viele „Juden im ersten Weltkrieg gekämpft haben.

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    Tapfer kämpfende Soldaten jüdischen Glaubens – diese Realität passte nicht in die NS-Propaganda. Doch die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache.

    * 1. August 1914: Getragen von einer allgemeinen, heute unverständlichen Kriegsbegeisterung appelliert der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: „An die deutschen Juden! In schicksalsschwerer Stunde ruft das Vaterland seine Söhne unter die Fahnen. Dass jeder deutsche Jude zu den Opfern an Gut und Blut bereit ist, die die Pflicht erheischt, ist selbstverständlich.“
    * Rund 96.000 deutsche jüdische Soldaten dienen im Ersten Weltkrieg, 80.000 davon unmittelbar an der Front. 10.000 haben sich freiwillig gemeldet.
    * Insgesamt 21.000 jüdische Soldaten werden zum Offizier oder Unteroffizier befördert, 35.000 erhalten Orden und Ehrenzeichen.
    * 12.000 Soldaten jüdischen Glaubens fallen im Ersten Weltkrieg.
    * Nach dem Krieg organisieren sich die Überlebenden im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
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    http://www.denkmalprojekt.org/Verlustlisten/rjf_wk1.htm

    http://www.sueddeutsche.de/politik/535/313442/text/

  2. 2 Baden,Jan 11. November 2009 um 17:10 Uhr

    Sehr geehrter Herr Klarmann,

    bevor Sie diesen „Post“ als „neonazistisches Blabla“ löschen, bitte ich Sie doch einmal zu Ihrer sogenannten „Interpretation“ Stellung zu beziehen, denn was Sie mir vorwerfen beruht er auf Vorurteilen und unhaltbaren Beschuldigungen, die Sie mir anlasten möchten. Ich betrachte den Text als grenzwertig ehrrühig, aber Sie müssen ja selbst wissen, ob Sie Ihre „Leser“ diesen Propagandmüll lesen lassen- das was Sie uns übrigens permanent vorwerfen zu veröffentlichen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Baden, „Hitler von Euskirchen“?

    ich finde ihren text, auf den ich mich beziehe, für volksverhetzend und in diesem sinne nicht nur grenzwertig ehrrühig, sondern wirklich und tatsächlich ehrrühig. was sie indes von meinem text halten und oben kundgetan haben durften, das sei ihnen freigestellt…und meinen lesern ebenso… mik

  3. 3 Baden,Jan 11. November 2009 um 18:12 Uhr

    Nein, das ist doch nicht volksverhetzend, denn das Wort „Opfer“ des Nationalsozialismus ist nur ein Synonym für die Opfer wie z.B Juden, Kommunisten, Homosexuelle etc. geworden.
    Ferner räume ich die Option ein, dass ich mich ein wenig zu unspezifisch ausgedrückt haben könnte und so vielleicht ein Kommunikationsfehler entstand, der von meiner Seite nicht gewollt war. Das tut mir Leid.

    Meine Antwort hier soll nicht anbiedernd und beschlichtigent ausfallen, sondern dies klären, um einen fairen politischen Wettstreit zu gewährleisten. Dazu gehört auch, dass man nicht etwas in Texte hineininterpretiert, wo schon der Leser selbst viel Fantasie aufbringen muss, um diesem Märchen zu glauben.

    Seien wir doch ehrlich: Meine Aufgabe ist es schlecht über Sie zu schreiben und Sie schlecht über mich- das ist normal. Allerdings sollte dies doch auf gegenseitigem Respekt beruhen, um einander vernünftig verbal Auszutauschen bzw. uns zu „duellieren“.

    Außerdem möchte ich mich für Ihre Antwort bedanken, denn ich dachte nicht, dass ich jene bekäme.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Baden

  4. 4 Ingo 11. November 2009 um 18:23 Uhr

    Hui, da rudert aber jemand kräftig mit seinen urstdeutschen Armen zurück!

    Wohl Angst vor der eigenen Courage bekommen!

    Wenn das der Fööööhrrrrrer wüsste, der würde den Jan Bade bestimmt sofot zum Duschen ohne Badeschlappen schicken.

  5. 5 Baden,Jan 11. November 2009 um 19:23 Uhr

    Ich ruder nirgendwohin zurück, aber schön, dass Sie angeblich wissen, was „mein Führer“ mit mir machen würde.
    Aber keine Sorge: Ich lasse Ihnen Ihren degenerierten Spaß an überholten Klischees und es lässt tief blicken, wer hier „Klarmann“ ließt- diese besitzen anscheinden niederen Intellekt.

    Eigentlich hätte ich von meinen politischen Widersachern mehr erwartet. Das Ergebnis ist eigentlich ein Armutszeugnis und bescheinigt mir, dass die „Antifaschisten“ blinden Aktionismus betreiben und inhaltlich wohl schlecht über ihren „Feind“ informiert sind.
    Ich brauche niemanden zu akzeptieren, der haltlose Behauptungen und „Hypothesen über meinen Führer“ aufstellt und grossartig lamentiert und postuliert.

    Mit feundlichen Grüßen

    Jan Baden

    räusper, auch wenn ich ihnen sicherlich mangels fachwissen keinen ratschlag geben sollte: sie begehen denselben fehler, den verblendete überzeugungstäter (auch in diesem blog unter den kommentaren) immer (wieder) begehen, wenn sie einen stock im ar*** stecken haben, zum lachen in den keller gehen (müssen) oder so herzerfrischend jung sind, dass sie dem trugschluss aufsitzen, morgen seien sie der weltverbesserer (in ihrem falle meint das jedoch für mich: -verschlechterer)…

    ihnen fehlt a.) der sinn für humor, daher b.) der sinn, ironie oder sarkasmus zu erkennen, weswegen sie c.) über jedes stöckchen springen und sich so zum – nun ja, sinnbildlich geschrieben – äffchen machen… mik ps. wenn sie nun auch darauf ernsthaft antworten, werfe ich vor lachen zuerst das laptop, und dann mich selbst aus dem fenster (was, zugegeben, ihre große chance wäre, bei den „kameraden“ eindruck zu schinden, aber für einen guten witz muss man eben auch mal ein risiko eingehen…)…

  6. 6 Kölsche Jung 11. November 2009 um 20:06 Uhr

    Ich würde gerne noch d.), nämlich Authentizität, ergänzen. Eloquenz lässt sich nicht erzwingen und so erscheint manch verzweifelter Versuch, sich wortgewandt vom hohen Rosse darzustellen, mehr schlecht als recht. Das kauft man weder den Hitlern von Köln, noch den Mini-Me-Verschnitten von sonstwo ab. Schnöselig, zu mehr reicht’s leider nicht. Aber unter den Blinden ist der Einäugige ja meistens König (oder halt Führer).

  7. 7 Baden,Jan 11. November 2009 um 20:15 Uhr

    Was „sie tun“ wenn „ich“… interessiert mich nicht und ich habe es auch nicht nötig mich bei meinen Parteigenossen zu profilieren und grossartig in Szene zu setzen.
    Sie spielen hier doch das Gutmenschen Äffchen, das alles belächelt und nur deplacierte Kommentare ablässt, aber wenn es dann um sachliche Inhalte geht, wird es komischerweise still oder es wird als „diskussionsunwürdig“ abgetan. Man kann und will hier nicht diskutieren.
    Sie sollten vielleicht zwischen „sprachlichem Schutzschild“ und Humor unterscheiden, denn die Arglist die mit solchen kommt ist mitunter schwer abzuschätzen.

    Das Risiko bin ich eingegangen, als ich mich auf dieser Seite dazu entschloß einen Kommentar zu hinterlassen, aber ich wurde vom Witz, eben Sie, enttäuscht.

    ich falle… mik

  8. 8 nail 11. November 2009 um 23:38 Uhr

    @Jan Baden,
    es ist ganz einfach: bei deinem Artikel und der Argumentation gibt es nichts zu diskutieren!

  9. 9 H. Aller 12. November 2009 um 11:52 Uhr

    Ergänzung zu „nail“ @Baden,Jan:

    Hör mal Deinen Sänger in Ketten genau.

    Denk beim Refrain anders, und das geht so:

    Rechtes Gezeter, 9 Millimeter!

    Wer so eine ausartende Hetze wie Du absondert, hat keine Diskussion verdient.

    Er, also Du, hat den Trommelrevolver schon vorgeglüht.

    H. Aller (nicht verwandt oder verschägert)

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