Rechts: Pro NRW contra Islam pro Muslima contra Graffitis…

Bergheim. Laut dem Fraktionsvorsitzenden der rechtsradikalen „Bürgerbewegung Pro NRW“, Jürgen Hintz, beschäftige sich die „neue Stadtratsfraktion […] intensiv mit der Bergheimer Kommunalpolitik und [hat] insbesondere ein offenes Ohr für die Anliegen der einheimischen Bürger, Vereine und Gewerbetreibenden.“ Zumindest soll Hintz dies laut eines Berichtes der „patriotischen Bürgerbewegung“ gesagt haben. In demselben wird auch kundgetan, mit welchen kommunalpolitischen [sic!] und einheimischennahen [sic!] Anliegen „Pro NRW“ die Arbeit im Rat fortsetzen will. Man habe nämlich zu Beginn der Arbeit zum Wohle der Bürger aus Bergheim zwei Anträge eingereicht. Einerseits will man eine Fußgängerunterführung gegen Graffitis und Kriminalität sichern. Andererseits beantragt ausgerechnet die zutiefst fremdenfeindliche „Bürgerbewegung Pro NRW“, dass das Tragen des „Niqab“ in öffentlichen Gebäuden künftig untersagt wird.

Begründet wurde letztgenannter Antrag demnach mit den Worten: „Der Niqab ist eine der radikalsten Formen der Herabwürdigung von Frauen und leider bei den in Bergheim lebenden muslimischen Frauen immer weiter verbreitet. Das Zulassen dieser Art der Verschleierung in den öffentlichen Gebäuden der Kreisstadt Bergheim macht Rat und Verwaltung mitschuldig an dieser schlimmen Diskriminierung von Frauen. Ein Verbot ist darüber hinaus dazu geeignet, sozialen Druck von den Frauen zu nehmen.“ Gemeint sein dürfte damit ein Verbot einer Vollverschleierung von Muslimas, die der Burka nahe kommt. Was die ansonsten generell antiislamisch agitierende Gruppe „Pro NRW“ bei dem offenbar lediglich auf Provokation angelegten Antrag verschweigt: wie viele radikale Muslime gibt es in Bergheim, deren Frauen voll verschleiert in die Öffentlichkeit treten? Und was hat das mit Kommunalpolitik zu tun?

Zumindest letztgenanntes lässt sich erahnen: der offenbar einerseits provokant gedachte Antrag der ansonsten generell antiislamischen Störenfriede ist taktisch zudem extrem klug für die eigene Propaganda vorbereitet: lehnen die demokratischen Parteien und Wählerinitiativen im Bergheimer Rat den Antrag ab, wird „Pro NRW“ ihnen in gespielter, taktisch natürlich sehr hoch dosierter Entrüstung vorwerfen, Frauen-, ja, Menschenrechtsverletzungen gutzuheißen. Stimmen die Demokraten indes zu, werden ausgerechnet die Mitglieder der von braunen Hasspredigern, Rechtsextremisten und Fremdenhassern initiierten „Bürgerbewegung“ sich selbst in höchsten Tönen als Kämpfer für Menschen- und Frauenrechte bejubeln… [© Klarmann]


3 Antworten auf “Rechts: Pro NRW contra Islam pro Muslima contra Graffitis…”


  1. 1 Peter 28. November 2009 um 11:30 Uhr

    Die Verwunderung über Burka und Nigab weicht bei „Patrioten“, gleich welcher politischen Coloeur in Sekundenschnelle und macht Platz für empörtes Getuschel, zusammengezogene Augenbrauen und ein eigentümliches Kopfschütteln, wie es mancher vielleicht schon bei neurotischen Eisbären nach jahrelanger Käfighaltung beobachtet haben mag.
    Aufklärung durch andere Kommunalpolitiker wäre gerade bei den Patrioten von Pro Köln sinnvoll.
    Diese Aufklärung kann man jedoch nicht erwarten, da selbst etablierte Parteien und Politiker sich mit der Tematik kaum befasst haben.

    Der Erfolg von Pro Köln luiegt nur in der Tatsache, das andere Politiker bewusst wegschauen….

    Hier einige interessante Links zur Islam Thematik;
    http://www1.bpb.de/wissen/V25O6V,0,0,6_2_Kampf_der_Kulturen.html

  2. 2 Klar, Mann? 28. November 2009 um 22:22 Uhr

    Hatte die angebliche Mail gestern schon gelesen und für eine Fälschung oder einen hämischen Scherz von echten Neonazis gehalten:

    http://ao-wipperfuerth.blogspot.com/2009/11/pro-nrw-verbreitet-gefalschte-antifa.html

    „Pro NRW“ hat übrigens verbreitet, auf Antifa-Pages und in deren Foren werde die Tat abgefeiert…

    …mag sein, aber gelesen habe ich davon noch nichts, aber in Neonazi-Foren wird sie sehr stark abgefeiert, weil man „Pro NRW“ als Vaterlandsverräter ansieht…

    Wegen oben (siehe Link) erwähnter Mail will „Pro NRW“ übrigens Anzeige erstattet haben.

    Sollte der Absender aus den „Pro NRW“-eigenen Reihen stammen und keinen Anonymisierungsdienst oder Webproxy genutzt haben, werden die Rechtsradikalen aber auch dafür auch eine Ausrede finden:

    W-LAN geknackt oder so…

    Mik

  3. 3 Billigflug 04. Dezember 2009 um 17:35 Uhr

    Also ganz doof ist der Schachzug ja nicht.
    Natürlich bezweifle ich ebenfalls das es „Pro Nrw“ um die Rechte der Frauen geht. Ich sehe das ganze als ein gekonnten Schachzug sich erfolgreich in ein gutes Licht zu Rücken.

    Genauer kann ich mich leider nicht äussern, da ich keine genau Meinung dazu habe. Ich bin für Religionsfreiheit aber auch für die Rechte der Frauen. Und ich persönlich kann nicht beurteilen ob viele Fraun die Nigab aus Überzeugung tragen, oder ob sie dazu gezwungen werden.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.