Rechts: NPD-Düren drängt friedhöflich in die Städteregion Aachen vor

Aachen. Leicht morbide Ausflüge und „Heldengedenken“ scheinen bei dem NPD-Kreisverband Düren derzeit in Mode zu kommen. Überdies scheinen NPD-Kreischef Ingo Haller (Niederzier) und dessen einschlägig vorbestrafter Kompagnon, der „Kameradschaftsführer“ der Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), René Laube (Vettweiß), ihren Machtbereich weiter nach Aachen und in die Städteregion ausbauen zu wollen. Vergangenen Sonntag etwa will Hallers Kreisverband einen Ausflug auf den Aachener Waldfriedhof zelebriert haben – schon am 22. November hatten die braunen Pilger den Westfriedhof besucht [1].

Einem eigenen Bericht zufolge „führte der Kreisverband Düren in Zusammenarbeit mit parteifreien Nationalisten aus der Region [am Sonntag (6.12.)] einen weiteren kulturellen Ausflug durch.“ Auf dem Waldfriedhof befinden sich zahlreiche Gräberfelder mit Toten der beiden Weltkriege sowie ein Hochkreuz zum Gedenken an diese. „Nach einem ausführlichen Rundgang, bei dem der ein und andere Gedenkstein an unsere in den großen Kriegen gefallenen Helden bewundert werden konnte, fand man sich am [besagten] Hagelkreuz ein,“ schreibt die NPD zu ihrem Nikolaus-Ausflug.

Man habe zudem an verschiedenen Gedenksteinen und Gräbern den „ruhmreichen Toten der Deutschen Armeen“ mit Ansprachen oder schweigend gedacht, teilweise sollen auch Kerzen aufgestellt worden sein. Der Tod jener Soldaten sei, so die NPD, eine Verpflichtung für die „junge Deutsche Freiheitsbewegung“ – womit wohl die offen für einen neuen Nationalsozialismus kämpfen wollende Neonazi-Szene gemeint ist. Verschiedene Teilnehmer des „Ausflug[s]“ hätten Reden gehalten, teilweise mit „zahlreiche[n] Anekdoten rund um die Helden der Vergangenheit“ gespickt. Von der Plattform des Bismarkturms habe man dann noch „einen ehrfürchtigen Blick auf viele Grabstätten erheischen“ können.

„Solche Ausflüge fördern nicht nur das Wissen über unsere Geschichte und Kultur, sondern dienen auch ungemein dem besseren Miteinander, also der Kameradschaft,“ wird Haller in dem von „Pressereferent“ Laube unterzeichneten „Bericht“ zitiert. Auffallend ist bei den neuen Ausflugszielen und Aktivitäten des NPD-Kreisverbandes Düren, dass sie dem zunehmend an Einfluss verlierenden NPD-Kreischef für Aachen, Willibert Kunkel, auch aufzeigen, dass er weiter an Macht einbüßt.

Während Kunkel (Stolberg) etwa in der Vergangenheit Aufmärschen in Aachen rund um den Hitler- und Goebbels-Imitator, Neonazi und Volksverhetzer, Axel Reitz (Pulheim), am Vorabend des Jahrestages der Reichpogromnacht und an Heiligabend 2008 fern blieb, unterstütze Haller die Reitz-Aufmärsche. Nicht Kunkel, wohl aber Haller setzte im April 2008 nach einer Bluttat den Mythos vom in Stolberg „ermordeten Kameraden“ mit in die Welt – bislang marschierten fünfmal zwischen 80 und 800 Neonazis deswegen in der Kupferstadt auf, dreimal fungierte Haller als Organisator oder als Anmelder der Aufmärsche. Haller will bis 2018 weitere jener „Trauermärsche“ in Stolberg angemeldet haben.

Stellungnahmen und „Berichte“ von NPD-Vertretern zu lokalpolitischen Themen oder dem Prozess gegen einen ehemaligen SS-Mann in Aachen las man in der letzten Zeit kaum auf der Homepage des NPD-Kreisverbandes Aachen – wohl aber auf der „Heimseite“ der NPD in Düren. Auch den „spontanen Bildungsausflug“ am 22. November [1] zum Westfriedhof in Aachen hatte Hallers Trupp organisiert, nicht etwa Kunkel. Derweil betreut Hallers NPD-Kreisverband nicht nur die Mitglieder im Kreis Düren, sondern ebenso kommissarisch jene der NPD-Ortsgruppen im Rhein-Erft-Kreis und im Kreis Euskirchen.

Vorsitzender der letztgenannten Ortsgruppe ist der Dürener NPD-Ratsmann, René Rothhanns, zugleich stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Düren. Chef der NPD-Ortsgruppe im Rhein-Erft-Kreis ist hingegen Laube, der wiederum Hallers 2. stellvertretender Vorsitzender ist. [© Klarmann]

[1] HALLER ALS FÜHRER – BEI NPD-RUNDGANG ÜBER WESTFRIEDHOF