[Rechts]GegenRechts: Rechtsextreme contra Rechtsradikale [update2]

Euskirchen. Rechtsextremisten und Neonazis sollen angeblich in Euskirchen eine Versammlung von Rechtsradikalen „gesprengt“ haben. Zumindest verbreitet dies die rechtsradikale „Bürgerbewegung Pro NRW“ in einem Bericht von Mittwoch, den sie folgendermaßen überschrieben hat: „Neonazis sprengten pro-NRW-Nominierungsveranstaltung“. In einem Internet-Blog, dessen Autoren eher rechtsradikalen und rechtspopulistischen Gruppen und Parteien sowie der DVU nahe stehen, werden die Täter gar als „Faschingsnazi-Truppe“ und „Clownsarmee für Arme“ beschrieben. Unterdessen hat die NPD gekontert, widerspricht den Vorwürfen teilweise und beschimpft „Pro NRW“ als „pseudo-nationale Bewegung“, „Zionisten-Partei“ – und Hitler-Verehrer.

Image Hosted by ImageShack.us
By klarmanndoku FNE-„Kostümnazis“ Mitte 2007 im „Außeneinsatz“, als sie einen Infostand der damaligen PDS stören wollten (Foto: PDS/Linke)

Dem auf der Homepage von „Pro NRW“ am Mittwoch schon publizierten Text zufolge hätten sich in der Gaststätte „Alte Dorfschänke“ am Dienstagabend „[u]nglaubliche Szenen“ zugetragen. „Pro NRW“ wollte Eigenangaben zufolge auf der Versammlung den Direktkandidaten für den Wahlkreis nominieren. „Urplötzlich kaperte eine Gruppe latent gewaltbereiter Neonazis aus dem Umfeld des Szenegrüppchens ‚Freie Nationalisten Euskirchen’ [FNE] die Gaststätte,“ schreibt die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ über die „fragwürdigen Kostümnazis“, die sie bedroht hätten, weil Euskirchen „ihr Gebiet“ sei. Es sei zu einem Handgemenge gekommen.

Angeblich sollen die FNE-Leute die „Pro NRW“-Mitglieder und Interessenten als „Demokröten und Zionisten“ beschimpft haben, die „Euskirchenverbot“ hätten. „Eine ordnungsgemäße friedliche Durchführung der Veranstaltung war letztendlich nicht mehr möglich. Pro NRW wird die Nominierungsveranstaltung selbstverständlich umgehend nachholen,“ schreiben die von den Rechtsextremisten attackierten Rechtsradikalen und kündigen an, Strafanzeige zu erstatten. Überdies werde im Januar ein „Aktionstag“ in Euskirchen folgen, womit jedoch gemeint sein dürfte, dass wie in Aachen oder Düren lediglich mehrere „Pro NRW“-Mitglieder großflächig Flugblätter verteilen sollen.

„Pro NRW“ neigt gemeinhin zu Übertreibungen, abzuwarten blieb daher, was FNE und die eng mit ihr kooperierende NPD zu dem Abend verbreiten würden. Positives konnte „Pro NRW“ indes dem Geschehen auch abgewinnen: der Vorfall zeige, dass man eine ernst zu nehmende politische Kraft rechts von der CDU, aber nicht rechtsextremistisch sei – man werde ja nun von Rechtsextremen und Linksextremen gleichermaßen angegriffen. Dass „Pro NRW“ indes seit Jahren schon, um bürgerlich erscheinen zu wollen, gegen Neonazis wettert und diese als Kriminelle benennt, verschwieg „Pro NRW“ in dem Text. Gegründet wurde „Pro NRW“ indes vor rund zehn Jahren von Personen, die sowohl bei NPD, als auch den REP aktiv waren und die bis vor einigen Jahren noch keine Berührungsängste gegenüber Neonazis und NPD hatten. Auch aus jenen Tagen rühren Streitereien unter den verschiedenen „Bewegungen“.


Als manches noch etwas anders war: Kevin Hauer (im Anzug), heute einer von vier stellvertretenden Vorsitzenden von „Pro NRW“, auf dem gescheiterten „Anti-Islamisierungskongress“ 2008 in Köln im Gespräch mit Neonazis, die zuvor aufgefallen waren…

Kritik am NRW-Landesverband der NPD übte am Mittwoch in einer Teil-Übernahme des „Pro NRW“-Textes oben erwähntes Blog wegen der von „Pro NRW“ beschriebenen Vorfälle. Die Partei sei „jetzt gefordert, ihre zwar formell parteifreien, oftmals aber personell mit ihr verwobenen Schlägertrupps zurückzupfeifen und zu zeigen, dass hinter ihrer großen revolutionären Klappe auch etwas steht, dass sich wenigstens ansatzweise als das bezeichnen lässt, was sie allgemein geschwollen als ‚Volkes Stimme’ zu bezeichnen pflegt.“ Bislang haben sich zwar weder die FNE und die NPD-Euskirchen zu den Vorfällen offiziell geäußert, indes sah sich am Morgen der NPD-Kreisverband Düren zu einer Stellungnahme gemüßigt. Der stellvertretende Vorsitzende René Rothhanns, zugleich im regionalen NPD-Klüngel Vorsitzender der NPD-Ortsgruppe Euskirchen, wettert hierbei ungehalten gegen „Pro NRW“.

Demnach seien zwei FNE- und drei NPD-Vertreter aus dem Bereich Euskirchen, die in der Vergangenheit Kontakt zu „Pro NRW“ gehabt hätten, von den Rechtsradikalen zu der Versammlung eingeladen worden. Rothhanns, wie gehabt nicht unbedingt rechtschreib- und wortsicher, schreibt, besagte „Nationalisten“ hätten so „den offenen Disput [sic!] mit den Pro-anhängern suchen [wollen], da diese nicht nur Farbige in ihren Reihen dulden und mit Israel-Fahnen für zionistische Interessen demonstrieren, sondern sich auch […] vom wahren Deutschtum abwenden, um die Wähler zu täuschen, sich jedoch auf ihren Versammlungen nicht nur mit einem ‚Heil Hitler!’ grüßen, sondern […] auch SS-Materialien hinter verschlossenen Türen verkaufen.“ Bislang gab es ähnliche Vorwürfe allenfalls von „Pro NRW“ gegenüber NPD und „Kameradschaften“, abzuwarten dürfte daher bleiben, ob „Pro NRW“ nun gegen die NPD klagen wird.

Rothhanns widerspricht ebenso, dass es zu Gewalttätigkeiten gekommen sei. Neben seinen „Kameraden“ und der Versammlungsleitung sei zu Beginn nur ein „Pro NRW“-Interessent erschienen, später sollen weitere Neonazis erschienen sein. Die Frage, ob nun alle einen „Pro NRW“-Kreisverband gründen wollten, hätten die „Nationalisten“ abgelehnt. Erst daraufhin sei es zu Diskussionen gekommen, bei denen die Neonazis unter anderem gesagt haben sollen: „Wir wollen euch hier nicht und die Bevölkerung auch nicht, sonst wären die heute zahlreich geladenen Gäste hier.“ Man habe dem rechten Gegner „Stimmenklauen hier in Euskirchen“ vorgeworfen, weil eine „erfolgreiche nationale Wahlpartei[,] die vor Ort mit allen aktiven Kräften zusammenarbeitet […] doch genug“ sei. Angeblich habe der Versammlungsleiter – laut NPD Ronald Micklich, einer von vier stellvertretenden Vorsitzenden von „Pro NRW“ – das als Bedrohung gewertet und die Versammlung beendet.

Tags darauf habe „der als Lügner, Heuchler und politischer Hochstapler hinlänglich bekannte Markus Wiener“ von „Pro NRW“ dann „Lügen“ über den Abend verbreitet. Rothhanns ereifert sich gar und droht [1] unverhohlen: „Auch unsere Geduld ist einmal zu Ende und wenn man die Gewalt schon herbeischreibt, braucht man sich nicht wundern, wenn der eine oder andere beleidigte und verunglimpfte Kamerad so handelt, wie es ‚Pro’ anscheinend gerne hätte […] Gegen Lügner und Schwindler! Für eine echte nationale und sozialistische Alternative!“ [© Klarmann]

[1] Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass der ehemalige Sozialdemokrat und einmalige, ehrenamtliche Helfer auf der Schwulen- und Multikulti-Parade CSD in Köln, Rothhanns, seine Polemik ebenso dazu nutzt, den Autor dieser Zeilen zu attackieren. Zitat: „Hätte man tatsächlich vorgehabt die Versammlung mit Gewalt zu stören, hätte man es sich doch viel einfacher machen können und dem linken Journalisten Klarmann die Einladung zu der Versammlung zuspielen können, der hätte das dann sicher schon veröffentlicht und schon wäre die ganze linke Sippschaft anwesend gewesen, die gewiß nicht nur diskutiert und höflich nachgefragt hätte!“


17 Antworten auf “[Rechts]GegenRechts: Rechtsextreme contra Rechtsradikale [update2]”


  1. 1 Kameradin der FNE 16. Dezember 2009 um 19:10 Uhr

    Alles gelogen! Das einzig Richtige in dem Bericht von Pro, die FNE war da.
    Aber nicht in Form eines “Schlägertrupps”, die auf Ärger aus waren. So hätte man nicht die Infos bekommen, die man jetzt hat…

    jo, die infos hätt‘ ich auch gern‘… mik

  2. 2 DEMOkrat 16. Dezember 2009 um 20:08 Uhr

    „…, weil Euskirchen „ihr Gebiet“ sei.“

    jojojo ma homies thiz is da fresh + raw FNE (F**king Nazis from the Eastside) vid – enjOI!
    http://www.youtube.com/watch?v=IzsNrPLpTuY&feature=related

  3. 3 Neonaziswelt? 16. Dezember 2009 um 21:08 Uhr

    „‚Pro NRW‘ neigt gemeinhin zu Übertreibungen, abzuwarten dürfte also bleiben, was die eng mit der NPD kooperieren FNE zu dem gestrigen Abend verbreiten werden.“

    Herr Klarmann schenkt den „bösen, gewaltbereiten, antisemitischen, ausländerfeindlichen, glatzköpfigen und volksverhetzenden Neonazis“ mehr glauben, als „Pro-NRW“? Wenn das mal kein Eingeständnis ist?

    schonmal darüber nachgedacht, was mit dem wörtchen „verbreiten“ so gemeint sein könnte? mik ps. noch mal so eine e-mail-adresse (klarmann88@npd.de) angegeben und sie können der wahnvorstellung anhängen, ich würde zensur betreiben…

  4. 4 Glatze76 16. Dezember 2009 um 21:21 Uhr

    „Faschingsnazi-Truppe“ & „Clownsarmee für Arme“ ? so, so
    welch eine Ironie das Pro Köln/NRW gestern abend ausgerechnet von den oben genannten,aber eine 24 std. Mitgleidschaft haben wollten um einen Kanditaten auf zu stellen.Und das obwohl wir uns als Freie Nationalisten Euskirchen zu erkennen gaben.

    waren sie etwa nicht mit skrewdriver- und consdaple-bomberjöppchen unterwegs, wie damals bei den linken? mik

    ps. fand die vollversionen der bilder am infostand nicht, kopiere mal nur die verkleinerten, aus einem vortrag herausgenommenen dateien hierhin, damit die geneigten leserinnen und der geneigte leser sehen können, wie die FNE so ausschaut:

    Image Hosted by ImageShack.us
    By klarmanndoku at 2009-12-16

    Image Hosted by ImageShack.us
    By klarmanndoku at 2009-12-16

    Image Hosted by ImageShack.us
    By klarmanndoku at 2009-12-16

  5. 5 Peter 16. Dezember 2009 um 23:41 Uhr

    Für die Pro Bewegung passt dies hinsichtlich der bevor stehenden Landtagswahl prima im das Schema der Öffentlichkeitsarbeit. Hauptsache Schlagzeilen!

  6. 6 Sarkastiker 17. Dezember 2009 um 0:06 Uhr

    Vielleicht bezog sich die Einschätzung als „latent gewaltbereit“ ja auf die Ausstrahlung der Kostümnazis.

  7. 7 Axel W. Reitz 17. Dezember 2009 um 2:01 Uhr

    „jo, die infos hätt‘ ich auch gern‘… mik“

    Mal sehen, ob ich da behilflich sein kann. ;-)

    Gruß,

    - Axel Reitz -

    *schwitz* nun bloß nicht übertrieben unhöflich sein: tach auch, herr reitz, dass wäre doch schon sehr aufmerksam und zugleich eine zarte keimschaft einer aufblühenden volksgenossenschaft. ihr, mik ps. und, wie war ich?

  8. 8 Axel W. Reitz 17. Dezember 2009 um 11:40 Uhr

    @mik

    Tauch auch, Herr Klarmann.

    Warum muß ich plötzlich an Oscar Wildes Ausspruch „Mit Freundlichkeit umgarnt man seine Feinde!“ denken?

    Ansonsten, gute Arbeit. ;-)

    Herzlichst und mit Hochachtung vorzüglichster Art, ganz untertrieben stets der Ihre

    - Axel Reitz -

  9. 9 don giuseppe 17. Dezember 2009 um 12:12 Uhr

    „euskirchenverbot“
    klingt eher nach belohnung als nach bestrafung

  10. 10 Arno Nymus 17. Dezember 2009 um 15:07 Uhr

    Herr Klarmann, könnten Sie kurz und knackig definieren, was für Sie der Unterschied ist zwischen „rechtsextrem“ und „rechtsradikal“? Bitte.

    radikal = radikale ansichten, im weitesten sinne nicht oder nur knapp verfassungsfeindlich, aber (in dem falle) radikaler als etwa CDU-rechtsaußen-flügel.

    extrem = extreme ansichten, klar verfassungsfeindlich, da überwindung der demokratie angestrebt. [/heute]

    radikal = extrem(istisch) [/früher]

    mik

  11. 11 Klar, Mann? 17. Dezember 2009 um 15:31 Uhr
  12. 12 Baden,Jan 17. Dezember 2009 um 20:32 Uhr

    Danke für den Bericht Herr Klarmann :)

  13. 13 Feige Naive Eifelkinder (FNE) 17. Dezember 2009 um 22:00 Uhr

    „Faschingsnazi-Truppe“ und „Clownsarmee für Arme“

    Vollkommen richtig. Die Bilder sind das i-Tüpfelchen zu dem Bericht.

  14. 14 Klar, Mann? 18. Dezember 2009 um 17:51 Uhr

    Herr im Himmel, nun soll die NPD angeblich in Düren auch noch „Pro NRW“ gesprengt haben…

    http://nrwrex.wordpress.com/2009/12/18/dn-noch-eine-pro-versammlung-gesprengt/

    Wenn dass der Haller wüsste!

    Mik

  15. 15 Baden,Jan 18. Dezember 2009 um 18:32 Uhr

    Der Bericht ist sehr amüsant. :)

  16. 16 Axel W. Reitz 18. Dezember 2009 um 20:40 Uhr

    @mik

    Siehe hier:

    http://*.com/dueren/?p=984

    Der Haller wußte mal wieder mehr als Sie! ;-)

    Gruß,

    - Axel Reitz -

    klar, mann? kann nicht alles wissen. sicher weiß haller noch nicht, dass „kategorie c18″ (haller) bald wieder in der region spielen wollen? und er wusste mitte 2008 nicht, wo „pro nrw“ sich in aachen treffen. war ein teurer – ausgesprochen leckeres eis und gesöff –, aber sehr unterhaltsamer abend vor der tür, in einer von einem muslim betriebenen gaststätte, in der ein gläubiger muslim gerade speiste, als „pro nrw“ vom wirt abserviert wurden… mik ps. von dem text wusste ich schon durch haller, siehe artikel im blog.

  17. 17 Wilde 19. Dezember 2009 um 8:36 Uhr

    Wir wissen immer mehr wie du mik :-)

    Mfg Wilde

    wissen soll laut volksmund macht sein, aber wenn man es nicht versteht und nicht das einordnen kann, was man weiß, dann ist wissen nichst wert… mik ps. siehe ihr anderes posting heute.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.