Die „Kunst“, die Arbeit an einer Biografie umsichtig zu „terminieren“, besitzen heute offenbar immer weniger. Produkte der Popkultur oder Politiker liefern Quasi-(Auto)Biografien schon mit Mitte 30 ab; doch Neeli Cherkovski schrieb mit „Das Leben des Charles Bukowski“ (1991, dt. 1993) zumindest eine fast umfassende Biografie über den US-amerikanischen Kultautor. Natürlich ist diese Feststellung einer „Ironie der Geschichte“ geschuldet, denn Bukowski verstarb 1994 und bis auf wenige späte Bücher von Hank sowie die posthum von seiner Witwe Linda publizierten Manuskripte umfasst Cherkovskis Werk tatsächlich fast das ganze Leben Bukowskis.
Und dieses war nicht leicht: ein pedantischer Vater, der mit einem Lineal nachmaß, ob Hank den Rasen sauber gemäht hatte – falls nicht, also immer, setzte es Prügel; eine heftige Akne in der Pubertät; der Vollsuff, Schlägereien, miese Jobs und Frauengeschichten…nur die Pferderennbahn und das Schreiben schienen Lichtblicke zu sein. Hanks Leben wurde oftmals als wild romantisiert, für ihn dürfte es oft genug ein Albtraum gewesen sein, über den er als Schriftsteller aber selten klagte, sondern alles eher ironisch „abzuschreiben“ gedachte. Und über all das hat dessen langjähriger Freund Cherkovski wohl eines der besten Bücher geschrieben.
Zugrunde lagen bei der Recherche Interviews, sorgfältige Kenntnisse des Buk-Gesamtwerkes und nicht zuletzt die gemeinsamen Gespräche, Erlebnisse und Sauforgien. Es dürfte bis heute die beste Biografie über Bukowski sein, die nach dessen Tod 1996 mit einem aktualisierten Kapitel durch den „Maro Verlag“ wieder veröffentlicht wurde. [© Klarmann]
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