Gallespucken: Korrekte und unkorrekte Hassprediger sowie die NPD

Krefeld. Stolze 0,68 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 111 (Krefeld I – Neuss II) für die NPD [1]. Ihren ehemaligen Kreisvorsitzenden büßte die Neonazi-Partei im Sommer unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen ein [2] – offenbar jedoch im Zusammenhang damit, dass die NPD schon bei den Kommunalwahlen versagt hatte [3]. Doch tapfer veröffentlicht die Krefelder NPD auf ihrer Homepage Stellungnahmen, etwa solche der Bundes- und Landespartei. Gelegentlich aber greift sie selbst zur Tastatur – und schimpft daher auch seit dem 31. Dezember deftig über einen „Kuschelkurs gegenüber Islamisten“ durch die Polizei.

Anlass für das rechte Gezeter ist ein öffentlichkeitswirksamer Besuch der Polizei in einer Moschee in Krefeld zur Verbesserung von Toleranz, zum besseren Verständnis unter- und der besseren Kooperation miteinander. Ob die NPD nun selbst darauf gekommen ist, dagegen zu poltern, ist unklar. Sie verlinkt bei ihrer kleinen Hetzschrift jedenfalls – für ihre Partei sicher Verwerflicherweise – auf einen vorangegangenen Bericht des pro-israelischen, pro-amerikanischen, pro-jüdischen aber ansonsten korrekt fremden- und islamfeindlichen Blog „Politicaly Incorrect“ (PI). PI kritisierte schon am 30. Dezember den Polizei-Besuch in der Moschee unter der Titelzeile „Polizei kooperiert mit Verfassungsfeinden“. Besagte Moschee werde aus einem Dunstkreis der Grauen Wölfe, der Islamisten und verfassungsfeindlicher Vorfeldorganisationen geleitet, so PI weiter.

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Zumindest für die in Krefeld selbst sehr solide demokratie- und verfassungsfeindliche NPD [siehe Bild, Quelle siehe unter Fußnote (4)] ist das eine völlig unbrauchbare Überschrift. So überschrieb die NPD lieber ihren Texthappen mit den Worten „Polizei Krefeld: Kuschelkurs gegenüber Islamisten?“ Der durch und durch fremdenfeindliche und rassistische Parteiverband teilt öffentlich zwar nicht mit, ob Moscheen abzubrennen und Muslime sowie Fremde generell raus zu werfen ganz nett sein könnte, findet jedoch: „Dass es in fast allen Ländern der Welt selbstverständlich ist, dass sich die Gäste der jeweiligen Landeskultur anzupassen haben – und somit keine ‚interkulturellen Kompetenz’ vonnöten ist – hat man bei den Schutzmännern- und -frauen wohl vergessen…“

Als würde es im Umfeld und innerhalb der NPD bundesweit keine – zuweilen gar vorbestraften – Gewalttäter geben und niemand in der Partei davon träumen, dass der Nationalsozialismus mit all seinem Krieg und Massenmord wieder geupdatet wird, findet die pazifistisch-getarnte Krefelder Krawalltruppe weiter: „Auch die traurige Tatsache, dass es immer wieder der Islam ist, der Gewalt und Unterdrückung propagiert und letztendlich auch verursacht […] möchte man wohl einfach nicht wahrhaben.“ Beobachter, die die NPD-Rabauken vom linken Niederrhein her kennen, könnten derweil auf den schlauen Gedanken kommen, diese Passage sei keine Kritik am Islam, sondern nur der Neid des strafrechtlich Verfolgten und durch Strafgesetze noch leicht Gehemmten.

„[U]nser aufrichtiges Beileid gilt deshalb allen Polizisten, die diesen Wahnsinn mitmachen müssen,“ ergänzt die NPD Krefeld dann aber noch zu dem Moschee-Besuch der Uniformierten. Und wieder könnten Beobachter sich fragen, ob jene Aussage vielleicht eine in Watte geprügelte Selbstkritik ist, angesichts verschiedener blindaktivistischer NPD-Aufmärsche und -„Mahnwachen“ und -Infostandserien seit 2007 in Krefeld… [© Klarmann]

[1] (Volks)Parteien ohne (Wahl)Volk…
[2] NPD bestätigt offiziell Spönlein-Absetzung – Haller steht ihm indes bei
[3] NPD verliert in Krefeld Kommunalwahl schon heute
[4] Datenantifa hackte wieder