Rechts: Neualtes Strategieorgan der Autonomen Nationalen Sozialisten und ein Herr namens Malcoci

Region. Innerhalb der Neonazi-Szene sorgt eine via Internet verbreitete „elektronische Zeitschrift“ (.pdf-Datei) namens „Schwarze Fahne“ für Aufsehen. Die neue, vierte Ausgabe des schon „1988 bei der Entstehung der Autonomen Nationalen Sozialisten“ als Printversion gegründeten „alte[n] Schlachtroß[es] radikaler Politik“ soll nun „wieder in den Kampf geworfen“ werden und als Strategieorgan dienen. Während die Autoren überwiegend anonym Artikel beisteuerten, schreibt der Neonazi Christian Malcoci aus Grevenbroich bei Neuss namentlich gekennzeichnet für die „Schwarze Fahne“.

Malcoci hält seit Jahren enge Verbindungen in die Region Aachen [1]. Für die „Schwarze Fahne“ hat er den Text „22 Jahre freie Autonome Nationale Sozialisten – Die Strömung ist älter als gedacht“ verfasst. Angesichts des Phänomens der „Autonomen Nationalisten“ (AN) in der Neonazi-Szene weist Malcoci – ähnlich wie durch den Autor dieser Zeilen in einem Buchbeitrag angedeutet [2] – darauf hin, dass die „Autonomen Nationalen Sozialisten“ alias AN nicht erst Mitte der 1990er Jahren entstanden sind. „Mit der Verbreitung der ersten Ausgabe der ‚Schwarzen Fahne’ im Juni 1988 fiel der Startschuß zur systematischen Ausbreitung der Autonomen Nationalen Sozialisten. Die entstandenen Gruppen im Ruhrgebiet und im Rheinland nahmen sofort ihre Arbeit auf,“ schreibt Malcoci in dem aktuellen Text.

Zudem ergänzt er: „Der Schwerpunkt der Aktivitäten der Autonomen Nationalen Sozialisten im Ruhrgebiet war damals Witten. Die dortige hochaktive Gruppe trat, wie ich damals oft selbst miterlebt habe, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in der Öffentlichkeit auf, es wurden auch nichtangemeldete Märsche durch die Wittener Innenstadt durchgeführt. In den von der Gruppe dominierten Stadtteilen fanden nächtliche Kontrollen statt, so daß schon damals für linke Gewalttäter sogenannte ‚No-go-Areas’ entstanden.“ Interessant ist an dem neuen Text des altgedienten Kaders, dass der Neonazi abermals mit den AN in Verbindung gebracht werden kann.

Christian Malcoci galt schon immer als innovativ – politisch zwar streng auf den historischen NS festgelegt, war er in Strategiefragen und Aktionsformen jedoch überwiegend „frei“. Er selbst ist seit Jahrzehnten in der Neonazi-Szene aktiv. Laut verschiedener Publikationen war er etwa am 20. April 1989 anlässlich des 100. Geburtstages von Adolf Hitler in Essen an der Besetzung des Büros der Nachrichtenagentur dpa beteiligt und soll im Vorfeld der Aktion auch Funktionär des „Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers“ (KAH) gewesen sein.

Laut „Handbuch Deutscher Rechtsextremismus“ gehörte Malcoci in den 1990er Jahren zu den Hauptverdächtigen, die am Strategietext „Eine Bewegung in Waffen“ mitwirkten. Der Text skizzierte den bewaffneten, rechtsterroristischen Kampf gegen die Bundesrepublik. Die Autoren des Buches „Drahtzieher im braunen Netz“ stellten 1996 in einer zweiten, aktualisierten Auflage ihres Buches fest, der Text „Eine Bewegung in Waffen“ sei jedoch nur eine „Fortschreibung“ verschiedener Thesenpapiere der „Autonomnationalistischen Zellen“ (ANZ) gewesen.

Jenes Konzept des „Autonomnationalismus“ wurde laut „Handbuch Deutscher Rechtsextremismus“ schon „vor 1990 von den Autonomnationalistischen Zellen (ANZ)“ in einem „Autonomnationalistischen Manifest“ skizziert. Jenem „Manifest“ zufolge seien neue und effektive Widerstandstrukturen, Kampfzellen und Aktionsformen zu erarbeitet. Der Titel jenes Strategiepapiers lautete „Wir schwören den Eid…“. In dem Papier heißt es etwa: „Es könnte einmal die Stunde kommen, in der unsere agitatorische Munition durch Splitterhandgranaten, Flammöl und Explosivgeschosse ausgetauscht und/oder ergänzt wird.“

Es gelte jedoch aktuell schon, jene Widerstandsstrukturen einer „radikale[n] Wehrhaftigkeit“ und „innere[n] Rüstung“ für den „entscheidenden Moment des Zuschlagens“ zu bilden, um „den nationalistischen Kolonnen den Weg zu weisen, der uns eines Tages zum erhofften Ziel“ führt. Auch wenn sich Malcocis öffentlich einsehbarer Bericht in der neuen Ausgabe der „Schwarzen Fahne“ bei weitem nicht so radikal liest, wie das seinerzeit intern in der Braunszene verbreitete „Autonomnationalistische Manifest“ sowie das Strategiepapier „Eine Bewegung in Waffen“, lässt sich dennoch eine gewisse Kontinuität erahnen.

Auch Malcocis ältester Sohn bewegt sich seit Jahren in der Neonazi-Szene im Raum Aachen und Heinsberg, zeitweise zudem in der Alternativ- und Punk-Szene. Während Antifaschisten dem optisch eher alternativ auftretenden jungen Mann vorwerfen, an Überfällen auf Linke beteiligt gewesen zu sein und „Anti-Antifa“-Arbeit zu betreiben, bestreitet dieser dies vehement. Malcocis jüngster Sohn dürfte für eines der ersten HipHop- und Rap-Projekte in der Neonazi-Szene verantwortlich gewesen sein.

Das im Jahre 2005 für einige Monate als „N-Soundz“ bekannt gewordene Projekt – Slogan „Rap ist nicht schwarz!“ – verschwand jedoch bald wieder in der Versenkung [3]. Der mutmaßliche „N-Soundz“-Kopf und jüngste Sohn Malcocis bewegt sich ebenso wie sein älterer Bruder seit geraumer Zeit innerhalb der regionalen Neonazi-Szene. Sowohl das eher alternative Auftreten der Malcocis, als auch die HipHop- und Rap-Vorlieben der Brüder dürften exemplarisch für jene Widersprüchlichkeiten stehen, die heute innerhalb der AN-Szene anzutreffen sind [4]. [© Klarmann]

[1] Siehe unter anderem dazu Zwischen demokratischer Maskerade und NS-Glorifizierung – der Haller-Malcoci-Pakt
[2] Auszug, indes ohne die Passage mit Bezug zur historischen AN-Linien Neonationalsozialismus extrem modern
[3] Rap hart den Heil den Hitler-Hop
[4] Autonome Nationalhedonistische Sozialisten


3 Antworten auf “Rechts: Neualtes Strategieorgan der Autonomen Nationalen Sozialisten und ein Herr namens Malcoci”


  1. 1 EnjoyLiberty 10. Januar 2010 um 13:45 Uhr

    Sein 2.jüngster Sohn ist ja der AN schlechthin ;-) Antispe usw.

    greetz an […] :-P

  2. 2 Klar, Mann? 10. Januar 2010 um 13:57 Uhr
  3. 3 Klar, Mann? 24. Februar 2010 um 9:09 Uhr
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