Rechts: Gastronomie macht frei – benötigt NPD in Düren bald Schankgenehmigung?

Düren. Vorgekommen ist es, dass NPD-Vertreter verkündeten, sie würden eine Immobilie kaufen wollen, was deren Preis dann in die Höhe trieb – in der Vergangenheit hat dies denn auch schon dazu geführt, dass etwa Kommunen zwecks Verhinderung von rechten Zentren überhöhte Preise an die Verkäufer von Bauten zahlten [1]. Seit Wochen jedoch kursieren im Dürener Ortsteil Merken Gerüchte, dass der Wirt einer Gaststätte nicht nur in den Ruhestand treten, sondern auch seine Immobilie an die NPD verkaufen will. Zwar hatte der Mann sich unlängst erst von den Rechtsextremisten distanziert, jedoch glauben Beobachter, dass er sich wegen schlechter Erfahrungen im Ort nach einem Neonazi-Treffen in seiner Kneipe revanchieren könnte.

Unterdessen nämlich hat der NPD-Kreisverband Düren mittels Veröffentlichungen auf seiner Homepage und per Pressemitteilung mitgeteilt, dass man die Immobilie des Kneipiers kaufen wolle. Unter der Überschrift „Nationales Zentrum im Rheinland geplant [–] NPD bekundet die Absicht des Kaufes einer Immobilie in Merken“ bestätigt die NPD also eben jene im Ort kursierenden Gerüchte, wonach der Wirt – offenbar alters- und krankheitsbedingt – sein Lokal aufgeben und verkaufen werde. Verkaufen, das soll er demnach selbst verbreitet haben, werde er an „die Jungs, die ihm am meisten zahlen“ wollen. Gemeint sein sollen mit den „Jungs“ den Gerüchten zufolge Vertreter der NPD und der Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Beobachter im Ort wollen in letzter Zeit zudem auffallend oft Autos vor der Gaststätte gesehen haben, die sie mit rechtsextremen Kreisen in Verbindung bringen und deren Aufkommen sie auf laufende Verhandlungen zwischen Käufer und Gastwirt schließen ließen. In ihrer Pressemitteilung bestätigt die NPD, dass Verhandlungen stattgefunden haben und man plane, ein „Nationales Zentrum im Rheinland“ einzurichten. Darauf sollen wohl ebenso rechtsextreme Parteien und Gruppen aus dem Raum Aachen, Düren, Heinsberg, Niederrhein, Köln, Euskirchen und dem Rhein-Erft-Kreis zugreifen können. Der neonazistische Parteiverband schreibt:

„Die in Merken liegende Gaststätte eignet sich durch ihre zentrale Lage hervorragend für das Anliegen und würde unter anderem Raum für Versammlungen, Schulungen und Feierlichkeiten bieten. Es fanden deshalb bereits Verhandlungen mit anderen Kreisverbänden der NPD sowie freien Aktivisten statt […]. In einer der zwei Wohnungen über den Räumlichkeiten der Gaststätte könnten zudem Büros eingerichtet werden, die […] auch als Zentrale für die Koordination der regionalen NPD genutzt würden. Als Zeitfenster wurde sich vorgenommen die Verhandlungen noch vor den Landtagswahlen abzuschließen, damit bereits der Wahlkampf zur Landtagswahl 2010 […] von dort aus maßgeblich mit organisiert werden könnte.“

Schon in den Jahren 2006 und 2007 haben der NPD-Kreisverband Düren und die KAL auf eine Gaststätte zugreifen können. Damals fanden Stammtische, „Kameradschaftsabende“, Mitgliederschulungen, Feste und „Liedermacher“-Konzerte mit teilweise bis zu 120 Besuchern in der damaligen Gaststätte „Gütershop“ in Düren nahe dem Bahnhof statt. Schon Anfang 2007 hatte die NPD indes Gastwirte im Raum Düren auf der Suche nach neuen Veranstaltungsräumen angeschrieben [2]. Wochen darauf schon hatte der neonazistische Parteiverband mitgeteilt, man suche für größere Veranstaltungen eine Immobilie im Kreis Düren „in Form einer Halle, eines Hauses oder Vereinsheims“ [3] – jedoch zur Miete.

In Krefeld hatte man Ende 2007 von NPD-Seiten angedroht, ein Parteizentrum für das Rheinland einzurichten [4]. Zwar kam der Kauf von Büroräumen Anfang 2008 in Krefeld nicht zustande [5], jedoch fand Mitte 2009 im Internet-Forum der NPD-Verbände aus dem Rheinland eine neue Diskussion über den Ankauf und sehr konkreten Möglichkeiten zur Finanzierung eines im Rheinland liegenden „Zentrums“ statt. Demnach bot ein als glaubwürdig anzusehender rechter Stratege an, beim Kauf eines Gebäudes teilweise in Vorleistung treten zu können. Interessenten, Parteigliederungen und andere rechte Gruppen könnten zudem Anteile am „Zentrum“ erwerben, was ihnen Nutzungsrechte zusichere. Alles werde anwaltlich abgesichert, Interessenten sollten sich persönlich bei ihm melden.

Bei der Immobilie, die die NPD nun in Merken kaufen will, handelt es sich um die Gaststätte „Am Sportplatz“, wegen des Namens des Besitzers im Volksmund auch „Bei Vitzer“ genannt. Im Saal der Gaststätte fand u.a. im Mai 2009 ein Neonazi-Treffen zum „Gedenken“ an einen NS-Märtyrer statt [6]. Laut NPD – die in den kommenden Wochen letzte Sponsoren für den Ankauf gewinnen will – habe der Wirt ihr damals schon vage unterbreitet, die Immobilie verkaufen zu wollen. In der Öffentlichkeit jedoch hatte Hans-Peter Vitzer bekundet, sich bei der Bevölkerung wegen des Treffens zu entschuldigen. Seine Kneipe sowie den Saal werde er nicht mehr an Neonazis vermieten [7].

Auffallend schnell war das bei dieser Gelegenheit an der Gaststätte angebrachte Schild mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“ wieder verschwunden. Hatte man zuerst im Ort vermutet, Neonazis hätten es gestohlen, kamen zudem Gerüchte auf, wonach nicht alle der Distanzierung des Wirtes Glauben schenken wollten – bis hin zu Gerüchten, der Wirt habe nie verwunden, dass man ihn wegen des Neonazi-Treffens im Mai 2009 so stark im Ort kritisiert habe. Demnach könnten die laut Beobachter auch von ihm selbst schon seit Wochen im Ort gestreuten Gerüchte, die NPD-Berichte über die Verhandlungen und letztlich sogar der Verkauf der Immobilie an die Neonazis auch eine Art Retourkutsche gegenüber den damaligen Kritikern sein. [© Klarmann]

[1] …und manchmal gab es Gerüchte, die Eigentümer und Händler hätten sich den Gewinn dann mit der Partei oder deren Vertreter geteilt.
[2] NPD sucht neue Kneipen im Kreis Düren für ihre Treffen
[3] NPD sucht Immobilie in Düren für Großveranstaltungen
[4] NPD-Geschäftsstelle Rheinland in Krefeld?
[5] Stadt Krefeld hilft NPD Geld zu sparen
[6] Schlageter-Treffen konspirativ in Düren abgehalten
[7] Wirt entschuldigt sich bei Bevölkerung wegen Neonazi-Treffen


6 Antworten auf “Rechts: Gastronomie macht frei – benötigt NPD in Düren bald Schankgenehmigung?”


  1. 1 Antifascist_Area 25. Januar 2010 um 23:16 Uhr

    Was für ein Zufall, in Merken!

  2. 2 Merken 25. Januar 2010 um 23:18 Uhr

    Ob die Käufer in Spe denn auch wissen, wie es um die Bausubstanz des auf dem „Pierer Sprung“ stehenden Gebäudes steht? Mir wäre jeder Euro für die gerissenen Wände zuviel.

  3. 3 Merken2 26. Januar 2010 um 0:10 Uhr

    Hoffentlich sind die Käufer in Spe und der Verkäufer sich bewusst das die Bevölkerung in Merken das nicht so einfach auf sich sitzen lässt. Wenn es in Merken etwas gibt dann ist es der Zusammenhalt bei solchen Themen, egal welche Gedanken die Menschen in Merken haben.
    Die andere Frage die sich mir stellt ist: darf bei alkoholisch bedingter Demenz einen Vertrag (Kauf oder Mietkauf) unterzeichnet werden (Die die den Wirt kennen wissen was ich meine).

  4. 4 Klaus Störtebecker 26. Januar 2010 um 19:11 Uhr

    Würde mich freuen…..da müsste ich nicht lang suchen, wenn mich mal wieder der “ Furor Teutonicus“ packt.

  5. 5 Klar, Mann? 27. Januar 2010 um 13:40 Uhr
  6. 6 Klaus Störtebecker 27. Januar 2010 um 19:42 Uhr

    Ich spendiere ’ne Karaokeanlage für den Laden.
    http://www.youtube.com/watch?v=iURmCz7hiDM&feature=player_embedded#

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