Archiv für Januar 2010

Altpapier: Blasphemie in ihrer allerschönsten Rohform

Trotz seines Erscheinungsdatums (Original 1971, dt. um 1972) dürfte das Buch „Der Exorzist“ von William Blatty wohl immer noch einer der besten, im weitesten Sinne Horror-Romane ever sein. Das Buch handelt von einem Mädchen, dass plötzlich von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht wird. In ihrem Zimmer beginnt es zu Klopfen, Möbelstücke werden verschoben, Dinge verschwinden und lassen sich später andernorts wieder finden, das Kind beginnt aufs übelste ihm nahe stehende Menschen zu beschimpfen und scheint verschiedene Persönlichkeiten anzunehmen. Ärzte und ein Aufenthalt in einer Fachklinik können ebenso wenig helfen, wie nicht unerhebliche Mengen an Beruhigungsmitteln. Hinzu kommt, dass ein Freund der Familie plötzlich auf unerklärbarer Weise zu Tode kommt. Letztlich ist es ein Jesuitenpater, der vermutet, dass das Kind von einem Dämon besessen ist; nach langem Hadern leitet der Pater einen Exorzismus ein.

Natürlich hat das Buch eine große Schwäche – seinen Titel. Denn freilich weiß der Leser schon dank des Buchrückens sofort, um was es geht – interessant wäre es sicher zu erfahren, wie dieses brillante Werk auf nichts ahnende Leser wirken könnte. Verstärkt wird die Kraft des Textes sicherlich ebenso, wenn man den nicht weniger genialen Film (1973) vor der Lektüre gesehen hat und sich visuell an dessen Szenen „orientieren“ kann. Nichtsdestotrotz bleibt Blattys Roman einer der wegweisenden Romane, sicher seiner Zeit um einiges voraus, besonders wegen seiner Mischung aus packendem Erzählstil, radikaler Umschreibungen, blasphemischer Szenen und der Liebe zum Detail. Und vielleicht ist das Kultbuch so uneinholbar gut geschrieben, dass Stephen King bisher vom Thema Exorzismus weitestgehend die Finger gelassen hat… [© Klarmann]