Düren. Die harsche Kritik an der Ankündigung, im Dürener Vorort Merken die Gaststätte „Zum Sportplatz“ kaufen zu wollen [1], hat den Dürener NPD-Kreisführer Ingo Haller dazu bewogen, in einem rund 7.600 Zeichen langen Pamphlet großen Teilen der Merkener, den Lokalpolitikern und Medien vorzuwerfen, Arschlöcher und Kriminelle zu sein. Natürlich hat Haller das so nicht geschrieben, er schimpft lieber im üblichen NPD-Duktus gegen die „[p]atentierte[n] Gutmenschen“, „demokratischen Hammelhirten“, „aufgehetzte[n] Linksextremisten“ und „heuchlerische[n] Demokraten“. Gemeint sind damit eigentlich nach der NPD-Denke schlicht Volksverräter, und diese sind gemeinhin bei den „Kameraden“ sehr unbeliebt.
Das Portal „Merken Online“ [2] findet zu Hallers Text: „Die Texte der NPD lesen zu müssen, grenzt schon an geistiger Körperverletztung [sic!].“ Es handele sich bei den Inhalten aus Hallers elektronischem Feldpostbrief um „Falschinformationen und Lügen der Neonazis über uns Merkenern“. Würden die Betreiber des Portals das Buch „Der Exorzist“ von William Blatty lesen, könnten sie es auch anders umschreiben, nämlich wie ein Jesuitenpater, der seinem Mitstreiter kurz vor einem Exorzismus ins Gewissen redet: „Hören Sie vor allem nicht auf das, was der Dämon sagt. Er ist ein ungeheuerer Lügner. Er lügt, um uns irrezuführen, aber um uns zu attackieren, mischt er seine Lügen gelegentlich auch mit der Wahrheit. Diese Attacken sind psychologischer Natur [und] ungemein wirkungsvoll. Hören Sie also nicht darauf.“ Im Internet-Zeitalter ungemein problematisch, dem „Dämon“ nicht zuhören zu müssen.
Hallers Kriegserklärung an die Merkener zu widerlegen, wäre wie immer in solchen Fälle, wenn es den kleinen Diktator aus dem Rheinland überkommt, eine Sisyphosarbeit – aber folgende Passage zeigt auf, was Blatty meinte: „Eine andere Koryphäe der braven Demokratenschaft, Frau Ilse Sieger von der Schamlosesten Partei Deutschlands – SPD – machte dem inoffiziellen Namen ihrer Partei mal wieder alle Ehre, indem ausgerechnet Sie in den Chor der Entrüstung über das geplante [Nationale Zentrum Rheinland] lautstark glaubte einstimmen zu können. […] Selbst die ansonsten von der Staatsmacht unbehelligt gelassenen Schreibtischtäter, zu denen auch Frau Sieger gezählt werden muß, wurden bei der ersten großen ‚demokratischen’ Demonstration gegen [einen früheren] nationalen Treffpunkt [in Düren] verhaftet, weil es massive Ausschreitungen aus den Reihen der Demonstranten gegen unser Lokal gegeben hatte.“
Haller vermischt hier propagandistisch Wahrheit und Fiktion. Er suggeriert vage, dass „Frau Sieger“ bei Krawallen selbst mitwirkte oder gar verhaftet worden sei. Doch jene Krawalle gab es im Herbst 2006 gar nicht. Es gab am Rande einer friedlichen Demonstration von 180 Menschen gegen den Neonazi-Treffpunkt „Gütershop“ in Düren zwischen meist jugendlichen Antifaschisten und Teilen einer Polizeihundertschaft ein Gerangel [3]. Ausgelöst worden war es dadurch, dass einige Personen der Demonstration versuchten, an einer Polizeiabsperrung zwei Neonazis den Zugang zum Lokal zu blockieren. Daraufhin versuchte die Polizei die Neonazis durch die Antifaschisten zu schleusen, das Gerangel begann und Lokalpolitiker gingen dazwischen, um die Lage zu deeskalieren.
Dennoch blieb alles rund zehn Minuten völlig unübersichtlich, die Lage eskalierte weiter, einige von den Demonstranten mitgeführte Trinkflaschen wurden im Gerangel umgestoßen, ein oder zwei Flaschen sauste wie ein Fußball über den Straßenasphalt auf die Kneipe zu. Letztlich nahm die Polizei zahlreiche Demonstranten fest. Und wie später erst aus rechten Szene-Kreisen bekannt wurde, hatten einige Neonazis im Vorfeld die „Kameraden“ aufgestachelt, hatten szeneintern verbreitet, die „Antifa Düren“ plane, den „Gütershop“ massiv anzugreifen und ein nahe liegendes Wohnhaus einer Neonazi-Familie abzubrennen [sic!]. Zuvor hatten ebenso jene Neonazis verbreitet, in einem von Antifaschisten nahe des „Gütershops“ geparkten PKW seien nach einer Durchsuchung durch die Polizei Waffen wie Schlagstöcke und Messer sowie Sturmhauben aufgefunden worden – die Polizei dementierte dies vehement, die Durchsuchten wurden nicht festgenommen.
Aus besagtem Gerangel machte die „Dürener Zeitung“ seinerzeit folgendes: „Die Stimmung kippte, als gut 20 teilweise angetrunkene Demonstranten der linken Szene auf zwei gerade erst angekommene […] Besucher [des Neonazi-Treffens] losgingen.“ Die „Dürener Nachrichten“ wollten gar trotz der umfangreichen Polizeiabsperrungen einen Frontalangriff der Nazigegner auf die Gaststätte gesehen haben – und verbreiteten dies sogar auf der Titelseite aller „Nachrichten“-Ausgaben der Region in einer Gesamtauflage von rund 60.000 Stück. Die „Antifa Düren“ und Teilnehmer der Demonstration schrieben später, die Presseberichte „insbesondere in den Dürener Nachrichten“ seien teilweise falsch gewesen. Die NPD indes, die ansonsten für die Lokalpresse kein gutes Wort übrig hat, bezog sich mehrfach auf die – tatsächlich teilweise falsche – Berichterstattung [4] und hielt die Mär am Leben, dass Antifaschisten das Gebäude attackiert hatten.
Einfacher zu widerlegen ist indes das, was Haller in seiner Kriegserklärung an die Merkener auch behauptet: „Wider besseren Wissens und ungeachtet der Tatsache, daß etwa 10% der Merkener bei der vergangenen Kommunalwahl der NPD ihre Stimme gegeben hatten, behaupteten die Biedermänner in antifaschistischer Mission, die Bewohner von Merken würden die NPD nicht in ihrem Ort haben wollen.“ In Merken hatten bei den letzten Kommunalwahlen und bei sehr niedriger Wahlbeteiligung rund 4 Prozent der Wahlberechtigten NPD gewählt [5]. Da es allerdings zwei Wahlbezirke gab, könnte Haller propagandistisch einfach beide Prozent-Angaben addiert haben…und so wahr lügen… [© Klarmann]
[1] Nutzt NPD Immobilie und Wirt in Merken nur für Propaganda?
[2] Direktlink
[3] Antifa schlägt NPD/KAL mit 180 zu 100
[4] Wenn ich mich recht erinnere: der Kollege, den die NPD nun wegen seiner Berichterstattung über den Immobilienkauf in Merken auch kritisiert, war seinerzeit ebenso jener, der die Meldung im Politikbereich der Nachrichten geschrieben hatte…
[5] Rothhanns will sich intensiver um Merken kümmern
Blamageeee!
Nur mal so eine etwas andere, aber ähnliche Sicht zu Immobilien-Kaufgesuche:
Skandale gehen immer gut – Immobilienbluff von Pro NRW
http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4373:skandale-gehen-immer-gut-–-immobilienbluff-von-pro-nrw&Itemid=368
Rieger ist in Walhalla, woher bekommen sie das Geld? Eventuell eben doch eine Prozentuale Beteiligung an den Abverkäufen? Durch eine Anhebung des Kaufpreises? So langsam sollte das aber mal ein Alter Hut sein.
Aber manche können eben aus Scheiße Geld machen oder eben auch nicht, wenn dann irgendwann wenn das Finanz- oder Wirtschaftsministerium bei der NPD oder nahen Organisation „Klingelt“ dann ist mal wieder die Demokratie daran Schuld das man auf Halblegale Weise Geld „angeschafft“ hat.
Auch bei der NPD herrscht eben die Regel, Erst die Kohle, dann die Partei, und dann das Dummvolk “
:)