Aachen. Dessen „Stolpersteine“ seien „das größte dezentrale Mahnmal an die Schrecken des Nationalsozialismus,“ lobte der Schulleiter des Bischöflichen Pius-Gymnasiums, Norbert Weitz, den Kölner Künstler Gunter Demnig. Dieser war Gast im „Aachener Europa-Forum“ besagter Schule. Demnig sagte, er sehe sein „dezentrales Kunstwerk“ wegen der Mitarbeit zahlreicher Schüler, Bürger und Angehöriger heute als eine „soziale Skulptur“.
„Stolpersteine“ sind Pflastersteine mit Gedenktafeln aus Messing, die Demnig als Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit verlegt. Demnig schilderte bei seinem Vortrag seinen künstlerischen Werdegang bis hin zu der besonderen Art, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. „Spuren“ hatte Demnig dabei schon immer gelegt, etwa bei Aktionskunst-Projekten mit Farb- oder Schriftspuren. In Kassel etwa zog er zur Mahnung einen Kreidekreis um die im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomber zerstörte Innenstadt. In Köln zeichnete der zuerst mit Farbe, später mit Gedenktafeln im Boden den Weg nach, den 1.000 deportierte Sinti und Roma 1940 zurücklegten. So entstand die Idee mit den „Stolpersteinen“.
Seit Jahren verlegt er diese in Bürgersteigen vor Häusern, in denen die Opfer der Nazis – Juden, Widerstandkämpfer, Behinderte, Christen – bis zu ihrer Deportation gelebt haben. Dabei werden Namen, Geburtstage, falls bekannt Todestag und Todesart in die Messingoberfläche eingraviert. Demnig sagte, er bringe so „die Namen dorthin zurück, wo die Menschen zu Hause waren – und wo das Grauen eigentlich begann.“ In Aachen wurden bisher 23 Gedenksteine, in Hamburg rund 3.000 und in ganz Europa fast 23.000 Gedenksteine verlegt. In 14 Jahren habe er drei Morddrohungen erhalten und unzählige Diskussionen losgetreten, sagte Demnig.
Eben dies meine er mit dem Begriff „soziale Skulptur“, sagte der Kölner. Oft recherchierten Schüler, Anwohner und Bürger das Schicksal der von den Nazis Ermordeten, finanzierten „Stolpersteine“ über Spenden. Heute seien Schulklassen und Angehörige bei der Verlegung anwesend, teilweise reisten diese aus Israel und den USA an. Man bewege also Menschen und bringe diese zusammen. Auch wenn alles bei ihm zusammenlaufe, ohne seine Helfer ginge es nicht, so Demnig.
Und schilderte bewegende Erlebnisse. Etwa von den Angehörigen eines Opfers, die bei der Verlegung sagten, sie wüssten nicht, wie ihr Verwandter ausgesehen habe, da in der NS-Zeit alle Bilder verloren gegangen seien. Ein alter Schulfreund des später Ermordeten, der der Verlegung beiwohnte, war erstaunt – und besaß ein Gruppenfoto seiner früheren Klasse. Oder die vielen Schüler, die in Krefeld Biografien von Opfern recherchiert hatten und auf eigene Kosten die Steine verlegen lassen wollten. Nur der Stadtrat wollte keine Verlegung zulassen. Die Schüler starteten ein Bürgerbegehren, benötigten für dessen Durchführung 6.000 Unterschriften und konnten gut 13.000 vorlegen. Daraufhin knickte der Rat ein und die Gedenksteine wurden verlegt. [© Michael Klarmann; für AN]
Kein schlechter Artikel, auch wenn ich etwas stutzen musste, als im dritten Absatz Christen als Opfer der Nazis genannt wurden …
meist heisst es dazu ja immer, auch katholiken seien opfer gewesen – aber auch evangelische und orthodoxe christen gehörten zu den opfern. also christen. wenn auch eine kleine opfergruppe, so wurden dennoch auch christen verfolgt, verhaftet und in den KZ eingesperrt und ermordet. oder aus welchen elternhäusern stammten teile der weißen rose? mik
[nachtrag] ein fauxpas, der zu bedauern ist: in der liste von christen, die opfer der nazis waren, habe ich die „bibelforscher“ resp. „zeugen jehovas“ nicht genannt – wahrscheinlich handelt es sich bei diesen um die größe gruppe von menschen christlichen glaubens, die von den nazis verfolgt wurden. bis heute gelten sie zwar als „sekte“ und werden, ähnlich wie in der vergangenheit „zigeuner“, sinti und roma – die ebenso in weiten teilen der gesellschaft bis heute negativ angesehen werden –, meist im „opfer-diskurs“ vernachlässigt…
Natürlich wurden auch Christen verfolgt und ermordet. Vielleicht auch wegen Verhaltens, Widerstand oder anderes, das sie aus ihrer Interpretation des christlichen Glaubens abgeleitet haben, aber doch nicht wegen ihres Christentums!
Es gab doch keine Christenverfolgung in dem Sinne, wie es eine Judenverfolgung gab oder wie Behinderte ermordet wurden.
Ich finde das so formuliert extrem unpassend, sonst könnte man mit der Logik auch eine Deutschenverfolgung im Dritten Reich konstruieren, weil auch Deutsche ermordet wurden – deutsche Kommunisten, deutsche Schwule, deutsche Juden, usw.
Die meisten Christen in der NS-Zeit waren doch keine Opfer, sondern standen eher auf der anderen Seite …
Ihren Nachtrag habe ich jetzt erst gesehen und im Bezug auf die Zeugen gebe ich ihnen durchaus recht, auf die Sinti und Roma sowieso.
Norbert Weitz ist nicht der Schulleiter vom Pius sondern er ist nur Geschichts und Französischlehrer an der Schule. Der Schulleiter ist Herr Els.
„…lobte der Schulleiter des Bischöflichen Pius-Gymnasiums“
Ob das auch ein besagter Neonazi aus Eilendorf so sieht, der dort zur Schule ging/geht?