Rechts: Die Spekulationsblase oder nur ein Gedankenspiel

Düren. Rund sechs Wochen beschäftigte der von der NPD Ende Januar [1] geäußerte Kaufwunsch für eine Gaststätte im Dürener Vorort Merken die Öffentlichkeit – heute gingen auch dagegen rund 750 Menschen auf die Straße [2]. Schon zwei Tage nach der ersten NPD-Mitteilung hatte indes der Landesverfassungsschutz gesagt, man sehe „Zweifel daran, ob die NPD selbst über ausreichend Mittel verfügt,“ um den Kauf abwickeln zu können [3]. In der medialen Berichterstattung las oder hörte man davon kaum – aber Spekulationen über die Echtheit der NPD-Ankündigung, ein „Nationales Zentrum Rheinland“ einrichten zu wollen, gab es viele. Man hätte dabei die Worte des Verfassungsschutzes auch „quer“ lesen können: Sollten es der NPD an Geld und medialer Aufmerksamkeit mangeln, könnte dann…? Nur eine Spekulation!


Merken am 6. März 2010 (mehr Fotos unter dem Reiter „Fotogalerien“ im Blog-Menü oben abrufbar).

Nehmen wir einmal in einem natürlich rein fiktiven Denkspiel an, es gäbe ein Dorf, in dem ein Wirt eine Gaststätte betreiben würde. Schon seit einigen Jahren würde die einst erfolgreich geführte Kneipe aus verschiedenen Gründen Kundschaft einbüßen. Schankstube, Saal und Teile des Gebäudes wären antiquiert oder gar sanierungsbedürftig. Mit und mit würden sich zudem Schulden anhäufen und mit dem Alter kämen auch noch Krankheiten hinzu. Die Immobilie müsste verkauft werden. Doch weil der Wirt seit Jahren umstritten wäre, könnte ein Verkauf problematisch sein. Soweit der erste Teil des rein fiktiven Gedankenspieles.

Und nun zum zweiten Teil desselben: Durch einen Zufall käme der oben rein spekulativ dargestellte Wirt in Kontakt mit Vertretern einer rechtsextremen Splitterpartei. Was könnten dann etwa diese tun in dem weiterhin rein fiktiven Gedankenspiel? Zwar wäre – so das gewagte Gedankenspiel weiter – der Parteiverband nahezu pleite, weil die Zeiten großer Förderer und Sponsoren schlicht vorbei wären. Die Partei aber stünde kurz vor einem Wahlkampf, würde einerseits Geld benötigen, um diesen führen zu können; andererseits könnte sie zudem günstig etwas erwerben, was ihr in Zukunft das Ausrichten von Festen und Neonazi-Treffen ungemein erleichtern würde. Bilden wir uns einfach ein, es könnte sich dabei um einen ausrangierten Transporter, das Areal einer alten Grillhütte oder ein brach liegendes Grundstück handeln, das zu einem Quasi-Grill- und Festplatz umgebaut werden könnte.

Wäre es nun aber denkbar, dass die rechtsextreme Splitterpartei – trotz fehlender Sponsoren – an die Öffentlichkeit geht und eine Kaufabsicht mimt? Immerhin sollen Neonazis in der Vergangenheit im realen Sein, selbst bei maroden Abriss-Immobilien, mehrfach gesagt haben, sie wöllten diese kaufen und dann ein „Schulungs-“ oder „Nationales Zentrum“ einrichten. Resultate: private Investoren oder die öffentliche Hand kauften derlei Immobilien manchmal zu überhöhten Preisen. Der Verkäufer strich sein Geld ein und Gerüchten zufolge soll für manchen Neonazi gelegentlich auch etwas abgesprungen sein.

So weit ein kurzer Ausflug in die Teilrealität. Denken wir nun also das fiktive Gedankenspiel weiter: Vielleicht würde die rechtsextreme Splitterpartei, die vorgeben könnte, in dem rein fiktivem Dorf (s.o.) von dem rein fiktiven Wirt (s.o.) eine Immobilie erwerben zu wollen, dies nicht ganz umsonst tun wollen. Man könnte etwa als Splitterpartei vor der Wahl mittels des Schachzuges die mediale Berichterstattung beherrschen. Würden zudem die Behörden, Parteien und Medien zu sehr gegen die rechtsextreme Splitterpartei und den Wirt anschimpfen, so könnten sich Partei und Wirt als Opfer der Demokraten darstellen, die eigentlich selbst „Faschisten“ und „Unmenschen“ seien. Für die Partei, deren Mitglieder manchmal so gerne in Opfermythen schwelgen und in Stahlgewittern für ihre Idee und Ideologie sterben würden, wäre dies dann eben ein mediales PR-Gewitter.

Das mediale PR-Gewitter könnte man im Abstand von wenigen Tagen wiederholt befeuern. Einige Wochen lang wären Teile der Verwaltung, der Lokalmedien, der Lokalpolitik und viele Nazigegner damit beschäftigt, Ankündigungen und Verlautbarungen der rechtsextremen Splitterpartei zu analysieren und zu widerlegen. Zugleich müssten sie sich damit abmühen, die – angeblichen – Kaufpläne abzuwenden. Denn niemand wöllte in dem rein fiktiven Gedankenspiel – übrigens: ähnlich wie in der Realität – ein Neonazi-Zentrum in seiner Region haben. Nützlich sein könnte hier etwa auch ein Wirt, der sich wiederholt mit sich selbst widersprechenden Aussagen an Anwohner, Medien und Politik zu Wort melden würde – zudem könnte er noch gelegentlich Gerüchte streuen, die der Sache dienlich wären.

Extrem unorthodox wird das weiterhin äußerst fiktive Gedankenspiel daher nun: Wäre es etwa denkbar, dass die rechtsextreme Splitterpartei und der Wirt sich gegenseitig unterstützen? Würden sie vielleicht zudem aushandeln, dass die Partei für das von ihr vorgetäuschte Kaufinteresse einen, hm, spitzen wir etwas zu – denn es handelt sich ja weiterhin um ein rein fiktives Gedankenspiel – „Judaslohn“ erhalten könnte? Etwa zur Finanzierung der eigenen Arbeit oder eines anderen Veranstaltungsortes? Aber, wie oben schon erwähnt: es handelt sich hierbei nur um ein obskures Gedankenspiel, dem in der Realität bisher jegliche Grundlage zu fehlen scheint. [© Klarmann]

[1] Gastronomie macht frei – benötigt NPD in Düren bald Schankgenehmigung?
[2] Mehr als 700 Menschen demonstrieren gegen Neonazis
[3] Landesverfassungsschutz sieht Zweifel an Kaufkraft der NPD in Sachen Merken


5 Antworten auf “Rechts: Die Spekulationsblase oder nur ein Gedankenspiel”


  1. 1 freeman 07. März 2010 um 18:04 Uhr

    Kein Kommentar von „rechts“?
    War wohl ein Volltreffer,Herr Klarmann.

  2. 2 Wehrhafte Demokratie 07. März 2010 um 21:59 Uhr

    Dagegen dass ihnen die Kneipe vor der Nase weggekauft wurde, haben sie dafür, dass Opfermythen und Verfolgungswahn die Grundbasis ihrer Ideologie sind, auch recht wenig gejammert.

  3. 3 Peter 08. März 2010 um 9:58 Uhr

    Das war eine werbewirksame kostenlose Seifenblase erster Kategorie wie viele von Haller!

  4. 4 Markus 08. März 2010 um 10:45 Uhr

    @ Peter: Ernstgemeinte und nachhaltige Politik sieht meines Erachtens anders aus! Kurzfristig mag das ja werbewirksam sein, aber mehr auch nicht und selbst das bezweifel ich…

    kurzfristig denkt der schausteller… mik

  5. 5 EnjoyLiberty 08. März 2010 um 17:15 Uhr

    Ich hab herzlich in mich hinein gelacht! Guter Bericht Klarmann xD

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