Stolberg/Buchholz. Bisher sah es so aus, als würden bundesweit am Osterwochenende keine weiteren Neonazi-Aufmärsche parallel zu den fremdenfeindlichen Doppelaufmärschen in Stolberg [1] stattfinden. Sicherstellen wollte man so offenbar, dass Stolberg sich weiter als Dauertermin im Aufmarsch-Kalender der rechten Szene etabliert, für den derzeit mobilisiert [2] und sogar im Ausland geworben wird [3]. Doch unterdessen gibt es eine Quasi-Konkurrenzversammlung im südlich von Hamburg gelegenen Buchholz.
Laut Rundmails in Szenekreisen, die unterdessen ebenso in Szeneforen kursieren, soll dort am 3. April eine Versammlung unter dem Motto „Kriminelle Ausländer ausweisen“ stattfinden. Veranstalter ist demnach Manfred Börm, früher aktiv in der 1994 verbotenen „Wiking Jugend“, heute Bundesvorstandsmitglied und Ordnungsdienstleiter der NPD. In einem Internet-Forum der Neonazi-Szene wird spekuliert, dass Börm den Termin auch anders hätte legen können, vermutet wird zudem eine „gezielte Spalterei“.
Ein Neonazi, offenbar aus dem Rheinland und eingebunden in die Organisation der Stolberger Aufmärsche, findet in besagter Diskussion: „Da der Anmelder der gleiche Manfred Börm ist mit dem es vorletztes Jahr schon Probleme gab, denke ich das die Terminwahl Absicht ist. Der Herr ist übrigens der Ordnerdienstleiter welcher Partei? Genau!“ Bei einem NPD-Aufmarsch am 26. April 2008 war es nämlich zu Streitereien zwischen Börm und NPD-Ordnern sowie „Autonomen Nationalisten“ (AN) gekommen. Börm hatte dabei u.a. einen AN aus Duisburg aus dem Aufmarsch entfernen lassen wollen.
Die seinerzeit handfesten Auseinandersetzungen hatten selbst Journalisten und Polizisten verblüfft. Kurz vor der Schlusskundgebung schienen die als „Schwarzer Block“ auftretenden AN – u.a. aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet – den NPD-Ordern mit ihrem lautstarken Auftritt und den zum Himmel gereckten, „kommunistischen“ Fäusten missfallen zu haben. „Um nicht den Eindruck der beabsichtigten Vermummung entstehen zu lassen, forderte […] Börm, Mitglieder der ‚Autonomen Nationalisten’ [dabei] dazu auf, ihre Gesichter nicht hinter den mitgeführten Transparenten zu verdecken.
Daraufhin attackierte [ein AN aus dem westlichen Ruhrgebiet] das NPD Bundesvorstandsmitglied und stieß Börm einige Schritte zurück. Die nun von Börm herbeigerufenen NPD-Ordner lieferten sich daraufhin ein kurzes Handgemenge mit Teilen der ‚Autonomen Nationalisten’ […],“ umschrieb das Recherche- und Autoren-Kollektiv „Recherche Nord“ den Vorfall seinerzeit. In dem unübersichtlichen Gerangel zwischen NPD-Ordnern, dem „Schwarzen Block“ und Polizisten beschimpften Teile der AN sogar die NPD-Leute als „Nazis“ und schrieen den NPD-Ordnern das entgegen, was sie sonst nur den Polizeiketten entgegen rufen: „Widerstand – lässt sich nicht verbieten.“ [© Klarmann]
[1] Haller und Reitz profilieren sich via Stolberg weiter
[2] Die Trauerspiele um die Trauermärsche haben begonnen
[3] Auch die SA will mit ruhig festem Schritt in Stolberg rumlatschen
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