Rechts: Neonazi-Aufmarsch an Karfreitag in Stolberg [update]

Stolberg. In Stolberg sind am Karfreitagabend rund 230 Neonazis und Rechtsextremisten aufmarschiert – ihrer Meinung nach zum „Gedenken“ an einen von einem Migranten vor zwei Jahren erstochenen Jugendlichen [1]. Die Reden waren geprägt von Fremdenhass und Militanzgebaren. Die Stolberger Innenstadt war zeitweise hermetisch abgeriegelt. Rund 300 Antifaschisten und Migranten sollen am Rande der Absperrungen gegen den braunen Spuk demonstriert haben.

Als Zeichen gegen Intoleranz, dem sich auch Nazigegner und Lokalpolitiker daher anschlossen, wurde ebenso der traditionelle ökumenische Kreuzweg mit dem Aachener Friedenskreuz abgehalten. Rund 750 Menschen – laut Lokalpresse „Katholiken, Protestanten, Muslime“ [2] – nahmen an der Prozession teil, darunter auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Nach dem Kreuzweg fand in dem stark von Migranten bewohnten Viertel Mühle noch eine interkulturelle Versammlung statt. Wie viele Menschen daran teilnahmen, ist unklar.


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An dem Neonazi-Aufmarsch – der Anmelder hatte ursprünglich 100 bis 150 Teilnehmer erwartet – nahmen u.a. Neonazis aus der Region, vom Niederrhein, aus dem Raum Köln und Bonn, dem Ruhrgebiet und dem Siegerland teil. Als Redner fungierten bei dem fremdenfeindlich geprägten Aufmarsch dessen Anmelder Ingo Haller (NPD Düren, Niederzier), Axel Reitz (Pulheim) und Sven Skoda (Düsseldorf). Haller leitete seine Rede abermals provokant mit „Heil Stolberg“ und „Heil Euch, Kameradinnen und Kameraden“ ein.

Reitz sagte, eines Tages werde der „Nationale Widerstand“ ein „Flächenbrand“ sein, der „all das Kranke, all das Zersetzende, all das Dekadente aus unserem Volk“ heraus brennen werde. Jedoch seien weder Antifa noch Polizei „das Volk“, ereiferte sich Reitz weiter – und rief den „Kameradinnen und Kameraden“ zu: „Sondern wir [sind das Volk]!“ Skoda drohte, man stehe in einem „Freiheitskampf“ gegen kriminelle Migranten. Eines Tages würden „keine Polizeikette [den Nationalen Widerstand] mehr aufhalten“, dann „wird Recht wieder Recht werden“ und man nehme Rache: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“

Der Aufmarsch konnte, um Störungen des an einem kirchlichen Feiertages vorrangig geltenden Kreuzweges zu verhindern, nur unter starken Auflagen stattfinden. So musste Haller seine Rede bei der Auftaktkundgebung ohne Lautsprecheranlage halten; es sollten keine Parolen skandiert und nur sehr begrenzt Musik gespielt werden. Auch war nur das Mitführen von zehn Fackeln erlaubt – weswegen bei rund 230 Teilnehmern nicht das Bild des angestrebten Fackelzuges aufkam. [© Klarmann]

[1] Siehe dazu auch Linkliste unter Aktuelles aus Stolberg nur sporadisch möglich
[2] Direktlink


12 Antworten auf “Rechts: Neonazi-Aufmarsch an Karfreitag in Stolberg [update]”


  1. 1 Anonymous 02. April 2010 um 22:55 Uhr

    Der Spruch des Transpis wirkt komisch… oder meinen die echt, dass die toten Leute kapieren sollen?

  2. 2 Sarkastiker 02. April 2010 um 23:44 Uhr

    Oh, macht Reitz jetzt einen auf Westerwelle

  3. 3 Klar, Mann? 03. April 2010 um 0:08 Uhr

    Aus Sicht der Polizei:

    Polizei sorgte für Sicherheit und Ordnung in Stolberg

    Stolberg. Die Polizei Aachen bewältigte erfolgreich den Einsatz am Karfreitag in Stolberg. Aus dem rechten politischen Lager war ein Fackelmarsch unter dem Motto „Mord! Trauer! Widerstand“ angemeldet, woran ca. 230 Personen teilnahmen. An der Gegenveranstaltung, die das Thema hatte „Wir auf der Mühle – kein Platz für Rassismus!“ beteiligten sich rund 250 Menschen. Zeitgleich ging an diesem hohen christlichen Feiertag ein ökumenischer Prozessionszug durch die Innenstadt mit etwa 500 Gläubigen.

    Um Gefahren für die Öffentliche Sicherheit abzuwehren und insbesondere um am Karfreitag dem Charakter des stillen Feiertages Rechnung zu tragen, hatte die Polizei Aachen gegen den Anmelder der rechten Veranstaltung versammlungsrechtliche Auflagen erlassen. So wurde beim angemeldeten Fackelmarsch insbesondere das Skandieren verboten. Dagegen hatte der Anmelder geklagt. Das Verwaltungsgericht Aachen bestätigte die polizeilichen Auflagen jedoch im vollen Umfang.

    Die Polizei Aachen konnte feststellen, dass die Auflagen sowohl durch den Versammlungsleiter als auch durch die Teilnehmer strikt beachtet wurden. Meinungsgegner versuchten, an mehreren Stellen des Aufzugsweges ihre ablehnende Haltung verbal zum Ausdruck zu bringen. Durch polizeiliche Ansprache und Auflagen kam es nicht zu einer größeren Beeinträchtigung der Feiertagsruhe. Die Veranstaltungen verliefen insgesamt friedlich, was insbesondere auf die konsequente polizeiliche Strategie zurückzuführen ist.

  4. 4 freeman 03. April 2010 um 2:11 Uhr

    Hoffentlich hat Reitz mal recht, alles kranke und
    dekadente wird brennen.
    Dann braucht Haller keine Fackeln mehr zu kaufen.
    Mit sovielen kranken im Demozug ist Stolberg dann
    hell erleuchtet.

  5. 5 N.W. 03. April 2010 um 3:26 Uhr

    … die Spinner sind auch um diese Uhrzeit (3:23) noch auf den Straßen und lauern Leuten auf bzw. versuchen es.
    Arme Früchtchen.

    Und ich will endlich mehr zu dem (viertes Bild von unten, ganz vorne rechts am Transparent) wissen. Patrick, Atsch … etc.
    Weil der führt sich ja auf wie Hitler … Informationen, Informationen!

    Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Da oben da läuchten die Sterne und unten da läuchten wir! Mein Licht ist aus, ich geh‘ nach Haus … ra bimmel ra bammel ra bum … bum bum *sing*

  6. 6 Peter 03. April 2010 um 13:36 Uhr

    Na ja, die Behörden scheinen ja mal dazu gelernt zu haben; so ist endlich die Umsetzung der Fackelbegrenzung aus ordnungsbehördlicher Sicht erfolgt. Was Reitz betrifft, sollte dieser mit seinen Sprüchen mal besser aufpassen….
    Jedenfalls werden diese braunen Figuren selbst bei Patrioten nicht mehr als politischen Widerstand wirklich ernsthaft wahrgenommen.
    Es handelt sich eben um eine Handvoll rechtsextremistischen Müll.

  7. 7 Mina 03. April 2010 um 17:45 Uhr

    Herr K. B. (wie man ihn am Transpi sieht..) hängt dafür aber sehr oft mit solchen Menschen ab, wo er gegen protestiert.. mh mh, ob das seine Kameraden wissen?

  8. 8 xyz 04. April 2010 um 2:54 Uhr

    Weiß eigentlich irgendjemand, wer denen immer den Quatsch auf die Transparente schreibt, mit denen die rumlaufen?

  9. 9 Kevin 04. April 2010 um 22:50 Uhr

    @Mina

    Ah genau !
    Scheiße, jetzt haben Sie mich geoutet !

    Sprechen Sie mich doch mal bitte an wenn Sie mich mit den Leuten sehen…. ;)

  10. 10 Wehrhafte Demokratie 05. April 2010 um 16:36 Uhr

    @Mina: Als wüssten die Kameraden das nicht schon längst. Denen ist doch auch klar, dass es die ihre rein deutsche Traumwelt außerhalb ihrer Aufmärsche nicht gibt. Wenn sie ihr „Wir schmeißen alle raus, die nicht nach unserer Definition Deutsch sind“ ernst meinen würden, dann könnten sie in keinem SUpermarkt mehr einkaufen, nicht mehr im DFB Fußball spielen etc. Das winzige was sie noch daran hindert ihre Niederlage einzugestehen ist der glaube, dass die Polizei sie deswegen nicht für ihre ständigen Gewalttaten einlocht, weil sie ja insgeheim hinter ihnen stünde.

  11. 11 Mina 06. April 2010 um 7:18 Uhr

    @Kevin
    Ihr Gesichtausdruck auf Fotos, amüsieren mich immer wieder aufs neue. Darauf müssen Sie leider noch ein bisschen warten.

    @WehrhafteD.
    Ich bestreite dies auch gar nicht. Nur ist es bei diesem Herrn, immer wieder interessant mit anzusehen wie er sich verhält, wenn seine Kameraden mal weit, weit weg sind.. und wie klein dann einzelne Lichter seien können..

  12. 12 Rente 07. April 2010 um 9:35 Uhr

    „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“

    Jetzt zitieren die schon aus der Bibel, was kommt als nächstes, der Thalmut?

    gabs auch schon bzw. ggf. dann eher aus der thora… mik

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