Rechts: Contra NRW will NPD die Russlanddeutschen klauen

Radevormwald/Duisburg/Region. Der Copyright-Kleinkrieg unter den Parteien am rechten Rand wird im Vorfeld der NRW-Landtagswahl um ein Schlachtfeld reicher: die rechtsradikale, fremdenfeindliche „Bürgerbewegung Pro NRW“ will nun „gezielt um die Stimmen der Russlanddeutschen“ werben. Bisher hatten schwerpunktmäßig NPD und Neonazis Russlanddeutsche anzusprechen versucht und waren, wie bei dem Kommunalwahlen in Düren [1], mit Russlanddeutschen als Kandidaten angetreten.

NPDDNPRORUSS

„Pro NRW“ hatte schon vor Jahren die rechtspopulistisch und fremdenfeindlich aufgeladene Kritik am Islam und an Moscheebauten für sich entdeckt und sich über das Thema profiliert. Nachdem die NPD lange gezögert hatte, griff auch sie diese Thematik vor Monaten auf. Besonders nach der erfolgreichen Volksabstimmung in der Schweiz über das Bauverbot von Minaretten an Moscheen, hatte die NPD mit eigenen Kampagnen begonnen. Seitdem liefern sich NPD und „Pro“ eine Art Wettrennen dazu, wer der wahre und einzig richtige Anti-Islamist sein soll.

Als „Pro NRW“ kürzlich angekündigt hatten, an einem Wochenende in Duisburg vor einer Moschee aufmarschieren zu wollen, hatte die NPD Konkurrenz-Aktionen zur gleichen Zeit am gleichen Ort abgehalten. Nachdem „Pro NRW“ dann für den 1. Mai eine Demonstration in Solingen angekündigt hatte, zog die NPD abermals nach und kündigt nun ebenso einen Aufmarsch am 1. Mai in der Klingenstadt an. Im Umfeld der NPD wiederum tummelt sich seit Jahren ein Zusammenschluss von Russlanddeutschen – später regulär als „Arbeitskreis der Russlanddeutschen in der NPD“ vorgestellt [2].

Für die NPD sind jene Spätaussiedler „Volksgenossen“ – für „Pro NRW“ sind sie indes – siehe auch der Mord an einer Muslima durch einen rechtsextremen, fremdenfeindlichen Russlanddeutschen in Dresden [2] – „islamkritische“ Bündnispartner. So will „Pro NRW“ nun selbst einen „Arbeitskreis Russlanddeutscher bei pro NRW“ gegründet haben und sich mit einer „spezielle[n] islamkritische[n] Wahlkampagne expliziert für Russlanddeutsche“ an dieselben wenden.

Ein Wahlaufruf und eine Werbeanzeige seien dabei laut „Pro NRW“ in dem bisher eher durch die Nähe zur NPD und zu rechtsextremen, revisionistischen und antisemitischen Verschwörungstheoretikern aufgefallenen Zeitschrift „Ost-West-Panorama“ publiziert worden. „Tausende russlanddeutsche Familien aus Nordrhein-Westfalen wurden gezielt mit extra für sie konzipierten Wahlaufrufen angeschrieben. Der entsprechende Wahlaufruf in russischer Sprache wurde auch in der Aprilausgabe der russlanddeutschen Zeitschrift Ost-West-Panorama abgedruckt,“ schreibt die rechtsradikale „Pro“-Partei.

In der aktuellen Ausgabe derselben Zeitung sei nun auch eine vierfarbige ganzseitige Anzeige von „Pro“ abgedruckt worden. Der „Pro“-Arbeitskreis stehe unter der Leitung von Alexander Vogt aus Radevormwald – und der glaubt, mit den „islamkritischen Inhalten können wir insbesondere bei vielen russlanddeutschen Familien in ganz Nordrhein-Westfalen punkten.“ [© Klarmann]

[1] NPD pendelt in Düren zwischen Fremdenfeindlichkeit, Antikommunismus, Antisemitismus und Faustrecht; Reinrassiges NPD-Doppel, Kommunalwahl-Allerlei und die Erstwähler-Kampi der NPD-NRW
[2] Siehe dazu die Langzeile Fremde Feinde


4 Antworten auf “Rechts: Contra NRW will NPD die Russlanddeutschen klauen”


  1. 1 Frederik 16. April 2010 um 22:31 Uhr

    Schon fast traurig…
    Aber auf jeden Fall peinlich!

  2. 2 Klar, Mann? 19. April 2010 um 9:07 Uhr
  3. 3 Peter 19. April 2010 um 13:29 Uhr

    Nun ja, durch die alten NPD Kontakte, geht das fischen evtl. für Pro ganz gut!

  4. 4 Klar, Mann? 19. April 2010 um 13:59 Uhr

    Hinweis: In einer älteren Version des Textes wurde die von „Pro NRW“ selbst angegebene und im entsprechenden Beitrag bis heute verwendete Schreibweise Alexander „Voigt“ wiedergegeben. Laut Homepage der Stadt Radevormwald, wo der Mann ebenso Ratsmann für „Pro NRW“ ist, wird er korrekt Vogt geschrieben. Dies wurde im Beitrag hier ebenso geändert.

    Mik

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