Dokumentation: CAJ schloss Jahresschwerpunkt Rechtsextremismus ab

Aachen. Wie viel Verführung steckt in der Gemeinschaft, im Stolz und in der Chance zur Macht? Jugendliche der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ) im Bistum Aachen probierten dies am Wochenende am eigenen Leib aus. In einem ausgefeilten Rollenspiel setzten sie sich der Situation aus, in einer autoritären Organisation Karriere machen zu können. Manch einer machte besser mit, als ihm im Nachhinein lieb war.

Die lehrreiche Selbsterfahrung im Nell-Breuning-Haus Herzogenrath führte deutlich vor Augen, wie schmal der Grat ist zwischen einer aufgeklärten Grundhaltung und der eigenen Beeinflussbarkeit. Wenn der Gegenüber weiß, wie er die richtigen Anreize setzt, um Motivation und Ehrgeiz zu wecken, dann lassen sich viele junge Leute zu Aussagen, Aufgaben und Taten verleiten, die bei Lichte betrachtet undemokratisch, intolerant und letztlich unwürdig sind.

Ralf Brinkhoff kennt diese Muster und hat das Spiel entwickelt, um eine Widerstandsfähigkeit in jungen Leuten zu fördern. Nicht zuletzt kann der Pädagoge dabei auf die Widerspenstigkeit von Teilnehmern bauen, die ihre individuellen Wege aus der unmöglichen Situation suchen. Die einen verweigern sich total, die anderen suchen innerhalb des Spiels die Alternative. Im Geflecht von Gehorsam, Disziplin und Schleiferei tauchten einige in den gemeinsamen Widerstand unter.

Einige CAJ-Mitglieder waren umso erstaunter und befremdet, dass sie sich im Spiel der Aufstiegslogik der autoritären Organisation angeschlossen hatten, obschon sich die CAJ nun ein Jahr lang mit Rechtsextremismus und seinen Taschenspielertricks beschäftigt hat. Schließlich setzen rechte Gruppierungen auf genau diese Mechanismen, um Anhänger zu gewinnen und zu binden. Letztlich setzt so eine Selbsterfahrung noch einmal ein Ausrufezeichen hinter das Anliegen der CAJ.

„Sackgasse Nazi“ hatten die Jugendlichen ihren Jahresschwerpunkt tituliert, der nun formal abgeschlossen ist. Verbandsintern setzten sie sich vielfältig mit dem Thema auseinander. Eine Gruppe aus Wassenberg hat zum Beispiel einen satirischen Playmobil-Film über einen totalitären Aufstand der „blonden Elite“ gedreht. Den Betrachtern blieb zwischendurch das Lachen im Hals stecken, als dort in beklemmender Weise die Tötungsmaschinerie der Nazis nachgestellt wurde.

Auch öffentlich hat die CAJ in diesem Jahr Position bezogen, etwa indem sie bei der 72-Stunden-Aktion im vorherigen Jahr eine Kleiderkette durch Geilenkirchen zog. Das Motto lautete: „Lieber nackt als Nazi.“ Der Jugendverband zeigte Flagge, als es bei Demonstrationen um das „nazifreie Stolberg“ ging. Wie viel weiter zu tun bleibt, zeigt der Umstand, dass zur aktuellen Landtagswahl die rechten Rattenfänger an Schulen und anderen Orten aktiv sind, wo sich Jugendliche aufhalten. [Textquelle: redigierte Pressemitteilung]


1 Antwort auf “Dokumentation: CAJ schloss Jahresschwerpunkt Rechtsextremismus ab”


  1. 1 defoiselfsdlfi 27. April 2010 um 15:09 Uhr

    Klingt nach „Die Welle“. :)

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