Aachen. Erstmals hat sich nun die NPD-Bundespartei offiziell zu der Ankündigung des NPD-Kreisverbandes Aachen, ein Hotel in Aachen kaufen zu wollen, geäußert. Man unterstütze diese Pläne nun, so die NPD. Der Parteivorstand werde sich am 3. Juni (Fronleichnam) „damit befassen“. In der Lokalpolitik glaubt man weiterhin an einen „Fake“ [1].
Obschon der NPD-Kreisverband Aachen schon Anfang Mai die Landesverbände der Partei um Unterstützung für den Kauf des Hotels zwecks Einrichtung eines „Schulungszentrums“ informiert haben will, will die Bundespartei offenbar erst jetzt von den Plänen erfahren haben. Erst heute, am 25. Mai publizierte sie einige Zeilen auf ihrer Homepage, wonach die „Stolberger NPD“ den Parteivorstand „informiert“ habe.
Hatte Kunkel dem Wirt nach dessen Angaben noch von einem Großsponsor aus Hamburg vorgeschwärmt, publiziert die Bundespartei unterdessen, man sehe einen „Ankauf über Sponsoren, gerade auch aus dem Ausland, […] sehr positiv.“ Erstaunlicherweise will die fremdenfeindliche NPD das Hotel auch weiter betreiben, „um die Teilrefinanzierung zu sichern.“ Laufende Arbeitsverträge und bestehende Ausbildungsplätze will man erhalten, überdies habe „der Altbesitzer“ zugesichert, Hotel und Beschäftigte nach der Übernahme durch die NPD „auch weiterhin zu betreuen.“
Wann Kader-Schulungen in dem „NPD-Schulungszentrum“ (Zitat der NPD-Aachen) stattfinden, erwähnt die Bundespartei indes nicht in ihrem Kurztext. Sie verweist nur darauf, dass an „den Wochenenden […] die Hotelzimmer für Zusammenkünfte ausländischer Kameraden genutzt werden“ könnten. „Diese Bedingung ausländischer Investoren erfülle man hinsichtlich der Vernetzung mit Nationalisten aus dem europäischen Ausland gerne, sagte der Stollberger [sic!] NPD-Stadtrat Wilibert [sic!] Kunkel,“ beendet die Bundes-NPD ihren Text.
In der Lokalpolitik glaubt man derweil, durch das Vorgehen der NPD und manche Parteiveröffentlichung dränge sich immer mehr der Verdacht auf, es gehe lediglich darum, den Preis für die Immobilie in die Höhe zu treiben. Dafür würden auch teils widersprüchliche Angaben der NPD und des Hoteliers sprechen. Letztgenannter – ebenso wie Kunkel wohnhaft in Stolberg – bestritt, den NPD-Ratsmann vor dessen Besichtigungstermin gekannt zu haben.
Kunkel habe sich aufgrund einer Internet-Annonce bei ihm gemeldet und erst seitdem kenne er den NPD-Mann, sagte der Hotelier. Kunkels NPD-Kreisverband verbreitete indes auf seiner Homepage in eher umgekehrter Lesart, ihm sei „ein Angebot unterbreitet“ worden. Und während die „Aachener Zeitung“ (AZ) berichtete, das Haus solle „rund 900.000 Euro“ wert sein, dementierte der Hotelier diese Summe gegenüber den „Nachrichten“ als viel zu hoch gegriffen [2].
Zugleich gibt es aber Hinweise in der Lokalpolitik darauf, dass der Hotelier selbst mitverantwortlich ist für die von der AZ kolportierte Summe. Zumindest äußerte dies ein Lokalpolitiker, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber den „Nachrichten“ [2]. Die Immobilie selbst wird nur auf rund 400.000 bis 500.000 Euro geschätzt. [© Klarmann ]
[1] Siehe dazu auch die Vorberichte im Blog und den „Nachrichten: NPD hat kein Geld für den Wahlkampf – wohl aber für einen Hotelkauf; Fraktionen in seltener Einigkeit gegen NPD-Zentrum; Große Zweifel – NPD will angeblich ein Hotel kaufen
[2] Teilrecherchen aus längeren Hintergrundgesprächen, wurde seinerzeit nicht gemeldet.
Zum Geleit:
„Aber wie sagte neulich ein Gast zu mir? Ein NPD-Hotel wollen Sie ja sowieso nicht werden, denn davon könnten Sie nicht leben! Das fand ich einen schönen Satz.“
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/herr-voigt-ist-schlecht-fuers-geschaeft/
Zum Geleit 2:
„Das Gastgewerbe mit seinem Facettenreichtum ist der Garant für den toleranten und weltoffenen Umgang mit den Besuchern unseres Landes. Gerade die Hotellerie stellt sich vehement gegen fremdenfeindliche Tendenzen. Rechtsradikale und rechtsradikales Gedankengut finden keinen Platz in […] Hotellerie und Gastronomie.“
http://npd-blog.info/2010/05/24/npd-voigt-hotels-100/
Hauptsache Kunkel ist in der Presse
Schon mal überlegt, warum die NPD den Text am Tag onlinestellte, an dem Voigt wegen Hausverbot vor Gericht zog?
Wären die Medias fast drauf reingefallen?
Guter Schachzug, aber dann ohne Erfolg.
H. Aller (nicht verwandt und verschwägert…)