GegenRechts: Angespannte Stimmung bei Demo gegen Nazigewalt

Aachen. Am Ende dann doch: Polizeisprecher Karl Völker hatte Freitag gegen Mitternacht noch von einem «überwiegend störungsfreien» Verlauf der Demonstration von Nazigegnern in Aachen gesprochen, doch seine Kollegen wurden Samstag gegen 2.40 Uhr zum Bushof gerufen. Dort sollen vermummte Linke Neonazis attackiert haben. Ein 18-jähriger Rechter aus Herzogenrath musste verletzt ins Krankenhaus. WEITER


20 Antworten auf “GegenRechts: Angespannte Stimmung bei Demo gegen Nazigewalt”


  1. 1 Aachener 20. Juni 2010 um 22:22 Uhr

    Superkraftvolle Demo! Waren sicher deutlich mehr als 500 Teilnehmer, die lautstark, kämpferisch und friedlich gegen die fortdauernden Gewalttaten der Nazis in Aachen und Umgebung protestiert haben!

    Das mit dem „überwiegend störungsfreien Verlauf“ der Antifademonstration stimmt ja nach wie vor – der Vorfall am Bushof fand drei Stunden später statt und hatte mit der Demo nichts mehr zu tun. Solche Sachen finden in Aachen täglich statt – meistens sind die Täter Nazis und die Opfer alle, die ihnen nicht in den Kram passen (also nicht nur „Linke“). Ist also verständlich – wenn auch noch natürlich nicht richtig – wenn auch mal Nazis was abbekommen (falls es so gewesen sein sollte).

    Daß diese Antisemiten das Haus eines zur Vernunft gekommenen Menschen mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift „Jude“ besprühen, spricht ja für sich, hoffentlich läßt er sich nicht einschüchtern und nimmt die Bezeichnung „Jude“ mit Stolz an, das ist schließlich keine Beleidigung – außer für Antisemiten.

  2. 2 Kevin 20. Juni 2010 um 23:28 Uhr

    Ca. 12 Vermummte
    2 Neonazis !

    „Drei Stunden später trafen doch noch Linke und Rechte am Bushof aufeinander.“

    Die Linken jagten die Rechten, die total in Unterzahl waren !

    „18 Jähriger aus Herzogenrath“
    17 Jähriger !

    laut polizei war das opfer 18 jahre alt… mik

  3. 3 Egal 20. Juni 2010 um 23:54 Uhr

    Ach, das ist ja wieder schön zu lesen. Aus jedem kleinen Streit, wo vielleicht ein Linker leichte Prellungen davon trägt, wird ein „Nazi-Überfall“ hineininterpretiert. Überfallen allerdings mind. 10 vermummte Linke 2 Nationalisten, dann ist von einem „Aufeinandertreffen“ die Rede, wo ein „Rechter geschädigt wurde“. Wieder ein sehr schönes Beispiel, wie man ohne zu lügen Situationen mit geschickten Formulierungen dramatisieren oder eben verharmlosen kann.

    an ihrer stelle wäre ich mit dem wort lüge etwas vorsichtig, da sie immer noch nicht die eingeforderte quelle (s. [1]) geliefert haben, aber hier wieder erneut auftrumpfen wollen…

    und warum glaube ich als journalist manchem neonazi nicht alles? weil ich schon selbst attackiert wurde, und weiß, was NPD/KAL/“kameraden“ daraus machten:

    http://klarmann.blogsport.de/2010/02/22/rechts-angreifer-waren-teilnehmer-der-npd-jahreshauptversammlung/

    sollte es ausgerechnet nun einen grund geben, ihnen und den „kameraden“ nun blind alles zu glauben?

    wäre ich so dreist wie die NPD bei einem umgekehrten angriff von vermummten nazis auf antifas [2], würde ich sogar noch behaupten, dass die angegriffenen 2 personen +X zuvor wohl streit mit „autonomen nationalisten“ hatten, die sich dann als linksextreme tarnten, die „kameraden“ überfielen und flohen. zufällig traf die polizei dann linksautonome im umfeld an, weswegen es nun heißt, dass linke nazis gejagt haben…

    wäre natürlich völliger quatsch – trotzdem verbreitete man seinerzeit ähnliches seemannsgarn aus ihren reihen, nur eben politisch „anders herum“…

    …und das mal nur so als beispiel, warum sie und ihresgleichen es sich selbst zuzschreiben haben, warum man ihnen manchmal wenig glaubt oder zumindest skeptisch bleibt.

    undbeidemweg: die NPD-NRW twittert zu der demo, „[a]uch in Aachen: Linksextremisten randalieren vor und nach Demonstration und greifen nationale Deutsche an.“ wo wurde denn vor und nach der demo randaliert, „kameraden“?

    erinnert sei dennoch an die diskussion zum thema ab hier:

    http://klarmann.blogsport.de/2010/06/19/gegenrechts-ueberwiegend-friedlich-500-menschen-demonstrieren-gegen-rechts/#comment-43218

    mik

    [1] http://klarmann.blogsport.de/2010/06/19/gegenrechts-ueberwiegend-friedlich-500-menschen-demonstrieren-gegen-rechts/#comment-43260
    [2] http://klarmann.myblog.de/klarmann/art/201665852/Rechts-Nazis-attackierten-Punks-nach-Fight-Fascism-zudem-Nazigebrull-und-schmier-update7-

  4. 4 Aachener 21. Juni 2010 um 0:22 Uhr

    # Habe auch an der weitgehend friedlichen Demo gegen Nazigewalt teilgenommen – und habe auch versucht, soweit möglich die angespannte Situation in der Franzstraße, wo die Polizei die angemeldete Demo mit Pfefferspray gestoppt hatte – zu deeskalieren, indem ich mich zusammen mit anderen zwischen Polizei und Demospitze gestellt habe. Für einen tätlichen Angriff auf Nazis am Bushof drei Stunden nach der Demo sind wir Anti-Nazi-Demonstranten nicht verantwortlich – diesen im AN-Artikel zwischen den Zeilen und in den Kommentaren unwidersprochenen Vorwurf möchte ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen.

  5. 5 Egal 21. Juni 2010 um 13:25 Uhr

    Gut, hier die Quelle: http://twitter.com/Pennyche13/status/16558659324

    Ein sehr billiges sowie deutlich vorgeschobenes Argument. Dieser Vorfall ereignete sich im Februar 2010. Wollen Sie mir jetzt weismachen, dass Sie vorher irgendjemanden mehr geglaubt haben? Ihre Sichtweisen entstehen aus Ihrer weltanschaulichen Ansichten, wie bei jedem Menschen. Mit dem Überfall-Argument versuchen Sie Ihre „Neutralität“ eines Journalisten lediglich zu wahren, was deutlich misslingt. Auch wenn Sie das vielleicht als Vorwurf aufnehmen werden, meine ich es nicht mal so, denn kein Mensch ist neutral – kein Journalist und auch kein Polizist. Aber dann sind mir Menschen, die sich das wenigstens eingestehen lieber, als Fachmänner, die immer noch von Neutralität faseln.

    In einem NS-Medienprojekt erkenne ich z.B. wenigstens eben jenes Eingeständnis, das vielen linken Journalisten vielleicht auch mal gut tun würde:

    „Die demokratischen Medien, die zwar vorgeben vielfältig und unabhängig zu sein, in Wahrheit aber keine andere Aufgabe haben als jene, das System zu rechtfertigen und wider besseres Wissen als Lösung aller Probleme anzupreisen, setzen wir unsere Medien- und Propagandaarbeit entgegen: Auch diese ist sicherlich nicht unabhängig oder gar neutral, aber unsere Propaganda erfüllt den Zweck der Zurückfindung, der Zurückführung zu unserem Volk, dem wir schicksalhaft verbunden sind.“

    nun ja, was ihr NS-medienprojekt darstellt, ist a.) eine nicht zu belegende verschwörungstheorie und b.) eine sehr große lüge – die wiederum nur weitere lügen legitimieren soll…

    das erinnert mich an einen bankräuber der sagt: okay, ich bin ein bankräuber und mache mich strafbar, aber weil ich dazu stehe und meiner mutti auch ein paar cent abgeben bei der zurückfindung unserer familie ist das schon okay.

    mik

  6. 6 Hüst 21. Juni 2010 um 18:30 Uhr

    Die Waffen eines Kampfes kann sich immer der überlegene Kontrahent auswählen. Nasen in Aachen wollten es körperlich austragen und das tun sie ja auch. Im Straßenkampf gabs noch nie Regeln, es zählt Effektivität. Moralisches Rumgeheule a la „ihr sagt ihr seid gegen Gewalt aber wendet sie selbst an“ oder „das war ein unfairer Kampf“ von linker wie von rechter Seite sind vertrottelter Idealismus. Politische Kämpfe konsequent analysieren und austragen.

  7. 7 Klar, Mann? 21. Juni 2010 um 19:31 Uhr

    @Kevin

    Sie sollten der Einsatzleitstelle einen Taschenrechner spendieren.

    Tja…

    Mik

  8. 8 Kevin 21. Juni 2010 um 19:53 Uhr

    Zum Twitter :
    Wer es nötig hat sich danach selbst zu feiern….
    Darauf spritzen sie in zwei Wochen noch ab….

  9. 9 Klar, Mann? 21. Juni 2010 um 20:20 Uhr

    @Kevin

    Wissen Sie, zu jedem Scheiß haben Sie einen flotten Spruch drauf oder senden eine blöde Mail.

    Aber wenns mal wichtigeres gäbe, kommen Sie nicht mal auf das naheliegende…

    Mik

  10. 10 Aachener 21. Juni 2010 um 22:33 Uhr

    Liebe MitstreiterInnen!

    Der Bericht der Aachener Nachrichten ist leider noch reißerischer geschrieben als der in der Aachener Zeitung. Der Autor des Berichts möge es mir bitte verzeihen, daß ich jetzt auch etwas übertreibe und ich meine es auch nicht persönlich:

    Auf der Titelseite der Aachener Nachrichten vom 21. Juni wird man schon mal eingestimmt:
    „Heute im Lokalteil: Ausschreitungen bei Nazigegnerdemo“

    In der Überschrift „Prügelei nach Mitternacht“ (eine Prügelei mit „Linken“, nach der ein mutmaßlicher Nazi anscheinend ins Krankenhaus mußte, die drei Stunden nach der Demo stattfand und mit ihr nichts zu tun hatte).

    Als erstes wird die sprachliche Deeskalation des Polizeipressesprechers („überwiegend störungsfreier Verlauf“ der Demo) widerlegt, weil es ja drei Stunden nach der Demo diese Prügelei gegeben hatte.

    Man sieht dann beim Lesen des Berichts der geradezu den haßerfüllten schwarzen Block vor sich, deren Rednerin zum „Zurückschlagen“ gegen die Nazis ausfruft, der über die Polizei herfallen will, die sich nur mit Mühe am Hotel mit Schlagstöcken und in der Franzstraße mit Pfefferspray der tobenden Menge erwehren kann. Ohne die Deeskalation durch zwei Mandatsträger der Linkspartei wäre es dann wohl noch schlimmer gekommen.

    Am Städtregionshaus gibt es wieder Gerangel, ein „Greiftrupp“ der Polizei will den bösen Anzünder eines Bengalos aus der Menge greifen – zum Glück kommen den Antifaschisten ein paar Nazis vor der Dreifaltigkeitskirche an der Herzogstraße zu Hilfe, die die Polizei ablenken, die sie abdrängen muß.

    Und schließlich kurz über den Überfall, den „Linke“ auf einen „Rechten“ verübt haben sollen wurden die von der Polizei gestellt und bei denen Waffen gefunden wurden.

    Einen Satz später direkt über eine antisemitische Nazischmiererei bei einem Aussteiger.

    Liest sich ja recht interessant, warum habe ich nur das Gefühl ich war auf einer anderen – viel friedlicheren und weniger spektakulären – Veranstaltung …

    a.) gedächtnisverlust; b.) hinterer teil der demo; c.) weils passt… mik

  11. 11 Niveau 22. Juni 2010 um 8:45 Uhr

    Ich weiß gar nicht, was ihr und die Neonazis so rumheulen! Gerade Nazis, Menschen mit so einer Ideologie, Menschen mit Nationalistenwahn und Führerprinzip unterm Hakenkreuz haben in meinen Augen nicht das Recht aufzuschreien und sich als die armen Ueberfallenen wohlmoeglich auch noch Mitleid einheimsen. Neonazi oder Antifaschist, kein Links-Rechts-Gehabe. Und selbst wenn ist es immer noch ein enormer Unterschied, ob 500 Linke demonstrieren (seien sie auch noch so radikal) oder ob 500 Faschisten demonstrieren (wollen :) )
    Den Herren „Demokraten“ scheinen mal wieder nicht so klar vor Augen zu haben, wer hier eigentlich das 3. Reich glorifiziert, die Juden hasst und die Hakenkreuze fleißig sammelt.
    Wenn ich schon den wie immer uebelst grottig geschriebenen „Bericht“ von der KAL lese „Antifa fluechtet sich in die Opferrolle“, sag mal was hat man dem braunen Webmaster total das Hirn zugeschissen? Wer soll denn diesen Text fuer Voll nehmen…
    Und nochmal an die Herren „Demokraten“: Werdet euch mal darueber im klaren, wer hier wen mit Gaspistolen beschießt, wer hier wen seit geraumer Zeit hetzt und wer hier Hakenkreuze sprueht.
    Fight Fascism!

  12. 12 Klar, Mann? 29. Juni 2010 um 17:48 Uhr

    Da die SAV mich ja nicht mag, mal der Hinweis auf deren Sicht der Dinge (erspare mir, darauf hinzuweisen, was die SAV so alles miteinander verbindet oder falsch behauptet…)

    http://www.sozialismus.info/?sid=3762

    Mik

  13. 13 Hubert_K 01. Juli 2010 um 7:01 Uhr

    Also ich habe ja keine Ahnung, wo der Zeitungsartikel hier linke und rechte Gewalt gleichsetzen soll. Für mich ist die Tatsache (die Erwähnung der Schlägerei) einfach nur Berichterstattung.

    letztlich war doch auch das verhalten der demonstranten unterschiedlich – deswegen gibt es sicherlich vielerlei ansichten über die berichterstattung:

    a.) friedliebende (für die ist der bericht absolut schlecht);

    b.) maulhelden (kommunisten), die zur militanz aufrufen, zum zurückschlagen auffordern, aber wenn etwas passiert meinen, das habe man ja nur so gesagt und habe mit der demo nix zu tun (mögen den text auch nicht);

    c.) autonome, die über mitglieder und redner der linken in der demo lästern;

    d.) linke, die meinen, auf polizeigerangel ausgerichtete lüx zu mäßigen (wissen nicht, was sie vom bericht halten);

    e.) militanzgeneigte, die von den eigenen leuten aus der demo geworfen werden, weil man sie für nazis hält – und dann will die demo, nachdem sie den fehler gemerkt hat, aber die polizei die ausgeschlossenen „nazis“ nicht mehr zurücklassen will, erst weiter gehen, wenn die „bullen“ „unsere leute“ freigelassen haben…

    f.) ganz andere… (mögen vielleicht die einleitung, weil es ja auch etwas unterstreicht…)

    mik

  14. 14 Hubert_K 01. Juli 2010 um 8:47 Uhr

    Ich sehe, ich habe auch eine falsche Aussage gemacht:

    Ich meinte, dass ich in besagtem Artikel nicht sehe, wie Nazis als Opfer dargestellt werden.

  15. 15 Flake 01. Juli 2010 um 16:07 Uhr

    @MiK: Kann das sein, dass du bei e) etwas falsch mitbekommen hast?
    Ich bin mir relativ sicher, dass die Geschichte anders abgelaufen ist…

    ich hätte sogar NOCH mehr gerüchte/sprüche dazu, die in der demo kursierten – was auch belegen könnte, wie heterogen alles war und wie viele sichtweisen es gab… aber mir ist warm… mik

  16. 16 Klar, Mann? 05. Juli 2010 um 12:42 Uhr

    aus sicht der „afa_pressegruppe_ac“ (ich werde am ende kurze anmerkungen dazu machen, deren stellungnahme komplett kursiv, meine worte nicht, aber durchgehend in kleinschrift):

    Gegendarstellung
    Betr.: Berichterstattung der AN und AZ zur antifaschistischen
    Demonstration am 18.6.2010 in Aachen.
    Mit der Bitte um Veröffentlichung

    In der Aachener Lokalpresse, im Print- und Onlinebereich, fanden sich nach
    der antifaschistischen Demonstration in Aachen insgesamt drei Artikel
    diesbezüglich. Auf diese möchten wir gerne eingehen, um das Bild der
    VeranstalterInnen darzulegen, das sich durchaus anders gestaltete.
    Bereits im Vorfeld der Demonstration findet sich ein Artikel „Am Freitag:
    Demonstration gegen Rechte“ in den Aachener Nachrichten, dem entnommen
    werden kann, dass sich in Aachen rechte Gewalt in den letzten Wochen und
    Monaten nocheinmal intensiviert hat. Aber wir lesen dort auch:
    „Indes beschäftigen auch Gegenaktionen von Linken die Behörden – auch
    Neonazis wurden schon körperlich angegriffen. Auf den Bürgersteig vor
    einem Hotel, das die NPD – angeblich – kaufen will, haben Unbekannte zudem
    die Losung ‚Keine Geschäfte mit der NPD’ gesprüht. Am Sonntag ‚outeten’
    Nazigegner zudem anonym im Internet rund 35 Neonazis und rechtsradikale
    Hooligans aus der Region mit Fotos und Angaben zu den Personen“. Jeder
    Journalist, jede Journalistin müsste hier aufmerksam werden. Es wird
    gesprochen von körperlichen Angriffen auf Neonazis. Als Belege gelten
    Sprühereien und das Bekanntmachen von aktiven Neonazis. Wo bitte, wird
    sich die Leserin fragen, sind denn die körperlichen Übergriffe? So wird
    unheilvoll auf die Demonstration eingestimmt.
    Der Artikel „Überwiegend friedlich: 500 Menschen demonstrieren gegen
    Rechts“, der mit „red“ gekennzeichnet am 18.06. in der Onlineausgabe
    erschien, klingt noch verhältnismäßig moderat. Dort ist neben dem Anlass
    zur Demo zu lesen, dass es zu „Rangeleien“ mit der Polizei gekommen sei,
    „weil sich Teilnehmer teilweise vermummt hatten“. Ganz so stimmt das
    nicht. Es kam nicht zu „Rangeleien“ weil Menschen vermummt gewesen sein
    sollen. Das Fronttransparent der Demonstration wurde von dem Bonner
    Einsatzleiter der Demonstration als „Vermummung“ bewertete, eine
    Interpretation, die übrigens bisher vor keinem deutschen Gericht bestätigt
    wurde. Aufgrund dieser zweifelhaften Interpretation wurde die gesamte
    Demonstration circa 45 Minuten aufgehalten. Die Polizei verweigerte
    schlicht das Weitergehen und hinderte so mit einer juristisch kaum
    haltbaren Begründung die DemonstrantInnen an der Ausübung ihres
    Demonstrationsrechtes. Weiter ist zu lesen: „Dabei wurde auch Pfefferspray
    eingesetzt“. Interessant ist hier, dass in dieser Passivformulierung kein
    Akteur genannt wird. LeserInnen, die nicht zugegen waren, werden sich
    fragen, wer denn da Pfefferspray einsetzte. Warum wird nicht geschrieben,
    dass nachdem die Demonstration wegen dieser juristisch unzulässigen
    Maßnahme aufgehalten wurde, diese sich weiterbewegte, ohne das von ihr
    Gewalt ausging und die Bonner Einsatzhundertschaft daraufhin Schlagstöcke
    und Pfefferspray gegen die ersten Reihen einsetzte und so Menschen aktiv
    verletzte?
    Unterstützt wird diese oben angesprochene suggestive Formulierung, die
    offen lässt, von wem Pfefferspray eingesetzt wurde von dem Kommentar neben
    der Bildergalerie in den Aachener Nachrichten. Dort liest man:
    „Aufgeladene Stimmung am Freitagabend in der Aachener City: 500 Menschen,
    überwiegend aus dem linken Spektrum, haben unter Begleitung eines massiven
    Polizeiaufgebots gegen rechte Gewalt demonstriert. Dabei kam es immer
    wieder zu kleineren Zwischenfällen – Rangeleien, weil teils gegen das
    Vermummungsverbot verstoßen wurde, und auch Pfefferspray wurde wohl mehr
    als einmal versprüht […]“.
    Hier reiht sich das Versprühen von Pfefferspray direkt an den angeblichen
    Verstoß gegen das Vermummungsverbot. Suggeriert wird auch hier, dass es
    die DemonstrantInnen waren, die diese Waffe eingesetzt hätten.
    Diese zweifelhafte Berichterstattung wird noch übertroffen von dem Artikel
    „Prügelei nach Mitternacht“, der am 20.6. in der Onlineausgabe erschien.
    Der Artikel Michael Klarmanns macht auf mit der Formulierung:
    „Am Ende dann doch: Polizeisprecher Karl Völker hatte Freitag gegen
    Mitternacht noch von einem ‚überwiegend störungsfreien’ Verlauf der
    Demonstration von Nazigegnern in Aachen gesprochen, doch seine Kollegen
    wurden Samstag gegen 2.40 Uhr zum Bushof gerufen“.
    Dort sollen Neonazis attackiert worden sein. Was das allerdings mit der
    Demonstration zu tun hat, das erklärt uns der Autor nicht, jedenfalls
    nicht direkt. Dennoch weist er dieses spätabendliche Ereignis als
    Geschehnis aus, das den „Verlauf der Demonstration“ weniger „friedlich“
    mache, als zuvor angenommen. Genau diese Konstruktion wird mit dem
    relativierenden Satzbau festgeschrieben. Dass es aber in der Nacht zu
    einer Auseinandersetzung gekommen sein soll, das macht allerdings die Demo
    nicht weniger friedlich. Aber anscheinend soll der Eindruck erweckt
    werden, sie sei es nicht gewesen. Und wenn die Ereignisse dies nicht
    hergeben, so wird dies durch Rhetorik vermittelt. Es fragt sich nur, warum
    – welches Interesse besteht, eine Demonstration, also die angegebenen 500
    Menschen auf einer Demonstration kollektiv mit einer körperlichen
    Auseinandersetzung zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort in
    Zusammenhang zu bringen.
    Um diesen erstmal nicht gegebenen Zusammenhang herzustellen, vermittelt
    der Autor im Folgenden eine gewalttätige Stimmung auf der Demo. Und zu
    diesem Zweck wird selektiv zitiert. Eine der Auftaktreden wird
    heruntergekürzt auf den aus dem Kontext herausgebrochenen Slogan „ man
    müsse ‚zurückschlagen’“. Dass die Rednerin 20 Minuten lang redete, was sie
    dort sagte, davon finden wir in der Berichterstattung kein Wort. Auch das
    der Zeitzeuge Hein Kolberg zuvor sprach und sich als jemand, der den NS
    noch mitbekam, sich bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement bedankte,
    auch davon kein Wort. Nein, denn es soll der Eindruck vermittelt werden,
    die Demo sei gewalttätig gewesen oder habe zumindest dies vorbereitet.
    Neben Suggestivformulierung finden sich ebenso Unwahrheiten. Eine
    Situation vor dem Hotel Hesse wird schicht umgedeutet. Es habe Rangeleien
    gegeben, da Linke die Polizei „überrennen“ wollten, um zu einem Neonazi zu
    kommen. Mit der Realität hat das freilich nichts zu tun. Die Demonstration
    stoppe vor dem Hotel, weil eine Zwischenkundgebung angemeldet war und
    durchgeführt wurde. Diese verzögerte sich, weil die Polizei in
    unmittelbarer Nähe Antifaschisten festhielt, die zur Demonstration
    wollten. Nachdem diese endlich zur Demo stießen, setze sich der Zug wieder
    in Bewegung. Es gab weder Rangeleien, noch wollte irgendwer irgendwen
    „überrennen“, noch wurden an dieser Stelle Schlagstöcke eingesetzt.
    Lediglich ein die DemonstrationsteilnehmerInnen fotografierender Neonazi
    hob kurzzeitig die Stimmung.
    Im Boulevardstil geht es weiter: „Nächstes Gerangel Franzstraße“. Diese
    Situation war tatsächlich aber auch die Einzige, in der die Polizei Gewalt
    gegen die Demonstrationsspitze einsetzte. Nicht thematisiert wird in
    diesem Zusammenhang, was eigentlich das Streitbare bei der Frage nach
    sogenannter Vermummung bei antifaschistischen Demonstrationen ist. So ist
    es in einer Situation, wie sie gerade in Aachen besteht durchaus
    gefährlich für AntifaschistInnen, „Gesicht zu zeigen“, denn Neonazis
    greifen gezielt politische GegnerInnen an, deren Wohnhäuser oder aber auch
    sie selbst. In einer solchen Situation zu verlangen, dass Transparente die
    Erkennung der Gesichter zulassen, verkennt diese Situation und diese
    Gefahr.
    Auch die Aachener Zeitung vermittelt ein verzerrtes Bild. Unter der
    Headline „Explosive Stimmung in der City“ wird bereits mit der Überschrift
    Gefahr suggeriert. Im ersten Satz wird nochmal gesteigert. Hier ist
    bereits von einer „äußerst explosive[n] Mischung“ die Rede. Ein bisschen
    hört sich das an nach Kriegsberichterstattung.
    In der gesamten Aachener lokalen Print-Presse wird der Eindruck
    vermittelt, die Demonstration sei gefährlich gewesen, äußerst gefährlich.
    Mit der Beschreibung von schwarzgekleideten DemonstrantInnen die in einen
    Gegensatz zu „friedlichen“ DemonstrantInnen gesetzt werden, wird
    vermittelt, an dunkler Kleidung lasse sich der Grad der Aggression
    ableiten. Mit der inflationären Nutzung von Begrifflichkeiten wie
    „Gefahr“, „Rangelei“, „explosive Stimmung“, „Katastrophe“, „hitzig“,
    „überkochend“, „Unheil in der Luft“, „Eskalation“ und „aufgeladene
    Stimmung“ wird eine Situation suggestiv vermittelt, die reichlich wenig
    mit der vom 18.6.2010 zu tun hat. Wo waren, fragt man sich nach der
    Lektüre die massenweisen Verletzten, die ein solches Gewaltszenario nach
    sich ziehen muss? Wo waren die Effekte dieser herbeigeredeten Gewalt? Auf
    diese Frage finden wir zwangsläufig keine Antwort – denn es gab sie nicht.
    Weder die Gewalt noch Verletzte. Die einzigen Menschen, die verletzt
    wurden, wurden von der Polizei verletzt – durch einen höchst umstrittenen
    Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Die Aggression lag nicht auf
    Seiten der DemonstrantInnen. Dass ein Autor dann dazu übergeht, eine
    Auseinandersetzung, die nichts mit der Demonstration zu tun hatte,
    rhetorisch suggestiv der gesamten Demonstration anzulasten, markiert die
    Grenze zur tendenziösen Berichterstattung. Investigative Berichterstattung
    ist das nicht, dazu würde es gehören, bei „allen Seiten“ nachzufragen und
    die unterschiedlichen Deutungen in einem Bericht einzufangen.
    Genaugenommen ist das gar keine Berichterstattung. Der Artikel eignet sich
    als Kommentar. Er spiegelt das persönliche Empfinden des Autors wider.
    Polemisch würden wir sagen: Genre verfehlt.
    Erstaunt stellten wir fest, dass die Berichterstattung der Polizei Aachen
    weitaus weniger tendenziös berichtet als die freie Presse. Hier ist nichts
    zu lesen, von einer Rangelei vor den Hotel Hesse, auch wird auf Stilmittel
    verzichtet, die Gefahr vermitteln. „Überwiegend störungsfrei“ ist hier der
    Tenor. Aber auch hier wird der Pfeffersprayeinsatz als polizeiliche
    Gegenwehr auf „eine[n] körperlichen Angriff von Teilnehmern der
    Versammlung gegen die eingesetzten Polizeibeamten“ gewertet. Von
    verletzten PolizistInnen oder Festnahmen wegen dieses Angriffs ist hier
    allerdings nichts zu lesen. Wahrscheinlich war auch der Einsatzleitung
    klar, dass sie mit einer solchen Interpretation vielleicht bei der Presse,
    nicht aber bei Gerichten durchkommen. Was der Polizeibericht unterschlägt
    ist die Tatsache, dass fünf junge AntifaschistInnen, die auf dem Weg zur
    Demonstration waren, in Brand von Neonazis abgefangen wurden,
    zusammengeschlagen wurden und einer der Antifaschisten den Tag im
    Krankenhaus verbrachte. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der
    Demonstration, die Jugendlichen befanden sich auf dem Weg zu dieser und
    der „Vorfall“ liegt der Polizei vor. Warum also das Schweigen?
    Insgesamt müssen wir feststellen, dass anscheinend nicht nur die
    Offiziellen der Stadt Aachen das wachsende Problem neonazistischer
    Organisierung verkennt, sondern auch die Aachener Lokalpresse,
    anschließend an behördliche Interpretationen, eher ein Bild aufbaut von
    einer Auseinandersetzung unter „Rivalisierenden“ und so neonazistische
    Gefahr entpolitisiert wird. Wir haben es nicht mit einer
    Auseinandersetzung ‚links gegen rechts’ zu tun, wir haben es mit einer der
    stärksten neonazistischen Organisationen in ganz NRW zu tun, die gezielt
    politisch Unliebsame attackiert und einzuschüchtern versucht. Und dazu
    gehören nicht ‚nur’ AntifaschistInnen, sonder auch Menschen mit
    Migrationshintergrund, JournalistInnen, PolitikerInnen und andere, die mit
    faschistischen Weltbildern nicht einverstanden sind oder herausfallen aus
    dem in angestrebten Volksgemeinschaften angestrebten Volkshomogen.

    anmerkungen (falls es mich betrifft):

    a.) das genaue zitat der rednerin war, angesichts der wachsenden nazigewalt sei es an der zeit, „wieder mal militant zu werden und zurück zu schlagen“.

    b.) dass teilnehmer bzw. menschen auf dem weg zur demo angegriffen wurden, wurde weder bei der demo, noch in den reden, noch von der polizei, noch meines wissens nach von den opfern gegenüber der presse, noch meines wissens nach in eigenen berichten und stellungnahmen der veranstalter, der antifa oder anderen teilnehmern auf deren homepages, bei indymedia oder in kommentaren unter AN-online bzw. „klarmanns welt“ bis heute mitgeteilt.

    c.) die rangeleien vor dem hotel begannen mit den rufen, da sei ein nazi; er wurde von einzelnen teilnehmern ebenso namentlich genannt bzw. per ruf unter einbeziehung seines vornamens in dessen richtung „angesprochen“.

    d.) keine rangelei vor dem hotel?
    rangelhesse

    e.) auslöser der rangelei (s.o.) waren nicht antifaschisten, die hinzukommen wollten, von der polizei aber nicht durchgelassen wurden. oben schrieb ich dazu, dass es militanzgeneigte waren, die von den eigenen leuten aus der demo geworfen wurden, weil man sie für nazis hielt – und dann wollte die demo, nachdem sie den fehler bemerkt hatte, aber die polizei die ausgeschlossenen „nazis“ nicht mehr zurücklassen wollte, erst weiter gehen, wenn die „bullen“ „unsere leute“ freigelassen haben…

    f.) zwischen den vorfällen c und e liegen rund 15 minuten, in der ein redner des AZ seine rede hielt.

    g.) zu einem punkt schweige ich, bin jedoch sehr erstaunt…

    mik

  17. 17 hmz.... 06. Juli 2010 um 8:24 Uhr

    ein paar presseleute können noch mehr ausem kontext reissen..
    und man merkt, ahnung ham se schonmal gar nicht^^

    http://blog.br-online.de/report-muenchen/?p=172

  18. 18 Hubert_K 06. Juli 2010 um 11:28 Uhr

    @hmz….

    „Report München“ sagt ja beinahe schon alles ;) .

  19. 19 Klar, Mann? 06. Juli 2010 um 14:08 Uhr

    Oh, nachdem ich mal die Zeit hatte, das Video in Ruhe ganz anzuschauen, muss man ja auch (noch) mitteilen:

    Findet Klarmann!

    Mik

  20. 20 Hubert_K 06. Juli 2010 um 15:40 Uhr

    Hab ihn bereits gefunden ;)

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