Region. In der Region ist es im Verlauf der Public-Viewing-Veranstaltungen und spontanen Freudenfeiern während und nach dem Spiel Deutschland gegen Ghana vereinzelt zu Vorfällen gekommen – in Aachen abermals solche, die im Bereich Rechtsradikalismus anzusiedeln sind. So hat laut Polizeiangaben ein junger Rechtsextremist im Zuge der Siegesfeiern in Aachen den Hitlergruß gezeigt und Beleidigungen ausgestoßen. Er wurde in Gewahrsam genommen, ein Strafverfahren gegen ihn wurde eingeleitet, teilte die Polizei mit.
Nach Angaben der Polizei hätten die Beamten alleine in Aachen insgesamt 260 Platzverweise aussprechen und 13 Transporte in das Polizeigewahrsam durchführen müssen. Während des Spiels sei es im Bereich des Marktes und wie schon bei früheren Spielen der Nationalelf abermals in der Pontstraße zu Scharmützeln und Schlägereien gekommen. In diesem Zusammenhang habe die Polizei „gegen drei polizeibekannte junge Männer die Höchststrafe ausgesprochen: ein Betretungsverbot für den Innenstadtbereich bis nach dem WM-Endspiel,“ so Polizeisprecher Paul Kemen.
Kemen weiter: „Insgesamt sechs Mal wurde dieses probate Mittel bisher gegen ewig Unbelehrbare während der WM ausgesprochen.“ Drei Fälle trugen sich davon am Mittwochabend zu, die anderen drei Betretungsverbote richteten sich laut Kemen gegen Personen, die noch vor dem Spiel Deutschland gegen Serbien im Bereich der Kneipen- und Studierendenmeile in Gewahrsam genommen worden waren [1]. Sie stehen im Verdacht, nach Ende des Auftaktspiels der Nationalelf gegen die Mannschaft Australiens feiernde und „Nazis raus!“-Rufe skandierende Fans in der Pontstraße angegriffen zu haben [2].
Unmittelbar nach Spielende häuften sich laut Polizei auch gestern wieder die Einsätze. In der Pontstraße wurde ein bengalisches Feuer entzündet. Ein Verdächtiger konnte laut Polizei ermittelt werden. Gegen vier junge Männer sei zudem ein Strafverfahren eingeleitet worden, weil sie auf das Dach eines ASEAG-Busses geklettert waren und darauf „rumturnten“ (Kemen). Beamte der Einsatzhundertschaft hätten die Männer wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Insgesamt habe die Polizei in Aachen zehn Strafverfahren eingeleitet, überwiegend wegen Körperverletzung und Diebstahl.
Gegen 0.30 Uhr hätten zudem rund 250 Personen im Pontviertel die Straße besetzt, den Straßenverkehr behindert und Autos hin und her geschüttelt. Mit Hilfe einer Polizeikette sei die Gefahrensituation beseitigt worden. Den 250 Personen seien Platzverweise erteilt worden – nebst der Drohung, bei Nichtbefolgen in Gewahrsam genommen zu werden. Drei Personen „hörten nicht richtig zu und wanderten ins Gewahrsam. Einer leistete Widerstand gegen die Polizisten. Der konnte nur mit Pfefferspray gebrochen werden,“ so Kemen.
Laut Polizei verzeichnete man im Kreis Düren während und nach der Fußballübertragung des WM-Spiels am Mittwochabend „eine insgesamt überschaubare Einsatzlage“ (Polizeibericht). Während der zweiten Halbzeit seien indes zwei 20 und 30 Jahre alte Dürener beim Public-Viewing auf dem Kaiserplatz in Streit geraten. Der Jüngere sei dabei mit der Faust geschlagen worden und habe im Krankenhaus behandelt werden müssen. Gegen den tatverdächtigen 30-Jährigen sprachen die eingesetzten Polizeibeamten einen Platzverweis aus, ein Strafverfahren sei eingeleitet worden.
Eine weitere Strafanzeige richtet sich laut Polizei gegen zwei Personengruppen am Rande des Kaiserplatzes, die weit nach Spielschluss aneinander gerieten. Hierbei sei ein 20-Jähriger aus Merzenich durch einen Flaschenwurf am Kopf verletzt worden. In Jülich habe ein 20-Jähriger einen kurz vor Mitternacht gegen ihn ausgesprochenen Platzverweis nicht befolgen und sei in Gewahrsam genommen worden. Dabei habe er Widerstand geleistet, weswegen gegen ihn ermittelt werde.
„Wie bei den beiden Gruppenspielen zuvor verliefen auch die Public-Viewing-Veranstaltungen gestern Abend beim letzten Vorrundenspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft aus polizeilicher Sicht störungsfrei,“ stellte Polizeisprecher Norbert Schröders für den Kreis Heinsberg fest. Nennenswerte Vorkommnisse habe es nicht gegeben. Fans hätten „teils ausgelassen aber friedlich“ gefeiert. [© Klarmann]
[1] Polizei versucht Neonazis und Problemfans zu beeindrucken
[2] Neonazis nutzten Fußballgaudi wieder zum Zuschlagen
In Heinsberg wurde auch von bestimmten Personen 2-3 mal der Hitlergruß gezeigt, wurden aber zurecht gewiesen dies zu unterlassen…