Aachen. Das regelmäßig stattfindende Antifa-Café mit Vertretern verschiedener antifaschistischer, links-autonomer Gruppen will sich am Donnerstag dem „momentanen Naziproblem“ in Aachen widmen. Man wolle einen Art „runden Tisch“ mit Gruppen und Einzelpersonen abhalten, heißt es in einer Einladung, die sich auch an andere Personen und Initiativen richtet, die sich gegen Neonazis und Rassismus engagieren. Ein Austausch soll im Rahmen des „runden Tisches“ stattfinden zu den Vorfällen „der letzten Monate“. Man wolle zudem „Gegenstrategien“ entwickeln. Das Antifa-Café findet am 1. Juli ab 20 Uhr im „Autonomen Zentrum“ (AZ) in Aachen statt. [© Klarmann]
6 Antworten auf “GegenRechts: Für das Antifa-Cafe gehört das Eckige ins Runde…”
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Und wieder einmal beweisen Sie, lieber Herr Klarmann, dass sie die unsägliche „Extremismustheorie“ mitnichten ablehnen. Mit dem von Ihnen benutzen Begriff „links-autonom“ unterstellen Sie, es gäbe ebenso „rechts-autonom“. Dies ist allerdings bezüglich der Geschichte der autonomen Bewegung – die stets eine linksradikale war – hanebüchener Unfug. Sie können mehr, Herr Klarmann, wenn Sie nur wollen!
Enttäuschte Grüße.
Wo er Recht hat,hat er Recht Herr Klarmann!
@“Braver Bürger!“
Das haben Sie als Neonazi doch nur hier hin geschrieben, weil Sie der „Extremismustheorie“ Nahrung liefern wollen…
@“¡trago amargo!“
Ihr Fehler ist, dass Sie versuchen, die Exklusivität der linksradikalen/linksextremen „Autonomen“ herauszustellen. Sie vertreten dabei einen Herrschafts- und Absolutismusanspruch in Sachen Begrifflichkeit, der Ihrem (angeblichen) Toleranz- und Freiheitsgedanken erheblich widerspricht! Dabei verweigern Sie sich jeder Art der, wie auch immer ausgelegten Neudefinition durch Dritte, und stellen ein Dogma auf, welches diktatorische und päpstlich-klerikale Züge annimmt. Wie weiland eine Nazigröße sagte, wer Jude ist, bestimme er, wollen Sie dikatorisch reglementieren, was „autonom“ zu bedeuten hat und wer überhaupt „autonom“ sein kann oder darf…
Dabei haben Sie möglicherweise auch vergessen, dass die Coverversion, nämlich die rechtsextremen/neonazistischen „Autonomen Nationalisten“, einen Journalisten manchmal aus rein handwerklichen Gründen dazu zwingen, den nicht Splitterszenen erprobten Leserinnen und Lesern darzulegen, mit welcher Art von „Autonomen“ sie es denn nun zu tun haben. Denn die Leserinnen und Leser wissen oft genug bei den Wirren unter den „Erlebnisorientierten“ nicht, ob sich zwei extremistische Kasten ein Ringelpiez ohne Anfassen, aber mit kräftig was auf die Glocke liefern, und zwar manchmal auch nur aus dem Grund, weil es darum geht, wer der wahre und einzige „Autonome“ sein könnte…
Anonsten bewirken Ihr Kommentar und erst recht meine Interpretation des Schlamassels aber genau das, was Sie erstaunlicherweise NICHT bewirken wollten – und das wäre auch ganz ohne Neonazi-Zustimmung passiert. Denn möglicherweise steckt in der „Extremismustheorie“ ein kleiner Hauch von Wahrheit und der Kampf um die „wahre Autonomie“ unter linken wie rechten „Automaten“ (nettes Schimpfwort aus jenen Tagen, als „Autonome“ noch meinten, Punks mit Sexismus-Diskussionen das Leben unerträglich machen zu können, während sie im Einzelfall zugleich daheim ihre „eigenen“ Frauen verprügelten, aber eine Kölner Spaßband via Sexismusdiskussion mundtod machen wollten) untermauert dies…
…schlimmstenfalls können Sie sich aber nun noch rausreden, indem Sie mitteilen, die V-Leute des Staates hätten das Konzept „Autonom“ bei den Linken abgeschaut, in die rechten Szene implantiert, um die Linke zu schädigen und die „Extremismustheorie“ zu untermauern…
Sie sehen, ich will nie so, wie Sie es mir in den Stenoblock diktieren, aber von gar nicht wollen kann auch keine Rede sein! Und so verbleibe ich mit autonom-polemischen, freiheitlich-sarkastischen, tolerant-ironischen Grüßen als Ihr herzallergemeinster Mik
PS. Ihr habt den Spaß verlorn…
Das Problem ist nicht, dass „dabei ein[] Herrschafts- und Absolutismusanspruch in Sachen Begrifflichkeit, der Ihrem (angeblichen) Toleranz- und Freiheitsgedanken erheblich widerspricht“ vertreten würde, sondern vielmehr, dass sie einfach unfähig sind, diese Begriffe von ihrer scheinbar positiven Konnotation die sie in ihren Augen hat, loszulösen und wieder sachlich zu benutzen.
Gleiches gilt ja für den Extremismus – wer sich als cooler Linksradikaler gegen den Extremismusvorwurf wehren will, zeigt doch nur, wie wenig extremistisch er de facto ist – aber damit gleichzeitig wie wenig linksradikal, anarchistisch, kommunistisch etc.
Wer nicht in der Lage ist, den Extremismus als wertfreien Begriff, der lediglich die feindliche Stellung zur FDGO beschreibt, zu gebrauchen, outet sich selbst als Vollidiot im bürgerlichen Sinne.
Insofern lässt sich mal wieder sehen, wie gut es Aachen getroffen hat, mit Antifas und sonstigen Linken, die zwar SAGEN dass sie „nicht an den Staat appellieren“ wollen, es jedoch auf der gleichen Demo mit lustigen Polizeimitteilungen wie „Das ist unser gutes Recht, steht im Grundgesetz“ trotzdem tun.
Dass ihr geiler emanzipatorischer Ansatz, der sich darauf beläuft, keine Polizisten vergewaltigen zu wollen, nämlich genau der Ansatz bürgerlichen Rechts ist, dass ihre scheinbare Feindlichkeit dem Staat gegenüber der Argumente entbehrt, dass ihre Kapitalismuskritik in etwa die ist, dass dieser Grundlage für den Faschismus ist, all das zeigt, wieviel dieser Staat geleistet hat, seine Untertanen zu „mündigen Bürgern“ zu erziehen – selbst seine selbsterklärten Feinde können sich heute nicht von seinen Denkstrukturen loslösen.
Schade, itrago, eine wirklich „emanzipatorische“ Bewegung in Aachen wäre tatsächlich mal zu begrüßen.
Herzlichst, ihr Staatsfeind. Oh und ich hoffe nicht, dass meine IP damit gleich dem Verfassungsschutz ausgeliefert wird, immerhin handelt es sich hier um sehr theoretische Ausführungen über Gesellschaft und Staat – das tut ja keinem weh, nicht wahr.
Sprachidealismus meets Extremismustheorie…also ganz langsam noch mal.
@Hüst
Es gibt keine sachliche Nutzung von Begriffen. Es gibt nichtmal sachliche Begriffe, geschweige denn wertfreie. Das zum Einen. Das ist ein philosophisches Problem und kann und muss hier wohl nicht gelöst werden. Viel wichtiger: Das Extremismuskonzept verweist direkt auf das lineare Bild von Gesellschaft, das VS, Bullen und so manche Journalist_innen teilen. Mitte gleich Mitte, Extreme gleich Abweichung. Heißt: Die Mitte ist frei von Nationalismus, Rassismus etc. Wer radikal ist (und das ist was ganz anderes als extremistisch) weist diese Konstruktion von Gesellschaft zurück und erkennt die Herrschafts- und Ausgrenzungsmechanismen der sogenannten Mitte als Gefahr und Strukturelement für weitere und weitreichendere Ausgrenzungsmechanismen.
Das Problem – und mich wundert, dass dir das nicht klar ist – ist nicht die Distanz zur FDGO, sondern die „Gleichstellung“, die durch die Bezeichnung Linksextremismus und Rechtsextremismus vorgenommen wird. Da liegt das politische Programm der Apologet_innen der Extremismustheorie und die gilt es als Linksradikale_r zurückzuweisen. Distanz zur FDGO beschreibt erstmal gar nichts.
Noch eine kleine Anmerkung zu den verbalradikalen Bemerkungen deinerseits.
Du schreibst: „Insofern lässt sich mal wieder sehen, wie gut es Aachen getroffen hat, mit Antifas und sonstigen Linken, die zwar SAGEN dass sie „nicht an den Staat appellieren“ wollen, es jedoch auf der gleichen Demo mit lustigen Polizeimitteilungen wie „Das ist unser gutes Recht, steht im Grundgesetz“ trotzdem tun.“ Erstens waren das durchaus unterschiedliche Leute. Aber egal, es gibt ja viele, die der Differenzierung nicht mächtig sind. Dann: Warst du auf der Demo? Warum? Demonstrationsfreiheit steht doch im Grundgesetzt? Okay, das ist wohl Polemik und führt nicht weiter. Ich denke, es liegt ein wesentlicher Unterschied darin, entweder a) zu verweigern, den Staat zur Lösung gesellschaftlicher Probleme anzurufen oder b) bürgerliche Rechte, dies hier gibt, auch für sich zu beanspruchen. Wenn der Staat gegen seine (!) eigenen Spielregeln verstößt, lohnt es meines Erachtens, darauf hinzuweisen. Und die Freiheiten die ich habe, kann ich prima nutzen, um weitere zu erkämpfen. Oder bestehst du nicht auch das Telefonat, wenn du eingefahren wirst? Ich denke nicht, dass das ein Ansatz bürgerlichen Rechts ist, solch einer würde nämlich eben nicht darüber hinaus gehen wollen. Ich finde es fast zynisch, Rechte, die hart und blutig erkämpft wurden, die Nutzung dieser Rechte, als quasi reformistisch und legalistisch abzutun. Würdest du auch die Abschaffung der Residenzpflicht, also die Erkämpfung des Rechts auf uneingeschränkte Mobilität als bürgerlichen Akt sehen?
Dann „…dass ihre scheinbare Feindlichkeit dem Staat gegenüber der Argumente entbehrt, dass ihre Kapitalismuskritik in etwa die ist, dass dieser Grundlage für den Faschismus ist…“. Das finde ich wirklich amüsant. Wo hast du denn Dimitroff gesehen? Also ich weiß wirklich nicht, von wem du sprichst, ich hab keine Leute gesehen, die ebendiese These vertraten, ich habe nichtmal die m.E. wirklich schlechte Parole „hinter dem Faschismus…“ gehört. Aber gut, vielleicht passte das ja einfach gut in deine Argumentation.
Schließlich: „eine wirklich „emanzipatorische“ Bewegung in Aachen wäre tatsächlich mal zu begrüßen“. Nun, wenn diese Bewegung, die du hier wünschst aus Leuten besteht, die sich einzig anhand ihrer Distanz zur FDGO definieren und meinen, sie könnten sich außerhalb von gesellschaftlichen Strukturen stellen, die nicht merken, wie sehr sie selbst in bürgerliche Strukturen verstrickt sind und selbstgerecht dann proklamieren, die tatsächlichen „Staatsfeinde“ zu sein, weil sie es nie nötig hatten, Rechte zu erkämpfen (wie beispielsweise Frauen, Migrant_innen, u.a.), weil sie in dieser Gesellschaft privilegiert sind, dann habe ich ehrlich gesagt lieber die Bewegung die es gibt. Die mag ihre Schwächen und Widersprüche haben, ist aber wenigstens nicht dogmatisch, selbstgerecht und so arrogant anzunehmen, sie hätte die widerspruchsfreie Lehre. Die gibts nämlich nicht.
Nun noch zu dem Kommentar von mik hier in diesem Artikel. Hier liegen nämlich viel größere Probleme. Er unterstellt wem anders einen Absolutheitsanspruch auf Begriffe und leitet daraus mal eben einen fehlenden Freiheitsanspruch ab. Das ist schon harter Tobak. Es geht weiter mit Vorwürfen „diktatorischer und päpstlich-klerikaler Züge“. Da hat wohl wer vergessen, was Diktatur bedeutet, denn verharmlosen wollte er sie mit dieser Entgleisung doch hoffentlich nicht. Es ist durchaus berechtigt, zu fragen, was Neonazis mit dem Konzept der Autonomie zu tun haben, gerade mit dem, welches in der radikalen Linken vertreten hat. Reitz selbst sagte einst: „Autonomie heißt Parteifreiheit. Punkt“. Viel mehr bringen die sogenannten „autonomen Nationalisten“ selbst auch nicht zustande an Definition. Daher ist es durchaus fraglich, was da so autonom sein soll, und im Anschluss, ob man ihnen dieses Label damit lässt oder vielmehr immer wieder deutlich macht: Es ist ein Label, kein Konzept, im Gegensatz zum linken Konzept der Autonomie. Und insofern ist es tatsächlich schwierig, von „Linksautonomen“ zu sprechen, weil der Begriff vermittelt, es gebe „Rechtsautonome“. Das wird denen gut in den Kram passen, denn mit diesem Label können sie besser als früher potentielle Anhänger ansprechen. Und man muss den Nazis ja nicht jede Adaption durchgehen lassen. Wie allerdings damit in Medien umzugehen ist, ist tatsächlich eine Frage, die es lohnt zu diskutieren.
Zu den härteren Sachen: „Wie weiland eine Nazigröße sagte, wer Jude ist, bestimme er, wollen Sie dikatorisch reglementieren, was „autonom“ zu bedeuten hat und wer überhaupt „autonom“ sein kann oder darf…“. Die Vorbereitung zur Vernichtung von 6 Mio. Menschen mit einer Debatte um Autonomie und Begriffsadaptionen von rechts zu vergleichen, sollte sich eigentlich für jeden klar denkenden Menschen verbieten. Und das sollte auch der Autor dieser Zeilen wissen, denn sowas kann einem locker als Geschichtsrevisionismus ausgelegt wrden. Ja, dabei verliere ich den Spaß, ich bin nämlich durchaus der Meinung, dass Begriffe und erstrecht Konzepte nicht einfach aufgegeben werden sollten und ich sehe mich dadurch nicht in der Tradition von Rosenberg, Himmler und Hitler. Mir bleibt da nur noch Kopfschütteln. Und es geht noch weiter: „Anonsten (sic!) bewirken Ihr Kommentar und erst recht meine Interpretation des Schlamassels aber genau das, was Sie erstaunlicherweise NICHT bewirken wollten […]. Denn möglicherweise steckt in der „Extremismustheorie ein kleiner Hauch von Wahrheit und der Kampf um die „wahre Autonomie“ unter linken wie rechten „Automaten“ […] untermauert dies…“ Nein, das tut er nicht. Ich weiß ja nicht, ob der Autor sich mit der Theorie auseinandergesetzt hat, die weit aus mehr meint, als „die benutzen die gleichen Begriffe und streiten sich drum“. Die Extremismuskonzeption lässt sich durchaus nicht durch einen Kampf um Begriffe untermauern, der übrigens schon in den 20er Jahren geführt wurde, als Nazis den Sozialismus-Begriff für sich adaptieren wollten und der Marxismus dagegenhielt. Auch dieser Kampf untermauerte nicht die Extremismustheorie.
Zu den Ausführungen zum Sexismus würden wahrscheinlich etliche Nazis zustimmen. Heißt das jetzt, dass Journalist_innen und Nazis mehr miteinander zu tun haben als sie denken oder gar strukturell ähnlich sind? Nein? Warum heißt es das dann bei Autonomen und sich autonom gebenden Neonazis? Komisch.
Das Ganze hier ist doch ziemlich verwunderlich.
ich hatte polemisiert – und sie sind drauf reingefallen… mik
ps. ist es nicht verwunderlich – nun mal so ganz ohne polemik –, dass wir uns immer wieder die zeit nehmen, über ein wort in einer kurzen meldung seitenweise zu diskutieren?
Nö.
Das macht den Unterschied.