Archiv für Juni 2010

Gedenken: Stadt sieht Alternative zu umstrittenen Stolpersteinen…

…titelt die Lokalpresse und berichtet [1], dass viele Jahre nach dem Streit um das berühmt-berüchtigte „Hakenkreuz-Mal“ in Stolberg abermals eine Mahnmal-Diskussion losgetreten worden ist. Anlass dafür waren Vorschläge, dass man auch in Stolberg Stolpersteine [2] mit den Namen und Daten der von den Nazis ermordeten Juden vor deren letzten Wohnhäuser ins Straßenpflaster einlassen wollte.

Laut Lokalpresse beruft man sich in Stolberg auf die bundesweit „kontroverse Diskussionen“ zu den kleinen Gedenksteinen, der Riss dazu gehe selbst durch die Spitze des Zentralrates der Juden in Deutschland – was laut Lokalpresse – angeblich – „[f]ür viele Kommunen […] ein Anlass [war], das Projekt abzulehnen.“ Obschon etwa Zentralrat-Vize, Stephan J. Kramer, und die Jüdische Gemeinde Aachen für eine Verlegung seien, lehne das örtliche Bündnis gegen Radikalismus (BgR) die Stolpesteine ab und regte laut Lokalpresse an, die Namen der ermordeten Juden an dem Baum der Toleranz vor dem Rathaus anzubringen.

Bei der Verwaltung sei dieser Vorschlag auf Zustimmung gestoßen, darum werbe die Verwaltung nun auch bei der Lokalpolitik, berichtet die Presse weiter. Konträr zur aktuellen Diskussion und angesichts eines gänzlich anderen Kräfteverhältnisses in der Lokalpolitik und eines aktiven BgR vor Ort, erinnert die Diskussion dennoch aus der Ferne betrachtet an jene, als man in Stolberg zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein „Mahnmal“ aus zwei ineinander verwobenen Hakenkreuzen errichtete.

2001 aber hatten der Zentralrat der Juden und verschiedene Gedenk- und Opferinitiativen sowie jüdische Gemeinden sich gegen jenes Mal ausgesprochen – erhört wurden ihre Stimmen, anders als nun bei den „umstrittenen Stolpersteinen“ (s.o.) indes seinerzeit nicht wirklich. Bis heute steht besagtes Hakenkreuz-„Wahnmal“ nahezu unverändert in Stolberg. „Klarmanns Welt“ dokumentiert daher nachfolgend einen langen Bericht, geschrieben Mitte 2003 für die interkulturelle Zeitung „Die Brücke“ (Saarbrücken):

Anfang des Jahres 2002 nannte der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, das Stolberger Mahnmal „Den Opfern des Nazi-Terrors 1933 – 1945“ als seine bedrückendste Erfahrung im Jahr 2001 – dem Jahr der Terroranschläge in New York und Washington. Ein Sprecher des Stadtverwaltung konterte: „Herr Spiegel kann das Mahnmal nicht akzeptieren, das respektieren wir. Wir können aber von Herrn Spiegel erwarten, dass er toleriert, wie hier vor Ort der Opfer des Nazi-Terrors gedacht wird.“ Die Skulptur zweier wuchtiger, ineinander gewundener Hakenkreuze aus Stacheldraht solle vorwiegend an die 2.500 Zwangsarbeiter erinnern, die in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt im Kreis Aachen geschuftet hatten. In Leserbriefen an die Lokalpresse oder Diskussionen mancher Bürger zu Zeiten der Einweihung im Juli 2001 hatte das, vielleicht auch nur vermeintlich, anders geklungen: Was wolle Spiegel eigentlich mit seiner Kritik „hier“. Er solle sich „um Israel“ kümmern. Gemeint waren die Palästinensergebiete und das israelische Militär.

Stolbergs Mahnmal-Debatte kam spät – und dennoch sind die Initiatoren der Skulptur überzeugt, die Diskussion habe „einen bedeutenden Beitrag zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit geleistet.“ Geschrieben hatten der Ex-SPD-Ratsherr Matthias Breuer (Initiator), als Sponsor und seinerzeit Hauptnutzer der Zwangsarbeiter im Ort die Firma Prym-Metall und Bürgermeister Hans-Josef Siebertz (CDU) diesen Satz Ende August 2001 in einer Erklärung, die Spiegel brüskieren musste – und von der er nur aus dem Medien erfuhr. Denn Ende Juli hatte Spiegel Stolberg besucht und den Verantwortlichen erläutert, warum man mit dem Symbol der Täter nicht deren Opfer gedenken könne. Seine vormals noch aus der Ferne getroffene Aussage, das Mal sei ein „Schlag ins Gesicht für alle Überlebenden des Holocaust“, sah er beim Ortstermin mehr als nur bestätigt. (mehr…)