Rechts: Flex in Ketten ohne Flex…

Stolberg/München. Der rechtsextreme Liedermacher „Flex“ (Felix Benneckenstein, München) und die Rechtsrock-Band „Libertin“ (Raum Dortmund) waren die ersten Neonazi-Musiker, die einem durch einen Migranten in Stolberg erstochenen 19-jährigen Berufsschüler ein Lied widmeten. Wegen der Bluttat – zuerst hatte es entgegen der Wahrheit geheißen, das Opfer sei ein „Kamerad“ gewesen – marschierten seit 2008 wiederholt Neonazis aus ganz Deutschland ungeachtet aller Bitten der Eltern des Opfers in der Kupferstadt auf. Mitte September publizierte „Flex“ dann seine erste CD namens „Bock auf Freiheit“. Besagter Tonträger enthält mit „Zu spät“ ein vor Melancholie triefendes Lied über die Stolberger Bluttat und strickt damit vage den Märtyrer-Mythos um einen „gefallenen Kameraden“ weiter.

Im November empfing die Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) sogar Besucher auf der Startseite ihrer Homepage mit dem automatisch startenden Lied – und schlachtete so die Bluttat weiter propagandistisch aus. Unterdessen hinterlässt derlei jedoch einen faden Nachgeschmack, denn der Liedermacher sitzt derweil laut eines in Neonazi-Kreisen kursierenden Textes in Haft. „Flex“ selbst will das Schreiben seiner Verlobten übermittelt und um Verbreitung gebeten haben. Demnach sei er am 25. Juni verhaftet worden. „Es lagen mehrere Haftbefehle vor,“ so der braune Barde.

Grund dafür seien von ihm bisher nicht beglichene Schulden und/oder Geldstrafen wegen vorangegangener Verurteilungen und/oder gegen ihn verhängter Strafbefehle. Auf „einen Schlag“ hätten ihm „mehrere Staatsanwaltschaften gleichzeitig seit Monaten laufende Ratenzahlungen verwehrt und in Haft umgewandelt“. Die Summe soll sich demnach auf rund 5.000 Euro belaufen. Offenbar laufen derzeit weitere Ermittlungen gegen „Flex“ – offenbar im Rahmen eines Körperverletzungdeliktes unter „Kameraden“ – und die bislang ausstehende Summe habe nur durch „Sofortzahlung“ beglichen werden können – oder eben durch Verbüßung der Ersatzhaftstrafe, so „Flex“.

Aus welchem Grund die bisherigen Urteile gegen ihn verhängt wurden, teilte „Flex“ nicht mit. [© Klarmann; Lied via „You Tube“ aus Dokumentationszwecken eingeblendet: © „Flex“]


8 Antworten auf “Rechts: Flex in Ketten ohne Flex…”


  1. 1 Ad acta 03. Juli 2010 um 0:51 Uhr

    @mik
    das ist aber nun Propaganga vom feinsten.
    (von wegen Dokumentationszweck)

    ausgestiegen? mik

  2. 2 Ad acta 03. Juli 2010 um 10:26 Uhr

    man nennt es auch Sarkasmus oder Ironie.
    Und dazu war ich über solch eine Publikation Ihrerseits verwundert.

    den ersten satz hätte ich als sarkasmus oder ironie schon noch erkannt, aber ihre anmerkung erdete es ja dann wieder auf

    ->go -> to ->ernsthaft

    … mik

  3. 3 Hubert_K 03. Juli 2010 um 13:30 Uhr

    Naja vom Feinsten ist anders. Einfach nur schlecht.

  4. 4 Saites 03. Juli 2010 um 16:33 Uhr

    Das ist die reinste Leichenfledderei was die da fabriezieren, sollen die doch dem Wunsch der Eltern folgen. Muss schwer genug sein sein Kind zu verlieren ohne das da noch irgendwelche hirntoten Idioten aus dem ganzen ne Märtyrer-Mythos raus machen.

  5. 5 Hubert_K 04. Juli 2010 um 11:19 Uhr

    @Saites

    Das ist schlecht, denn Nazis neigen dazu, Realitätsfremd zu sein. Die glauben wahrscheinlich, dass die Eltern ihre Aktionen gut finden (obschon die Eltern sich oft genug dagegen ausgesprochen haben)… Aber die glauben ja auch, das „Volk“ stünde hinter ihnen.

  6. 6 HS 05. Juli 2010 um 19:56 Uhr

    Viel Spaß im Bau :)

  7. 7 hase 05. Juli 2010 um 20:35 Uhr

    Irgendwie scheint nach Ian Steward Donaldson das neuste Vorbild aller Nazibarden Reinhard Mei zu sein.

  8. 8 Martin 06. Juli 2010 um 13:38 Uhr

    @Hubert_K

    Wenn man sich die Nazi-Webseiten mal so anguckt, sieht man eigentlich, dass die nicht glauben, dass die Eltern ihre Aktionen gut finden. Dass kümmert die aber recht wenig, stattdessen sind die Eltern für sie halt „Verräter“ oder schlicht und einfach nur naiv/verblendet.

    Mein Mitleid für den armen Flex, gegen den sich ja die Staatsanwaltschaften wieder alle ganz ungerecht verbündet haben, obwohl er doch gar nix gemacht hat. Muss schwer sein, immer nur das Opfer eines unfairen Willkürstaats zu sein.

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