Rechts: Neonazi muss ins Gefängnis…

…titelt die Lokalpresse und berichtet [1], dass ein 20-jähriger Neonazi aus Windeck (Rhein-Sieg-Kreis) wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung eine gegen ihn verhängte zweieinhalbjährige Haftstrafe antreten muss. Der Neonazi galt lange als Führungskader der „autonom“-national(sozial)istischen „Aktionsgruppe Windeck“ (AG Windeck) und war nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ mehrfach Teilnehmer von Aufmärschen in der Region, etwa in Aachen, in Stolberg und in Heinsberg-Randerath.

In Randerath marschierte der nun Verurteilte im März 2009 gemeinsam mit Neonazis wie Axel Reitz (Pulheim), Christian Malcoci (Grevenbroich bei Neuss) und Sven Skoda (Düsseldorf) unter dem Motto „Todesstrafe für Kinderschänder“ auf, filmte teilweise die Reden von Skoda sowie Reitz und veröffentlichte die Videoclips später als Neonazi-Propaganda im Internet – die jetzt verhängte Gesamtstrafe bezieht laut Lokalpresse auch eine Haftstrafe ein, die 2009 gegen den Neonazi wegen der Vergewaltigung einer 13-Jährigen verhängt worden war.

Das Verfahren am Mittwoch vor dem Landgericht Bonn war nötig geworden, weil der Neonazi Berufung gegen vorangegangene Verurteilungen eingelegt hatte. Doch das Gericht fand zu dem als gewaltbereit geltenden jungen Mann: „Sie brauchen jetzt Konsequenzen, die Sie spüren.“ Die Lokalpresse schreibt, daher bleibe es „bei einer Jugendstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Der arbeitslose Heranwachsende muss für zweieinhalb Jahre in den Jugendknast.“

Zu den begangenen Straftaten zählten ein Körperverletzungsdelikt, begangen gegen einen „südländisch aussehenden jungen Mann“, und die Vergewaltigung einer zur Tatzeit (Juli 2007) 13-Jährigen durch den seinerzeit 17-jährigen Neonazi. Derlei Taten hinderte den jungen Mann offenbar aber nicht daran, in Stolberg bei rechten „Trauermärschen“ zum „Gedenken“ für das Opfer einer Gewalttat mitzumarschieren – allerdings richteten sich diese von dem Dürener NPD-Kreischef Ingo Haller organisierten Aufmärsche auch nur „gegen Ausländerkriminalität“…

In Aachen war der 20-Jährige Teilnehmer eines Aufmarsches der Neonazis Axel Reitz und Christian Worch (Hamburg), der am Vortag zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938 unter dem Motto „Gegen einseitige Vergangenheitsbewältigung! Gedenkt der deutschen Opfer!“ stand. In Randerath hatte im März 2009 ein Vertreter der „Aktionsgruppe Windeck“ in seiner Rede die Todesstrafe nicht nur für „Kinderschänder“, sondern ebenso „für Richter [und Ärzte], die solche Leute frei lassen“ gefordert… [© Klarmann]

[1] Direktlink


7 Antworten auf “Rechts: Neonazi muss ins Gefängnis…”


  1. 1 Martin 09. Juli 2010 um 10:51 Uhr

    Genau, gegen einseitige Vergangenheitsbewältigung! Wenn schon Todesstrafe, dann auch für Nazi-Kindervergewaltiger! ;-)

    So, jetzt bin ich schon gespannt, wie auch dieser „scheinbare“ Widerspruch (Nazi-Anti-Kindervergewaltiger vergewaltigt Kinder) ganz plausibel wegerklärt werden kann – oder bröckelt doch bei irgendwem das Weltbild?

  2. 2 asd 09. Juli 2010 um 13:34 Uhr

    In Randerath wurde vergangenen Sonnabend erklärt, dass es zweitrangig ist welche politische Gesinnung ein Kinderschänder hat. Unsere Lösung gilt für alle!

    las sich kürzlich von der AGW anders… mik

  3. 3 asd 09. Juli 2010 um 18:52 Uhr

    „las sich kürzlich von der AGW anders… mik“

    Wie darf ich das verstehen? Haben die gesagt „Keine Todesstrafe für nationale Kinderschänder!“ oder wie?

    lesen sie doch bei denen nach, wie sie AKs tat schöngeschrieben haben…sah die 13-jährige nicht irgendwie „reifer“ aus und täuschte den armen AK??? mik

  4. 4 Rainer 10. Juli 2010 um 16:28 Uhr

    Wenn ich die Parolen richtig verstanden habe hängt der Kamerad also in Kürze an einem Baum?

  5. 5 asd 11. Juli 2010 um 6:30 Uhr

    „sah die 13-jährige nicht irgendwie „reifer“ aus und täuschte den armen AK???“

    Keine Ahnung, habe bisher nicht nur die eine Geschichte gehört, gab ja auf AM noch ne andere Stellungnahme die sich wieder anders anhörte.

    @ Rainer
    Besser das, als wenn er weiter unter uns verweilt.

    hatte mich wohl „halb“ geirrt. sie sei definitiv 15 jahre alt gewesen, stand bei AM bzw. AGW – und es habe zwar sex, aber nie eine vergewaltigung gegeben.

    die entsprechende strafanzeige habe die mutter des mädchens erst nachgereicht, um den „kameraden“ mutwillig zu schädigen, weil sie dann erst erfahren habe, dass er nazi sei und man denen ja schaden kann – oder, als demokratin, ja sogar irgendwie muss…

    denke, man benötigt schon einiges an drehungen und verschwörungstheorie-anleihen in seinen gedanken, um auf sowas zu kommen, wenn die 13-jährige aktenkundig ist…

    aber da ihnen AK ja hinlänglich bekannt sein dürfte, können sie das besser „analysieren“…das ex-mastermind der AGW äußerte auf AM dem betroffenen ja seine volle solidarität zu.

    also, bevor sie ihn hängen wollen, fragen sie lieber ihren „kameradschaftsführer“, ob es recht wäre… ;-) mik

    [nachtrag] würde an ihrer stelle übrigens mal definieren, das ein „kinderschänder“ genau ist oder sein soll…

    nur jemand, der sexuellen missbrauch betreibt oder betrieben hat, oder auch personen, die ansonsten kinder oder gar die eigenen kinder durch bestimmte handlungsweisen nachhaltig schaden zufügen und denselben ggf. die zukunft ruinieren bzw. für deren tod verantwortung tragen…

    wenn letzgenanntes alles zutreffen würde, hätten sie noch viele zu hängen…aus ihren eigenen reihen übrigens auch…

  6. 6 asd 11. Juli 2010 um 14:30 Uhr

    Ja irgendwie so in der Art las sich der Text auf AM, und da es nicht die einzige Version des Vorfalls ist lässt es den Herren nicht glaubhafter rüberkommen.

    Zur Definition zitiere ich einfach mal ihre Worte:
    „auch personen, die ansonsten kinder oder gar die eigenen kinder durch bestimmte handlungsweisen nachhaltig schaden zufügen und denselben ggf. die zukunft ruinieren bzw. für deren tod verantwortung tragen…“

    Ich bin im übrigen kein Freund der sexuellen Revolution *hust*scheiß 68er*hust*, weshalb ich natürlich auch eine angeblich freiwillige Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind ablehne.

    ich meinte das eher anders…

    da ich aber kein eigenes kind habe, weiß ich auch nicht, wann das hand-ausrutschen noch als „normaler“ reflex ob einer nervlichen belastung gilt, oder in eine „schändung“ ausufert…

    aber ich denke, spätestens, wenn das handausrutschen dazu ausufert, dass man kinder grün und blau kloppt, könnte es „schänderisch“ werden…

    man könnte auch darüber diskutieren, inwiefern es eine „schändung“ ist, wenn eltern ihre kinder als haushaltshilfen „halten“ oder diese zu öffentlichen auftritten „nötigen“, die dem eigenen nachwuchs nachhaltig schaden…

    in diesem sinne hülle ich mich in schweigen (vielleicht auch nur, weil menschen wie meinereiner rücksicht nehmen, auf die betroffenen kinder und jugendlichen, was freilich auch dazu führt, dass ich indirekt auf die eltern rücksicht nehme).

    aber sie können sicher sein – ohne dass ich alte zöpfe wie die „ideologische schändung“ der kinder in HJ, volkssturm, WJ oder HDJ aufgreifen will –, war das nähkästchen, aus dem ich plauderte, sehr braun…

    und manch einer, der für die „todesstrafe für kinderschänder“ plädiert oder kirchenmännern kindermissbrauch und handfeste erziehungsmaßnahmen vorwirft, müsste, so er das mal wirklich überdenkt, dem führer folgen wie im frühjahr 1945…

    …und dabei habe ich noch nicht mal aus der job-perspektive „geschöpft“…

    mik

  7. 7 freeman 11. Juli 2010 um 19:38 Uhr

    In Ausreden und Tatsachenverdrehung sind Haller & Co
    die wahren Meister. Da muss man denen schon fast
    Respekt zollen.
    „Nicht die einzige Version…“
    Na da brat mir einer nen Storch.

    störche stehen unter artenschutz – und der storch kann ja auch nix dafür ;-) mik

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