Rechts: Neonazis schänden jüdischen Friedhof in Aachen und werfen als Nachwuchs-NSDAP anderen vor, SED zu sein…

Aachen/Stolberg. Neonazis haben am Wochenende in Aachen großflächig die Außenmauern des jüdischen Friedhofes mit rechten Symbolen und antisemitischen Parolen beschmiert. Darüber hinaus kam es zu neun weiteren Farbattacken durch Neonazis in Aachen und Stolberg, unter anderem auf Parteibüros und den Zeitungsverlag Aachen. Der Staatsschutz hat in allen Fällen die Ermittlungen übernommen.

In einem ersten Polizeibericht [1] war die Polizei noch von „insgesamt acht Tatorten“ ausgegangen, später korrigierte sie in einer Nachmeldung, dass ihr bisher neun Vorfälle bekannt seien. Laut Polizei kam es dabei „am vergangenen Wochenende [zu] Farbschmierereien mit Hakenkreuzen, beziehungsweise fremdenfeindlichen Sprüchen.“ Ein Delikt sei von Freitag auf Samstag, drei Delikte von Samstag auf Sonntag und fünf in der Nacht zu Montag beziehungsweise am frühen Montagmorgen begangen worden. Ein weiteres Delikt dürfte der Polizei erst gegen Mittag bekannt geworden sein.

Am Samstag schon war im Stolberger Steinweg aufgefallen, dass Neonazis das Büro der SPD mit einem Hakenkreuz, dem Wort „Juden“ sowie dem Vergleich „SPD = SED = Stasi“ besprüht hatten [2]. Zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen beschmierten Neonazis dann im Stolberger Ortsteil Breinig Bushaltestellen an der Straße Auf der Heide. Zudem verklebten sie im Aachener Ortsteil Hahn auf der Hahner Straße rechtsextreme Aufkleber und schmierten ein Hakenkreuz. Hahn liegt an der Stadtgrenze und ist rund zwei Kilometer von Stolberg-Breinig entfernt.

In derselben Nacht schmierten Neonazis erneut im Umfeld der Kirchengemeinde St. Donatus in Aachen-Brand ein Hakenkreuz und rechtsextreme Parolen. Schon vor Wochen war es im Umfeld der Kirchengemeinde zu einer rechten Sprühaktion gekommen. Die Gemeinde weist mit einem Plakat darauf hin, dass für Rassismus kein Platz sei. Ob das Plakat Anlass für die rechten Sprühaktionen war, oder ein vor Wochen stattgefunden habender Angriff von Neonazis auf Personen, die sie der linken Szene zuordneten, ist unklar.

Fünf weitere, der Polizei bekannt gewordene Taten wurden in der Nacht zum Montag in Aachen verübt. Am jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße beschmierten Neonazis die Außenmauer auf einer Länge von mehr als 40 Metern mit Hakenkreuzen, durchgestrichenen Davidsternen, Parolen gegen Israel und der Losung „Freiheit für Palästina“. Auf einer Länge von rund 15 Metern hinterließen die Täter zudem mit Pinselfarbe die Parole „Juden den Gashahn aufdrehen“.

Mit derselben Farbe wurde zudem eine Gedenktafel beschmiert, darüber hinaus kippten die Neonazis eine große Menge Farbe durch das Eisentor des in der Nacht abgeschlossenen Friedhofes. Teile dieser Farblache auf dem Zugang zum Friedhof waren gegen 10 Uhr noch nicht getrocknet. In derselben Nacht war es zu weiteren Straftaten durch Neonazis gekommen.

Zum wiederholten Male beschädigten sie die Schaufensterscheibe des Büros der Partei Die Linke, überdies wurde die Haustür beschädigt und mit Farbe auf die Scheibe „SED Mauermörder“ geschmiert. Unterzeichnet wurde diese Aussage mit einem Hakenkreuz und „NSDAP“. Abermals beschmiert wurde auch das Haus eines Aussteigers aus der rechten Szene, erstmals mit rechten Parolen und Symbolen beschmiert wurde das Büro der Bündnis-Grünen (Franzstraße) und ein Schild des Zeitungsverlages Aachen an der Dresdener Straße.

An dem Werbeschild am Verlagsgebäude der „Aachener Nachrichten“, der „Aachener Zeitung“, der Umsonstzeitungen „Super Sonntag“ und „Super Mittwoch“ hinterließen die Neonazis ein Hakenkreuz und die Parole „Die Presse lügt“. Darüber hinaus könnten Neonazis ebenso am Wochenende im Aachener Stadtteil Richterich abermals aktiv gewesen sein und ein Trafo-Häuschen beschmiert haben. Strafanzeige soll in dieser Sache erst gegen Mittag erstattet worden sein.

Die Polizei leitete in den ihr bekannt gewordenen Fällen Strafverfahren wegen Sachbeschädigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Auf Tatverdächtige gebe es bislang keine konkreten Hinweise, so die Polizei. Personen, die sachdienliche Angaben machen können, bittet die Behörde, sich mit einer Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen. [© Klarmann]

[1] Farbschmierereien mit verfassungsfeindlichen Symbolen
[2] Stolberger Nachwuchs-KZ-Wachleute finden, im SPD-Büro sitze die Stasi


9 Antworten auf “Rechts: Neonazis schänden jüdischen Friedhof in Aachen und werfen als Nachwuchs-NSDAP anderen vor, SED zu sein…”


  1. 1 Klar, Mann? 02. August 2010 um 17:26 Uhr
  2. 2 Frederik 02. August 2010 um 19:47 Uhr

    Die Nasen sollten mal einen Malkurs besuchen.
    Kann man ja kaum noch lesen.
    Damit haben sie wieder ein Eigentor geschossen.^^

  3. 3 Klar, Mann? 02. August 2010 um 20:33 Uhr

    In Richterich sollen wohl noch eine Telefonzelle und Wände betroffen sein. Tatzeit soll demnach die Nacht von Freitag auf Samstag gewesen sein…

    Mik

  4. 4 Aachener 02. August 2010 um 20:55 Uhr

    „Juden des Gashahn aufdrehen.“

    Bisher war ich ja gegen Gewalt, beginne aber langsam meine Meinung zu ändern.

  5. 5 Hüst 03. August 2010 um 10:38 Uhr

    Lieber handeln bevor sie’s umsetzen können oder seh ich das falsch. Ruhig mal draufhaun. Und wer dir noch erzählt, einen Nazis mit allen Mitteln daran zu hindern Juden zu vergasen sei das Selbe wie das Vergasen selbst, ist entweder bei den JungLiberalen oder hat einfach so keine Vernunft mehr in seinem Resthirn. Nicht, dass man religiöse Idiotie gutheißen sollte, aber mir sind die dann als Mitmenschen immer noch lieber als solche, die vor faschistischer Ideologie schon ans Töten gehen, ihgitt.

  6. 6 Stony 03. August 2010 um 14:46 Uhr

    Bitterer Weise wurde auch wie ich selbst gesehn hab eine Kamera von einer Farbbombe erwischt.
    Dazu ein durchgestrichener Davidsstern sowie mehrere Hakenkreuze.

    Die Nazis haben es nun entgültig übertrieben und wie ich die Aachener Polizei kenne kommt mal wieder nichts bei den ermittlungen raus.

    Ich selbst kann mir schon denken welche Nasen dahinterstecken, leider fehlen mir die Beweise, sonst würden diese Längst bei der Polizei liegen.
    Aber was würde es ändern? Diese Nazis sind ausstauschbar, man muss an die Wurzel des Übels gehen. Wie das Zu schaffen ist, überlasse ich den Leuten auf der Strasse.

  7. 7 Klar, Mann? 03. August 2010 um 14:55 Uhr

    Aus Sicht des Aachener Friedenspreises:

    […] Der Aachener Friedenspreis verurteilt aufs Schärfste die widerwärtigen Farbschmierereien am jüdischen Friedhof
    und an vielen Plätzen in Stadt und Kreis Aachen. Der Vorstand des Aachener Friedenspreis wird an der Seite vieler demokratischen Kräfte der Stadt an Lösungenversuchen mitarbeiten.

    Das antirassistische Engagement von Phönix e.V, dem  nationalen Aachener Friedenspreisträger 2010 beginnt mit Anti-Rassismus-Training und versucht durch Aufklärung und Bildung junge Menschen für die Gefahren von Rechts zu sensibilisieren. Über die Trainings-und Beratungsangebote hinaus engagiert sich unser diesjähriger Preisträger in vielfältiger Form gegen den alltägliche, strukturellen und organisierten Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland. Für den Aachener Friedenspreis Anlass die Arbeit der Gruppe Phönix mit dem nationalen Aachener Friedenspreis zu würdigen.

  8. 8 Klar, Mann? 03. August 2010 um 20:11 Uhr
  9. 9 Klar, Mann? 05. August 2010 um 14:43 Uhr

    Aus Sicht des BgR Stolberg:

    Erneut wurden rechtsradikale Anschläge in Stolberg und in Aachen verübt. An Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen haben Neonazis Hakenkreuze und Naziparolen geschmiert. Besonders schockierend sind die volksverhetzenden Schmierereien an der Mauer des jüdischen Friedhofs in Aachen. Hier wird besonders deutlich, von welchem Geist die Neonazis getrieben werden. Das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus verurteilt solche Taten aufs Schärfste. Die Bündnisse in der Aachener Region sind entschlossen, noch aufrüttelnder gegen den Rechtsradikalismus vorzugehen.

    …abwarten… mik

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