GegenRechts: Aachen mag den braunen Pöbel nicht…

Aachen. Die Bürgermeisterinnen Margrete Schmeer (CDU) und Hilde Scheidt (Grüne) sowie Bürgermeister Björn Jansen (SPD) haben in Abstimmung mit Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU), der sich in Urlaub befindet, einen Aufruf zu der für den 25. September angekündigten Nazi-Demonstration [1] gegen den Neubau der Yunus-Emre-Moschee unterzeichnet. Sie rufen in dem ungewöhnlich deutlich formulierten Text „Aachenerinnen und Aachener aller Nationalitäten, Kulturen und Religionen“ dazu auf, sich im Bündnis gegen Rechts dem brauen Protestzug entgegenzustellen.

Auf einer Pressekonferenz wurde betont, dass ein breites gesellschaftliches Bündnis die vom DGB geplanten Gegendemonstrationen [2] unterstützen soll. Sowohl die katholische und evangelische Kirche, die jüdische und islamischen Gemeinden, Parteien, Initiativen und Organisationen werden demnach den Protest unterstützen. Zudem werde versucht, am Rande des braunen Aufmarsches kreative Widerstandsformen anzuwenden. Genauere Pläne zum Ablauf der Gegenproteste sollen kommende Woche beraten und später bekannt gemacht werden. [© Klarmann]

[1] Nazis kündigen Aktionswochen und Aufmarsch gegen Moscheebau an
[2] DGB-Demo gegen geplanten Naziaufmarsch in Aachen


17 Antworten auf “GegenRechts: Aachen mag den braunen Pöbel nicht…”


  1. 1 Klar, Mann? 19. August 2010 um 17:02 Uhr
  2. 2 Rainer 19. August 2010 um 17:49 Uhr

    Bei den letzten Aktionen der Nazis habe ich mich gefragt, vor wem ich mehr Angst haben muss: vor der handvoll demonstrierender Nazis oder oder vor den braven Bürgern, die, wenn es denn ihre Vorgesetzten so verlangen, die Fenster ihrer Amtsstübchen mit gelben Plakaten vollhängen. Ich habe mich gefragt, was mich mehr anekelt: die Sprüche der Nazis oder die dumpfbraune Volksgemeinschaftsparole „Wir sind Aachen, Nazis sind es nicht“. Dieses „wir“ ist nicht das „wir“ wie z.B. in dem Satz „Wir waren gestern wandern“. Es ist das „wir“, das alles andere ausschließen will, das an die dumpfe Angst des Ausgeschlossen-Seins appelliert. Der Spruch „Wir sind Aachen, Nazis sind es nicht“ transportiert keinen Inhalt, er ist austauschbar. Wo heute noch steht „Nazis sind es nicht“, kann morgen schon stehen „Behinderte sind es nicht“, übermorgen „Juden sind es nicht“ oder – wie eben bei der angekündigten Nazi-Aktion – „Ausländer sind es nicht“. Der Nazi-Slogan „Aachen bliebt unsere Stadt“ ist nur die konsequente Weiterentwicklung des „Wir sind Aachen“. Der Reitz hat seinen Goebbels halt gelesen. Nicht von ungefähr heißt die Mobilisierungs-Seite der Nazis „Unser-Aachen“. Und ich höre schon das Jammern der Stadtoberen: „…die Zugereisten (Reitz,Haller etc.)… haben mit UNSEREM Aachen nichts zu tun!“ oder „..Rufschädigung…“. Einer Stadt, die das Besprühen der Mauer des Jüdischen Friedhofs mit der Parole „Juden den Gashahn aufdrehen“ als Auseineandersetzung zwischen rechten und linken Gruppen bezeichnet, sollte der Ruf meiner Ansicht nach konsequent geschädigt werden.

  3. 3 Peter 19. August 2010 um 18:55 Uhr

    […]

    rote karte bis dorthinaus! ich habe sie so satt…dann lieber mit laube-reitz-haller-kunkel apfelschorle schlürfen gehen bis zum sanktnimmerleinstag… mik

  4. 4 Mkay 19. August 2010 um 19:17 Uhr

    @ Rainer
    Meiner Meinung nach haben Sie in vielen Punkten recht, aber ehrlich gesagt verstehe ich diese Aussage nicht ganz:

    Wo heute noch steht „Nazis sind es nicht“, kann morgen schon stehen „Behinderte sind es nicht“, übermorgen „Juden sind es nicht“ oder – wie eben bei der angekündigten Nazi-Aktion – „Ausländer sind es nicht“.

    Man kann nicht beeinflussen, ob man in einer jüdischen Familie geboren wird oder woanders. Und ob man behindert zur Welt kommt oder nicht, kann man sich weder aussuchen noch wirklich ändern. Aber man kann sich überlegen, ob man ein Arschloch sein will oder nicht.
    Wenn jemand aus der Antifa ein Shirt trägt, auf dem „Nazis raus“ steht, aber gegen Abschiebung und die Verfolgung von Menschen(-gruppen) wegen ihrer Überzeugung ist, wäre das ja eigentlich sarkastisch und… dumm ^^ Aber „Nazis raus“ ist vielleicht eher sowas wie die Kurzform von „Nazionalsozialistisches Denken raus“. Man sagt ja auch: „Nazis raus aus den Köpfen“. Und wenn sich jemand trotz Geschichtsunterricht und sinnvollen Gegenargumenten entschieden hat, ein Arschloch zu sein, dann ist er oder sie selber schuld.
    Und jetzt soll mir bitte keiner ankommen mit: „Aber die armen armen Nazis sind milieu-geschädigt“ oder „Sie hatten eine schlimme Kindheit“. :D

  5. 5 hase 19. August 2010 um 19:26 Uhr

    @Rainer: Häh?

    Zugegeben: der Spruch auf den gelben Plakaten ist nicht doll. Typisch Kommunalpolitik halt. Da denken sich ein paar Köpfe was „pfiffiges“ aus. Aber die Aussage ist klar und das reicht. Wer das gelbe Plakat raushängt sagt damit dass er/sie gegen Nazis ist, basta.
    Was die Austauschbarkeit betrifft: austauschen kann man vieles Hier steht aber Nazis und nichts anderes. Damit ist die Sache klar. Oder sollen die Nazis hier etwa zu unterdrückten Minderheit erklärt werden?

  6. 6 BlackDuck 19. August 2010 um 21:12 Uhr

    Es ist ja nicht so als würden die Aachener Bürger und Bürgerinnen gezwungen das Plakat herauszuhängen oder zu der Demonstration zu gehen. Es ist immernoch jedem einzelnen überlassen was er tut, eben das ist ja das schöne hier ;) Ich bin froh, dass die Kommunalpolitiker etwas unternehmen, ob dies nun in der Form ist ein Plakat drucken zu lassen oder ob sie selber zur Demo gehen.

  7. 7 Merken 19. August 2010 um 22:26 Uhr

    Die meisten hier übersehen etwas wichtiges: Wir hier setzten uns mit dem Thema seit geraumer Zeit auseinander und kennen uns mehr oder weniger mit den Hintergründen aus.
    Der Großteil der Bürger dieses Landes bekommt bei dem rechten Dumpfgelaber genauso das Kotzen wie wir. Allerdings mit dem Unterschied, dass sie überhaupt keine Lust haben, sich in Ihrer freien Zeit mit Extremisten zu beschäftigen.
    Wie bekommt man also diese Menschen auf die Strasse? Mit ausführlichen tiefgründig-rethorisch-politisch-korrekten Texten oder mit einem einfachen Spruch?

    die antwort liefert das rtl2-tv… mik

  8. 8 Reiner Hohn 20. August 2010 um 0:24 Uhr

    Hi Hase !
    Nazis brauchen nicht zur Minderheit erklärt zu werden, weil sie schon ewig eine Minderheit sind und auch bleiben.
    @RAINER spielte meiner Meinung nach auf diese Thematik an:
    ein Häuflein Verstrahlter drückt in Aachen am 25.09.2010 auf einen Knopf und eine große Masse nicht minder Verstrahlter legt daraufhin die Stadt einen Tag lang lahm.
    Man hat als engagierter Bürger wieder einmal die Auswahl, ob man sich an dem Tag […] Querulantentruppe anschließt, Woelks DEUTSCHEN-GUTMENSCHEN-BUND (DGB) unterstützt oder unserer geschätzten grünen Bürgermeisterin hinterherläuft.

    Aber ein NPD-Umzug wäre in Aachen ohne die linksliberalen Gutmenschenmassen nur ein ärgerliches Verkehrshindernis.

    Und daß die NPD niemals in den Bundestag kommt, liegt nicht an Aachens Linksextremen, dem DGB oder den Grünen, sondern an der 5%-Hürde im Grundgesetz. Auf die ist Verlaß.

  9. 9 hase 20. August 2010 um 12:06 Uhr

    @Rainer Hohn:
    das wichtige Wort im Satz war „unteredrückt“, nicht „Minderheit“.
    Egal. Sache ist: in Dresden hat sich sehr wohl gezeigt, dass die von dir so höhnisch behandelte Masse an „Gutmenschen“ sehr wohl bedeutenden Einfluß haben kann. Es ist auch mit Sicherheit so, dass massive Gegenveranstaltungen die Menge von Neonazis und ihren Mitläufern, die sich in die öffentlichkeit trauen, begrenzt hält, und ihnen ganz deutlich zeigt, dass sie eben nicht das sind, als was sie sich gerne sehen würden, nämlich das Fanal einer unterdrückten Masse.

  10. 10 don giuseppe 20. August 2010 um 12:46 Uhr

    Gut, lassen wir mal diese Extremismustheorie außen vor…die ist ja eh nur was für verblödete Rostocker Jusos oder spinnerte Professoren.
    Das Problem der Schilder ist, sie sind es wohl! Natürlich sind die Nazis „Aachen“, sie sind ein Teil der STadt. Ebenso wie sie es in Heinsberg, Köln, Hamburg oder Pirna sind. Und sie sagen eine Menge über die Stadt und den Umgang mit ihnen aus. Genauso wie das blöde Geblöke von „Nazis raus!“, steckt hinter dem Schild ein massiver Denkfehler, nämlich die WUrzeln des Übels in der – oh Schreck! – Mitte der Gesellschaft zu suchen. Da wo der Stammtisch steht, sich die Querulanten zum Leserbrief schreiben treffen oder eben wo Jutta Jedermann einkaufen geht.
    Das alles wird über die hübsche Parole ausgeblendet, ist ja auch einfacher so, muss man sich nciht fragen, was für ein Nährboden in Aachen wohl existiert, dass sich solch eine Braunszene bilden konnte. Bundesweit gilt natürlich dasselbe.
    Deswegen erstmal Theorie, dann Aktion!

  11. 11 Frederik 20. August 2010 um 14:51 Uhr

    Es ist nur ein Plakat mit einem Spruch der sich gegen Faschisten stellt. Ob dies der beste Spruch ist sei mal jedem selbst überlassen.
    Aber das er „austauschbar“ ist wegen so einem beschissenen „wir“ … manmanman.
    Kann das nicht nachvollziehen.

  12. 12 Merken 20. August 2010 um 17:33 Uhr

    Vorsicht: Hier hat sich eine Minderheit gebildet…

  13. 13 don giuseppe 20. August 2010 um 19:27 Uhr

    genau, hauptsache „alle“ sind dabei. inhalte? brauch kein mensch! hauptsache die symbolik stimmt [zynismus] schließlich haben die lichterketten nach rostock, solingen und mölln ja auch zu einer anderen republik geführt [/zynismus]

  14. 14 Pit 21. August 2010 um 0:21 Uhr

    Das Problem ist, daß die maßgeblichen Institutionen ein büschen zu lang –
    Gründe darf man sich ausmalen – gepennt haben. Jetzt geht ihnen
    die nervige Nazischeisse plötzlich auf den Sack. Warum? Unsere
    Stadt verträgt solch einen Ruf nicht! Diese elend gewachsene
    bigotte, katholische Scheisse Aachen ist vor allem für eins
    opportun. Für´s Autoritäre. Das noch: der Bericht im BR über diese
    Nachwuchsbarbaren (so lächerlich, wie leider gefährlich) steht da,
    und das konnte jeder sehen, der sehen wollte, wo er hingehört:
    bei ihnen.

  15. 15 Klar, Mann? 21. August 2010 um 11:19 Uhr
  16. 16 hase 21. August 2010 um 15:33 Uhr

    @Pit
    Das ist durchaus ein neuer Aspekt, dem ich spontan zustimmen würde. Die Stadt hat, indem sie jedes öffentliche Leben, wie es in den 90ern in der Innenstadt stattfand, zurückgedrängt hat, ein optimales Biotop für Rechtsradikale geschaffen. Das einst pulsierende Stadtzentrum in ein Kommerz- und Gastronomiewüste zu verwandeln war ein folgenschwerer Akt. Jetzt haben wir den Salat. Eine Stadt dessen Zentrum eine lockere und angenehme Begegnungsstätte für ihre Bürger darstellt, läuft meiner Meinung nach wenig Gefahr, sowas zu erleben.

  17. 17 pit 01. September 2010 um 2:27 Uhr

    @ hase
    Ja, es sind die Biotope.

    Viele Grüße.

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