Geschichte: Nurganzkurz neue Anschrift für Menschen in der Agnes-Miegel-Straße

Erftstadt. Symbolisch haben Jugendliche der Antifa Erftstadt kürzlich die Agnes-Miegel-Straße im Ortsteil Friesheim umbenannt. Mit einem selbst gebastelten Namensschild überklebten sie das Straßenschild und benannten sie in die Salomon-Franken-Straße um. Agnes Miegel war eine Schriftstellerin im Nationalsozialismus, Salomon Franken ein Opfer des Holocaust. Unterdessen haben Stadtverwaltung und Lokalpolitik angeregt zu prüfen, ob die Straße tatsächlich umbenannt werden soll.

Neben der Aktion richtete die Antifa Erftstadt einen Offenen Brief an den Stadtrat und verteilte bei der nächtlichen Aktion Flugblätter an die Anwohner. Agnes Miegel sei überzeugtes Mitglied der NSDAP und der NS-Frauenschaft gewesen und durch die Hitlerjugend geehrt worden. Adolf Hitler habe sie drei Gedichte gewidmet, Meyers Lexikon bescheinige ihr ab 1933 eine „Tendenz zur Blut- und Bodenromantik“. Die Alliierten hätten die Schreiberin nach Ende der NS-Diktatur mit einem Berufsverbot belegt. In der Bundesrepublik habe sie jedoch „ungebrochen ihre Karriere fortsetzen“ können und sei für rechte Publikationen tätig gewesen, so die Antifa.

„Es kann nicht sein, dass einerseits Straßen in Erftstadt nach WiderstandskämpferInnen im Dritten Reich benannt werden und gleichzeitig eine bekennende Nationalsozialistin und Verehrerin Adolf Hitlers als Namensgeberin fungiert“, erklärte demnach die 20-jährige Luca Plette von der Antifa. Angeregt werden daher eine Straßenumbenennung. Salomon Franken etwa sei ein Jude aus Friesheim gewesen und 1945 höchstwahrscheinlich im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden. „Salomon Franken steht hier symbolisch für die vielen namenlosen – auch Erftstädter – Opfer, die von der deutschen Gesellschaft stigmatisiert, entrechtet, ausgeschlossen und letztlich ermordet wurden. Wir denken, dass diesen Opfern gedacht, ihre persönlichen Leiden und Lebensgeschichten im Gedächtnis behalten werden sollten,“ so Antifa-Aktivist Marcel Schrink.

In mehreren Städten sollen bereits nach Miegel benannte Schulen und Straßen umbenannt worden sein, etwa in Bielefeld, Erlangen, Wilhelmshaven, Neuenkirchen, Willich und Düsseldorf. Wegen der Antifa-Aktion wolle die Stadtverwaltung von Erftstadt keine strafrechtlichen Schritte einleiten, hieß es Medienberichten zufolge zudem. Die Aktion sei zwar illegal, es sei aber kein großer Schaden entstanden, hieß es weiter. Überdies wolle die Stadt Miegels Vergangenheit prüfen und möglicherweise den Straßennamen tatsächlich in Abstimmung mit den Anwohnern ändern.

Auch Ratsherr Christian Kirchharz (CDU) hat kurz nach der Antifa-Aktion einen Antrag an die Verwaltung gerichtet. Man müsse „den Sachverhalt dezidiert unter Einbeziehung von Fachleuten klären“, fordert der CDU-Lokalpolitiker. Überdies seien die Anwohner in einer Versammlung anzuhören. Zudem solle die Verwaltung prüfen, „ob es weitere Straßen im Stadtgebiet gibt, die ggf. ähnlich problematische Namen haben.“ [© Klarmann]


3 Antworten auf “Geschichte: Nurganzkurz neue Anschrift für Menschen in der Agnes-Miegel-Straße”


  1. 1 Luca Plette 27. August 2010 um 20:20 Uhr

    Einen stets aktualisierten Pressespiegel gibt es hier. Eine Umfrage ob und wenn ja wie die Straße umbenannt werden soll findet sich rechts auf der Startseite.

  2. 2 Braver Bürger! 28. August 2010 um 0:57 Uhr

    Jo.So lange war das Schild schon da und nun umbenennen?!Das ist nur Wichtigtuerei mehr nicht.Alles andere wäre schon längst viel früher passiert.

    yow. so lange gibt es die demokratie in deutschland nun, und sie und ihre „kameraden“ wollen sie stürzen?! das ist nur wichtigtuerei, mehr nicht. alles andere wäre schon längst früher passiert… mik

    ps. auch satzbau-technisch ist ihr kommentar schwer verständliches zeug…

  3. 3 Braver Bürger! 28. August 2010 um 13:30 Uhr

    Ja.Satzbaumässig.Aber man versteht es doch noch.Schreibt man mal was auf die schnelle ist man gleich ein Rechtschreibkrüppel oder wie?Hatte damals auf der Realschule in Deutsch immer mindestens ein“befriedigend“.Der Kampf zwischen „rechts“ und “ links“ ist doch in meinen Augen sowieso ein längst verlorener Kampf für beide Seiten.

    und sonst…

    mik

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