Aachen. Vom 6. September bis zum 8.Oktober gastiert in der VHS die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg – ein vergessenes Kapitel der Geschichte“: Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre „weißen Kameraden“ zufrieden geben.
Weite Teile der Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Auch das NS-Regime bezog kriegswichtiges Material aus den französischen Kolonien in Afrika und Indochina, die unter der Kontrolle der Kollaborationsregierung in Vichy standen. Die Nazis wollten nach der Unterwerfung Osteuropas zudem ein Kolonialreich in Zentralafrika erobern und über Nordafrika in den Nahen Osten vorstoßen. Auch Hunderttausende Juden in dieser Region mussten deshalb um ihr Leben fürchten. In der Dritten Welt gab es allerdings nicht nur Opfer, sondern auch Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte, die im Krieg an deren Seite kämpften von Nordafrika und Palästina über den Irak und Indien bis nach Thailand und Indonesien.
Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie bislang kaum vor. Die Ausstellung, die das Rheinische JournalistInnenbüro in Köln und der Verein Recherche International e.V. auf der Basis langjähriger Recherchen konzipiert haben, erinnert an diese vergessene Geschichte und wurde im Herbst 2009 in Berlin erstmalig gezeigt. Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei. Gruppen melden sich bitte für eine Begleitung durch die Ausstellung über folgende Emailadresse an: vhs.wege@mail.aachen.de. Workshops für Gruppen (Schule, Jugendeinrichtung, OT, usw.) zum Thema der Ausstellung können zusätzlich vereinbart werden.
Zudem findet ein Vortrag von Karl Rössel zum Thema „Die Kolonialpläne der Nationalsozialisten“ zur Eröffnung statt: In der Folge des 1. Weltkrieges hatte Deutschland seine Kolonien verloren. Aber schon bald wurde die Forderung nach „eigenen“ Kolonien zum Bestandteil politischer Diskussionen in Deutschland. Nach der Machtübernahme der Nazis wurden Pläne für ein neues Kolonialreich geschmiedet. Kolonialromane und -filme begeisterten die Massen. Hitler verfolgte mit der Forderung nach einem „Deutschen“ Kolonialreich zwei Ziele. Einerseits sollte sie ein Druckmittel für Verhandlungen mit Großbritannien um die Aufteilung der Welt sein. Andererseits war es für die Kriegführung von strategischer Bedeutung, sich Rohstoffquellen zu bemächtigen. Montag, 6. September, 19 Uhr, VHS, Peterstraße 21 – 25, Forum. Keine Teilnahmegebühren. [Textquellen: redigierte VHS-Info]
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