ÜberRechts: Ewig Gestrige nutzen höchst effizient das Web

Aachen. Rechtsradikale werden oft als „ewig Gestrige“ tituliert – doch das moderne Internet nutzen sie höchst effizient für ihre Propaganda. Die gemeinsame Stelle der Bundesländer für den Jugendschutz, jugendschutz.net, wies kürzlich erst auf diese Gefahren hin. Bücher und wissenschaftliche Arbeiten zum Thema sind bisher noch selten. Der Sammelband „Rechtsradikalismus im Internet“ bietet hier Abhilfe.

Das Buch, herausgegeben von dem Politologen Christoph Busch (Universität Siegen), enthält verschiedene Arbeiten von Wissenschaftlern, Fachautoren und Studierenden. Die Beiträge thematisieren die Nutzung des Webs durch Rechte in vielen Facetten, bewerten das weite Feld im Rahmen der Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Sozialforschung.

Einerseits verbreiten auch deutsche Neonazis offen Hassparolen via Web – da sie jedoch dazu auch Server im Ausland nutzen, ist eine Strafverfolgung problematisch. Zudem nutzen Neonazis das Web für den Handel mit Hassmusik, eigenen Modemarken, rechter Literatur und NS-Devotionalien. Über Homepages und Blogs verbreiten Neonazi-Gruppen und Parteien Propaganda, die Bandbreite reicht dabei von mit Hakenkreuzen ausstaffierten Homepages bis hin zu unverdächtig wirkenden Infoportalen.

Rechtsradikale verfügen auch über eigene Singlebörsen, Diskussionsforen und Soziale Netzwerke. Zugleich tummeln sie sich bei Facebook, You Tube, SchülerVZ und StudiVZ. Teilweise treten sie dabei erkennbar und radikal auf, andererseits verbreiten sie unter dem Deckmantel des unverdächtig wirkenden Users in Kommentarspalten von Onlinemedien ihre Ansichten im weich gespülten Duktus.

Die wissenschaftliche Herangehensweise mag bei einigen Beiträgen im Buch für Laien nicht immer lesefreundlich sein. Insgesamt aber bietet „Rechtsradikalismus im Internet“ Interessierten und Fachleuten wichtige Informationen – besonders in jenen Beiträgen, die analysieren, wie Rechtsradikale das Web äußerst professionell nutzen und sich im Gewand von Bürgerrechtlern präsentieren, obschon hinter der Fassade der Nationalsozialismus durchschimmert. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]

Christoph Busch (Hrsg.), Rechtsradikalismus im Internet, Siegen 2010 (Universitätsverlag Siegen), 388 S., Euro 14,95