Aachen. Die Polizei ist am Dienstag bundesweit gegen die neonazistische „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“ (HNG) vorgegangen. Dabei wurden Vereinsräume durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Nachdem es am 1. September in der Region schon zu einer Razzia gegen Neonazis gekommen war, folgten am Samstag erneut Polizeiaktionen im Raum Aachen.
Die Polizei hinderte dabei auch Rechtsextremisten aus den Kreisen Aachen, Düren und Heinsberg daran, zu einem Aufmarsch in Dortmund zu reisen. Frank Scheulen, Pressesprecher des Landeskriminalamtes (LKA), bestätigte den „Nachrichten“, dass Einsätze in der „Gesamtregion Aachen“ im Rahmen „Gefahren abwehrender Maßnahmen“ stattfanden. „Angesprochenen Personen“ hätten „von einer Weiterreise nach Dortmund Abstand genommen“. Mehr wollte Scheulen aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen.
Nach Recherchen der „Nachrichten“ richtete sich die Aktion gegen Vertreter der eng mit der NPD verwobenen Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), Personen aus deren Umfeld und den Neonazi Axel Reitz. Der Pulheimer ist Anmelder eines braunen Hetzmarsches gegen einen Moschee-Neubau in Aachen am 25. September.
Offenbar gingen die Ermittler davon aus, dass Teile der gestoppten Neonazis Kontakt zu dem am 1. September festgenommenen 19-Jährigen aus Aachen hatten. Ihm wird die Vorbereitung von Sprengstoffanschlägen vorgeworfen. Der Neonazi stand im Verdacht, in Dortmund Sprengsätze deponiert zu haben. Die Beamten vermuteten offenbar, dass die am Samstag gestoppten Neonazis hätten wissen können, wo jene Sprengsätze gelagert sein könnten. Somit hätten sie die möglicherweise durch ihren derzeit inhaftierten „Kameraden“ geplanten Taten fortführen können.
Die Polizei in Dortmund hatte am Samstag Sprengstoffspürhunde eingesetzt und die ursprünglich vorgesehene Wegstrecke des Aufmarsches abgesucht. Dabei wurden Rauchtöpfe, Chinaböller und Chemikalien sichergestellt. Auf Anfrage der „Nachrichten“ sagte ein Polizeisprecher, dass eine Zuordnung der Gegenstände, die sowohl Neonazis als auch Gegendemonstranten abgelegt haben können, bisher nicht möglich sei. Die Ermittlungen dauern an.
Das Bundesinnenministerium prüft nach der Razzia gegen die HNG seit Dienstag deren Verbot. Die HNG wurde 1979 gegründet. Regionale Schwerpunkte der Razzia waren die Länder Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Erklärtes Ziel der HNG ist die Betreuung und Unterstützung „nationaler Gefangener“ zwecks Verfestigung ihrer rechtsextremen Gesinnung. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]
Siehe dazu auch: Neonazi-Aufmarsch: Eine Chance für ein Verbot?
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