Frieden[?]: Der Friedenspreis, der Ahmadinedschad, die servilen Lemminge

Aachen. Für Verwunderung sorgte heute im Hause „Klarmanns Welt“ die Dokumentation einer Rede, die der iranische Präsident Ahmadinedschad vor einigen Tagen vor dem Weltsicherheitsrat gehalten hat, durch den Verein Aachener Friedenspreis. Abgesehen von Ahmadinedschads politischer Überzeugung(en), dem Vorwurf, dass er die iranische Opposition brutal unterdrücken soll und dem sonstigen „Wirken“ ist der umstrittene Präsident auch der Staatschef, der vor Jahren eine „Holocaust-Konferenz“ organisiert hatte, die aufgrund der Teilnehmer – darunter deutsche Neonazis, Judenhasser und Verschwörungstheoretiker – korrekt „Holocaust-Leugner-Konferenz“ genannt werden muss.

Auf Anfrage teilte der Friedenspreis mit, man habe „die Rede unkommentiert“ auf der Homepage veröffentlicht, „damit die Berichterstattung“ der Medien „kritischer gelesen werden“ kann oder soll. Der Verein teilte ferner mit, man werde innerhalb des Vorstands diskutieren, inwiefern eine Dokumentation einer solchen Rede geschehen kann. „Eine Kommentierung seitens des Friedenspreises ist nicht in allen Fällen nötig, weil sich Menschen ihr eigenes (politisches) Weltbild machen sollten,“ so der Friedenspreis weiter. Entnommen wurde die derzeit auf der Friedenspreis-Homepage abrufbare Version der „Luftpost“, einer innerhalb der Friedensbewegung anzutreffenden Publikation.

Die „Luftpost“ respektive deren Herausgeber kommentieren die Rede und die Medienreaktionen sehr wohl. Zu lesen ist in der durch den Friedenspreis zugänglich gemachten Fassung daher, dass Ahmadinedschads Rede „nicht auf die diffamierenden Bruchstücke zu reduzieren ist, die über die Mainstream-Medien verbreitet wurden.“ Inhalte der Rede würden „sich wohltuend von dem servilen Verhalten der Vertreter westlicher Staaten ab[heben], die wie Lemminge hinterher getrottet sind, als die Vertreter der USA, verärgert über der klaren Worte Ahmadinedschads, die UN-Generalversammlung verließen.“ Derlei kommt didaktisch teilweise auch jenen Veröffentlichungen nahe, die man gemeinhin aus verschwörungstheoretischen, rechtsextremen und neonazistischen Kreisen gewohnt ist [2].

Der Friedenspreis selbst wurde vor über 20 Jahren als Verein gegründet, um Frauen, Männer oder Gruppen zu würdigen, die von „unten her“ dazu beitragen, der Verständigung der Völker und der Menschen untereinander zu dienen sowie Feindbilder ab- und Vertrauen aufzubauen. Der Verein engagiert sich zudem seit Jahren in Initiativen, die gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie Judenhass kämpfen. [© Klarmann]

[1] Siehe SpOn SpOn
[2] Mein Freund ist Islamist – nur Moscheen mag ich nicht…


8 Antworten auf “Frieden[?]: Der Friedenspreis, der Ahmadinedschad, die servilen Lemminge”


  1. 1 Schnuppe 04. Oktober 2010 um 16:26 Uhr

    Gegen jeden Antisemitismus!

    Dieser ist nun mal leider tief in der Gesellschaft verankert, auch in der politischen linken.

    Ich hatte mir bzgl. des Aachener Friedenspreis schon mal den Hinweis erlaubt, dass dessen Engagement gegen Neofaschismus zutiefst unglaubwürdig ist.

    Wer Texte von Helmut Creutz zum Download im Angebot hat, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, unter dem Deckmäntelchen der Kapitalismuskritik, Versatzstücke neofaschistischer Ideologie im Angebot zu haben.

    Den Gefallen die Maske abzusetzen, und die Herren Mahmud Ahmadinedschad und Axel Reitz zu ihren nächsten Preisträgern zu machen, werden sie mir leider nicht tun.

    Immerhin jetzt gibt es für ein paar Stunden Texte.

    Später dann ein paar Krokodilstränen, das ganze sei nicht abgesprochen und so. Vielleicht ein Rücktritt, ein „tragisches“ Bauernopfer.

    Gewiss erfolgt keine inhaltliche Aufarbeitung, mit dem tief in der „Friedensbewegung“ verankerten Antisemitismus.

    Bleibt zu wünschen das die Deppen von der KAL eine Solidaritätsdemonstration mit dem „Öcher Friedenspreis“ anmelden, wegen Meinungsfreiheit und so, zuzutrauen ist es ihnen.

  2. 2 qwertz 04. Oktober 2010 um 17:15 Uhr

    „[…]Verständigung der Völker[…]“
    Es gibt keine Völker, Klarmann Du Nazi! ;)

  3. 3 Jakob Spatz 04. Oktober 2010 um 20:57 Uhr

    Ich hab mich mal bei in der Friedensbewegung aktiven Menschen erkundigt: Solche Mißgriffe passieren bundesweit in der Tat immer wieder, meist losgetreten von kleinen pressure groups bestehend aus Leuten, die meinen, seit ihrer Staatsexamensarbeit im Jahre 1975 von der Pflicht zum Lernen entbunden zu sein. Ob sie für die Mehrheit der Friedensbewegung sprechen sei jetzt einmal dahin gestellt. Sie haben aber meist mehr Zeit und können z.B. Mailinglisten endlos mit aggressiv gehaltenen Diskussionsbeiträgen zuspammen. Bis diejenigen, welche weniger Zeit haben, z.B. weil sie Arbeiten oder in einer sich wandelnden Welt lernen für das überlegene Konzept halten, dann entnervt aufgeben.
    Den Funktionseliten der Friedensbewegung sind solche Gruppen zumeist peinlich. Schon allein weil sie selten Interesse an, sagen wir, den völkerrechtlichtlichen Details von Non-Proliferation haben sondern immer schön auf die Kacke hauen.

    Zusammengefasst: Ja, da ist ein Problem aber bitte nicht Ungerecht werden. Und wohl auch nicht auf Besserung hoffen.

  4. 4 Schnuppe 05. Oktober 2010 um 1:15 Uhr

    Peinliche Mißgriffe, oder tief verankerter Antisemitismus?

    Der „Öcher Friedenspreis“, hat reagiert und seine Webpräsenz geändert. Der Text befindet sich nicht länger auf der Startseite. Er findet sich jetzt im neu geschaffenen Bereich Dokumentation.

    Vom entnervten aufgeben kann da doch bite keine Rede sein, offensichtlich ist Mensch sich bewusst was verkehrt gemacht zu haben? Nur was?

    Richtig er hätte sich ob des Tabubruch „Reden von Holocaustleugnern“ abzudrucken,“distanzieren“ müssen, deswegen jetzt die neue Spalte, jetzt verbreitet mensch sozusagen „unterdrückte Nachrichten“, eine Erklärung findet sich nicht.

    Ich finde die Angelegenheit ist viel mehr als ein peinlicher Missgriff!

    Schon in der Vergangenheit musste der Verein sich rechtfertigen.

    Am 24.2.2010 titelte die Aachener Nachrichten, „Friedenspreis entäuscht: Ermittlungen gegen Preisträger 1998″, im weiteren Verlauf wird über ein Ermittlungsverfahren gegen den Preisträger Walter Herrmann wegen Volksverhetzung informiert. Der Friedenspreis distanziert sich von seinem Preisträger. Unter anderem heisst es im Verlauf des Artikels: die Friedensbewegung müsse sich „klar und deutlich abgrenzen, um sich die Kritikfähigkeit an der israelischen Politik zu erhalten“, und zusamenfassend, Mensch wolle keine Debatte über Antisemitismus sondern über „Israelische Kriegsverbrechen“.

    Meiner Meinung nach hat sich der Verein für alle ernstzunehmenden FriedensaktivistInnen und AntifaschistInnen durch seine Handlungen disqualifiziert.

    nun ja, die alten grabenkriege der friedensbewegung und jene innerhalb des vereins waren hier wohl auch beim „Schnuppe“ ein teil der motivation und demselben eben nicht das, was er nicknämlich vorzugaukelen scheinet… mik

  5. 5 Franky 05. Oktober 2010 um 19:11 Uhr

    Also, wenn Ahmadinedschad auch in dieser Rede antisemitische Äußerungen getätigt hat, und damit meine ich Äußerungen gegen das Juden / das israelische Volk allgemein, nicht gegen die israelische Regierung, dann ist die Rede natürlich zumindest teilweise vollkommen fehl am Platze auf der Homepage des Aachener Friedenspreises.
    Aber solange das ein Mann ist, der vor der UNO sprechen darf, wäre doch das Nicht-Zur-Verfügung-Stellen seiner Rede schlicht und einfach Zensur.
    Und wenn die sogenannten „Massenmedien“ eben nur drei Sätze aus jeder Rede zitieren, dann kann man damit nunmal nichts anfangen.

  6. 6 Schnuppe 05. Oktober 2010 um 19:31 Uhr

    Antisemitismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!

  7. 7 anti3anti 05. Oktober 2010 um 20:41 Uhr

    […]

    offenbar mangelt es ihnen weniger an sendungsbewusstsein, sondern vielmehr an geduld, wenn sie in wenigen minuten 8 bis 9 mehr oder minder unsinnige kommentare posten und sich zugleich in einem davon darüber beschweren, dass ich nicht schnell genug die „kommentare“ freischalte/moderiere. ich denke, da denken sie nun ein- bis hundertemale darüber nach, etwa so lange, bis sie erstmals das gefühl haben, dass ich nicht die löschtaste gedrückt habe… inhaltlich habe ich mich mit ihren „anmerkungen“ nicht beschäftigt, aber sie werden schon wissen, wie man zensur ruft… mik

  8. 8 Jakob Spatz 05. Oktober 2010 um 20:48 Uhr

    Nene, die Frage, was so´n Holocaustleugner beim Friedenspreis macht ist schon richtig gestellt.

    Es ist nur eben so, dass sich solche Charaktere, wie sie auf politically incorrect in Reinform zu besichtigen sind überall finden lassen. Eben auch, in deutlich geringerer Anzahl, bei der Friedensbewegung.

    Es gehört zu den Funktionsprinzipien der UN, dass dort Sitz und Stimme hat, wer auf einem Stück Erdoberfläche ein Gewaltmonopol behauptet oder nach mehr oder weniger einhelliger Meinung der UN behaupten sollte. Eine Aussage über die moralischen Qualitäten der vertretenen Regierungen ist damit nicht verbunden. So vertraten etwa die Roten Khmer auch nach der vietnamesischen Intervention Kambodscha in der UN.

    Und die Reden, die der Typ an der Tankstelle, wo ich abend mein Bier kaufe so schwingt finden sich auch nicht auf der Seite von irgendwelchen Peaceniks. Ist das auch Zensur? Gibt es ein Recht auf die Veröffentlichung von Reden durch Friedenspreise?

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