Rechts: Brauner Ego-Shooter macht im Kreistag Düren blau

Düren. Sehr viel vorgenommen hatte sich der vor rund einem Jahr für die NPD in den Dürener Kreistag gewählte Parteikader auf Abruf, Ingo Haller. Schon nach den ersten Sitzungen im Kreistag erschien auf der Homepage des NPD-Kreisverbandes ein Hallerscher Brief an die Leser und Wähler, in dem der Enddreißiger mitzuteilen gedachte, er „werde bemüht sein, […] den Interessen des Volkes auch im Parlament des Kreises Düren Gehör und Geltung zu verschaffen!“ Aus Kreisen der Lokalpolitik erfuhr „Klarmanns Welt“ nun, dass Haller in den „letzten Monate nicht mehr im Kreistag“ bei Sitzungen gesehen worden ist. Während mancher Lokalpolitiker gar vermutet, Haller sei im Jahre 2010 nicht mehr im Kreistag bei einer Sitzung anwesend gewesen, meldete die Antifa-Zeitung „Lotta“ kürzlich, der Rechtsextremist habe „seit März dieses Jahres an keiner Sitzung mehr teilgenommen.“

Dabei hatte die NPD sich seinerzeit viel vorgenommen, auch wenn „Klarmanns Welt“ schon nach der Vereidigung Hallers im Kreistag im November 2009 mutmaßte, dass der Parlamentarismus einem bisherigen politischen und aktionistischen Straßenkämpfer fremd bleiben wird: „Bei der gemeinsamen Vereidigung aller Kreistagsabgeordneten wirkte Haller kurz darauf zuweilen […] gelangweilt. Oder war es eine Geste von Arroganz gegenüber Behörden und deren Organe? Auch wenn die NPD sich demokratisch nennt – der Hardliner, dessen Kreisverband in Rundmails auch einmal kumpelhaft vom „Adolf“ zu schreiben gedachte, mag stolz darauf sein, prestigeträchtig für seine Partei ein Kommunalparlament geentert zu haben. Ob er sich dereinst jedoch als Parlamentarier verstehen oder die parlamentarische Bühne nur als Provokationsfläche nutzen wird, so wie einst mal der Adolf, dass wird die Zeit zeigen…“ [1]

Hallers provokatives Wirken blieb dabei überwiegend auf schriftliche Eingaben und den Versuchen, die Kommunalwahl anzufechten, weil man die NPD um Stimmen „beschissen“ haben soll, beschränkt. So zogen die NPD und Haller einen Einspruch gegen die Kommunalwahl zurück, obschon man zeitweise glaubte, „die Gutmenschen-Mafia“ dürfe man „mit solchen Methoden der Wahl-Manipulation und Fälschung des Stimmergebnisses nicht durchkommen lassen“. Beweise für solche Vorwürfe blieb die NPD damals schuldig, angeblich, weil man Quellen schützen wollte [2]. Haller selbst schrieb als Mitglied des Kreistages Anfang 2010 eine Reihe von unter anderem provokativ-fremdenfeindlichen „Anfragen“. Dabei herrschte in manchen der Schreiben gegenüber Kreisverwaltung und Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) ein Tonfall, als fühle sich der Einzelkämpfer Haller dazu berufen, wie ein Regent Verwaltung und Landrat anzugehen [3].

Acht von zwölf Monaten, in denen Haller dem Kreistag angehört, soll er laut „Lotta“ nicht mehr an Sitzung teilgenommen haben – obschon er im November 2009 noch klagte, die Verwaltung halte ihm ein Büro vor und hindere ihn an seiner Arbeit [4]. Unterdessen läuft gegen Haller ein Parteiausschlussverfahren [5]. Der Riss, der wegen des Streites durch die Partei und die Neonazi-Szene geht, scheint dabei enorm zu sein [6]. Einerseits sollen radikale oder als militant eingestufte Neonazi-Gruppen wie die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) und die „Freien Nationalisten Euskirchen“ (FNE) sowie die eng mit der KAL verwobenen „Freien Nationalisten aus Heinsberg“ und der NPD-Kreisverband Siegen-Wittgenstein zum „Kameraden“ Haller stehen. Andererseits mehren sich seit längerem auch Szenestimmen, die Haller als extrem eigen- und machtsüchtig einstufen.

Hallers zeitweise starker Aktionismus für die NPD sei ihm oft genug auch ein Mittel gewesen, sich als „Egoist“ und „Selbstdarsteller“ auszuleben, hieß es unlängst aus Szenekreisen gegenüber „Klarmanns Welt“. Der Enddreißiger sei „geltungssüchtig“, vermittele demgegenüber jedoch Leuten in seinem Umfeld immer, dass er selbst bescheiden sei und nur für „eine größere Sache“, nämlich die „Nationale Bewegung“ und die „Volksgemeinschaft“ einstehe. Seine „Geltungssucht“ habe ebenso dazu beigetragen, dass er als einflussreichster Kopf der regionalen rechten Szene zwischen Aachen, Euskirchen und dem Erftkreis „Leute um sich scharren kann, die Respekt vor ihm haben sollen.“ Sollten diese Vorwürfe stimmen, dann könnte vielleicht auch derlei ein Grund für Hallers im Kreistag verwaister Platz sein… [© Klarmann]

[1] Mit gebotener Langeweile und Arroganz von der Straße in den Kreistag
[2] NPD zieht Einspruch gegen Kommunalwahl zurück – bleibt aber beim Vorwurf des Wahlbetruges
[3] NPD verteilt in Düren Flyer und Anfragen aus der Nervensägerei
[4] NPD-Reichsbürger wollen Demokraten-Kohle abstauben
[5] Ab 22 Uhr wird zurückgewettert – Dürener NPD bald kopflos?
[6] Haller und alte Kameraden wollen weiter gegen alte Kameraden kämpfen


1 Antwort auf “Rechts: Brauner Ego-Shooter macht im Kreistag Düren blau”


  1. 1 EL 31. Oktober 2010 um 16:53 Uhr

    Willkommen im Satireklub NPD Düren

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