Gedenken/Links: Linke sorgen für Eklat bei VdK-Gedenkfeier in Aachen

Aachen. Zu einem Eklat ist es bei der Gedenkfeier des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge (VdK), der Städteregion und der Stadt Aachen auf dem Waldfriedhof gekommen. Rund 25 Demonstranten aus dem linken Lager hatten gegen das Gedenken anlässlich des Volkstrauertages protestiert. Weil ein Linksextremist mit dem Transparent „Soldaten sind Mörder“ auf dem Sockel des Hochkreuzes stand und Parolen skandierte, konnten die rund 70 Behördenvertreter, Bundeswehr-Soldaten und Bürger ihre Kränze nicht am Hochkreuz niederlegen. WEITER


17 Antworten auf “Gedenken/Links: Linke sorgen für Eklat bei VdK-Gedenkfeier in Aachen”


  1. 1 Klar, Mann? 14. November 2010 um 18:29 Uhr

    Zu der voran gegangenen Gedenkfeier in der Aula Carolina siehe Lokalpresse (blau):

    http://www.az-web.de/lokales/aachen-detail-az/1461778

  2. 2 Rainer 14. November 2010 um 19:48 Uhr

    Ja, die Opfer. Zu der Zeit, als der Volkstrauertag eingeführt wurde, wurde der Begriff „Opfer“ noch in einem anderen Kontext gebraucht.
    Ursprünglich opferte man ein Huhn oder eine Kuh, ein Lamm oder der der Vater auf Befehl -fast- seinen eigenen Sohn um irgendwelche Gottheiten zu besänftigen. Das Opfer war Teil einer Zeremonie, eher unwichtig. Das wichtige war das Opfern. Irgendwann kam dann der Staat auf die Idee, dass man ja auch für ihn opfern könne. Das hieß dann „Für Volk und Vaterland“. Fortan oferte dann die Mutter -nicht nur fast- ihre Söhne und die Söhne opferten sich selbst.
    In einem kurzen Video auf Youtube – das übrigens von einer rechten Berliner Internetseite verlinkt ist- ist ein Ausschnitt aus den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag 1932 zu sehen.
    „An den Gräbern fällt uns beides ein: Opfer und Vaterland.“ sagt der Redner und fährt fort: „[…] Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen.“
    Heutzutage sprich man z.B. von Verkehrsopfern oder Opfern eines Verbrechens. Diesen Opferbegriff gab es so vor 100 Jahren nicht. Zu dieser Zeit war ein Opfer der, der sich „geopfert“ hatte. Ob der VdK sich in seine „Feiern“ auf diesen Opferbegriff bezieht, weiß ich nicht. Aber bei all dem militärischen Brimbarium vermute ich einfach mal: Die Antwort ist: Ja.

  3. 3 DEMOkrat 14. November 2010 um 20:28 Uhr

    Woher weiß man denn dass die Person auf dem Soldatendenkmal ein „Linksextremist“ ist?
    Basiert die Klassifizierung des Demonstranten mit diesem politikwissenschaftlich umstrittenen (Kampf-)Begriff auf der Redaktion vorliegenden verfassungsfeindlichen Äusserungen oder persönlicher Kenntnis der Person, hat er etwa mit Steinen geschmissen und kleine Kinder gefressen, oder standen schlicht dramaturgische Gründen einer nüchterneren Alternativen ( (linker)Demonstrant, (Friedens-)Aktivist, Kriegsgegener oder meinetwegen auch Störer) entgegen?

    Also ich find ja: gegen jeden Extremismusbegriff und gegen Heinsberger Verhältnisse in der Berichterstattung – nix für ungut, aber ein nicht näher erläuterter „Linksextremist“ zwischen der sonst gewohnt sehr fundierten Berichterstattung macht schon irgendwie Bauchweh …

  4. 4 Beobachter*in 14. November 2010 um 20:53 Uhr

    Von dem so genannten „Linksextrimisten“ skanierte Parolen waren u.a.: „Und auch 70 Jahre später – keine Opfer, sondern Täter!“ und „Deutsche Täter sind keine Opfer!“

    Mit diesen Sprechchören sollte deutich gemacht werden, dass die Stilisierung von deutschen Soldaten zu „Opfern“ konsequent abgelehnt wird, da sie ganz eindeutig Täter waren (Zweiter Weltkrieg; Shoah). Wer deutschen Soldaten gedenkt und sie zu „Opfern“ verklärt, relativiert deutsche Verbrechen und Schuld.

  5. 5 Klar, Mann? 14. November 2010 um 21:13 Uhr

    Wo wir wieder einmal so schön dabei sind:

    a.) habe ich mich bisher zurück gehalten und mit einem Redakteur gesprochen, dass dies vorerst so bleibt; allerdings kann ich sehr genau beurteilen, ob ich die Person so nennen könnte oder nicht; eine Diskussion ist damit für mich beendet, aber ob manche anderen Teilnehmer der VdK-Gedenkens das so sehen und sie nicht irgendwann neu oder auch führen wollen? Übrigens: danke auch für die Häme unter dem Text bei den „Nachrichten“…ihr könntet wirklich noch etwas anrichten – und wenn nur einige Personen der Teilnehmer richtig zugehört haben, spammen sie auch mal rum, aber dann ginge das Jammern wirklich los…natürlich wäre es nicht die Person schuld, die auf dem Sockel stand, sondern ich – immer für Sie da…

    b.) mag ich auch mal pöbeln: wenn die DKP als verlängerter Arm eines 1989/1990 beendeten „Kalten Krieges“ heute immer noch „Kalter Krieg“ spielt, dann ist das so; wenn Journalisten wegen ihrer Berichterstattung dann bei der Bundeswehr einsortiert werden, auch. Mir ist das egal, denn ich weiß teilweise ja, wer wieder in den Wald hineinruft… Teile der Demonstranten haben sich heute jedoch höchstselbst ins Abseits gestellt. Passt der Bericht dazu nicht, ist es nicht meine Sache. Kurt Heiler hatte an den KZ-Gräber gesagt, man wolle dezent gegen das VdK-Gedenken demonstrieren. Unter dezent verstehe ich ziemlich viel anderes…

    c.) der Protest heute war für mich völlig überzogen. Ich hätte sicherlich noch Verständnis dafür aufbringen können, wenn sich die Demonstranten still an den Weg des VdK-Gedenkmarsches gestellt hätten, um symbolisch etwas auszudrücken. Aber sich so an dem Hochkreuz zu präsentieren… Überdies ist es immer eine Gradwanderung, gegen Gedenkveranstaltungen zu protestieren – und heute ging diese Gratwanderung in Teilen mächtig in die Hosen.

    d.) was wäre das überhaupt für ein Geschrei, wenn kommendes Jahr die Bundeswehr einfach „Ehrenwache“ an den KZ-Gräbern stellen würde, weil sie sich dazu berufen fühlt…

    e.) …oder gar andere Kaliber aufmarschierten…?

    Mik

  6. 6 Klar, Mann? 14. November 2010 um 21:50 Uhr

    Noch ein Nachtrag, warum es problematisch ist unmittelbar bei – möglicherweise auch kritikwürdigen – Gedenkfeiern direkt zu demonstrieren und so in ein Geschmäckle zu geraten; nachfolgend die Gedenkrede des VdK, die auch heute in Aachen verlesen wurde:

    Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

    Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

    Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

    Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

    Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

    Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

    Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

    Man mag über diesen Text streiten können, man mag ihn als VdK- und Bundeswehr-PR ansehen, jedoch setzt man sich durch einen „direkten“ Protest eben auch der Kritik aus, dass man selbst auf den Opfern herumtrampelt, auf die man gar nicht herumtrampeln will…

    Mik

  7. 7 Aachener 14. November 2010 um 22:33 Uhr

    „Kurt Heiler hatte an den KZ-Gräber gesagt, man wolle dezent gegen das VdK-Gedenken demonstrieren. Unter dezent verstehe ich ziemlich viel anderes…“

    Das war sicher auch ursprünglich so gedacht …

    Um den Satz „Soldaten sind Mörder“ kann man sich sicher streiten, schließlich wurden die Konzentrationslager durch die Soldaten der Anti-Hitler-Koalition befreit. Allerdings ist das Tucholsky-Zitat nicht ganz falsch.

    Es bleibt dabei:

    „Deutsches Machtstreben mündete im 20. Jahrhundert zweimal in einen Weltkrieg. Allein der 2. Weltkrieg kostete mehr als 62 Millionen Menschen das Leben. Fast 4000 Aachener starben als Soldaten für Nazideutschland, 2500 Aachener kamen in ihrer Stadt ums Leben“.

    Diese von der Stadt seinerzeit im Rahmen der Aktion „Wege gegen das Vergessen angebrachte die Platte „liegt mit dem Text unbeachtet auf dem Waldfriedhof und die Veranstalter des Volksbundes, der Stadt und der Bundeswehr ignorieren sie nach Kräften. Sie kann allerdings auch leicht übersehen werden, weshalb wir den Text schon mal auf Tafeln schrieben und während der Kranzniederlegung hochhielten, damit er schwerer ignoriert werden kann.“

    So schreibt es die VVN-BdA Aachen auf ihrer Homepage und so ist es.

    Daß die Lehre aus dem 2. Weltkrieg ist, das heute deutsche Soldaten in Afghanistan wieder sterben und töten müssen, ist doch zumindestens fraglich. Für eine erneutes „Heldengedenken“ mit neuen „Orden“ (wie sie der Verteidigungsminister einführen will) besteht jedenfalls kein Anlaß.

    das wenigste von den anmerkungen hat aber mit dem zu tun, was heute los war… mik

  8. 8 Aachener 14. November 2010 um 22:39 Uhr

    Wer konsequent gegen Militarismus protestiert, ist kein „Linksextremist“ und verdient natürlich unsere Solidarität.

    viel spaß bei der konsequenten demo vor dem taliban-headquarter ;-) mik

  9. 9 Joachim Schosto 15. November 2010 um 0:00 Uhr

    Geschmacklos

  10. 10 Jakob Spatz 15. November 2010 um 21:03 Uhr

    Zumindest war es deutlich unangemessen, den Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan mit dem Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Verbindung zu bringen. Die Bundeswehr führt dort keinen Vernichtungskrieg und sie deckt auch kein singuläres Menschheitsverbrechen. Weder Taliban noch irgendwelche Warlords rücken aus, um Konzentrationslager zu befreien. Kontinuitäten hin oder her: Das ist ein Unterschied.
    Und übrigens kämpfen die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mal deutsche Soldaten nicht auf der Seite der Bösen. Das ist bemerkenswert und das erste Mal in der Geschichte deutscher Nationalstaatlichkeit. Na gut, außer, wir zählen die „deutschen“ Internationalen Brigaden in Spanien mit.

  11. 11 Klar, Mann? 15. November 2010 um 22:11 Uhr
  12. 12 Michael 16. November 2010 um 19:07 Uhr

    @Jakob Spatz

    Die Bundeswehrsoldaten kämpfen nicht auf der Seite „des Bösen“? Das stimmt, aber nur insofern, als dass sie auch nicht auf der Seite „des Guten“ kämpfen, weil solche Begrifflichkeiten nicht geeignet sind, um Konflikte wie den in Afghanistan zu diskutieren.

    Unangemessen ist es tatsächlich, da stimme ich zu, den Afghanistaneinsatz mit dem Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht zu vergleichen. Dass ISAF und OEF in Afghanistan nicht zur Stabilisierung der Situation beitragen und indirekt die Taliban stärken ist allerdings ebenso eine Tatsache wie gewisse Traditionslinien, die BW und Wehrmacht miteinander verbunden haben und teilweise heute noch verbinden.

    Dass ich das Wort „Linksextremismus“ völlig neben der Kappe finde, muss ich hier vermutlich nicht wieder sagen. Ich tus trotzdem.

  13. 13 Flake 16. November 2010 um 19:53 Uhr

    @ Michael: Erklär mal bitte, wie die Bundeswehr die Taliban stärkt.
    Vielleicht schaff ich dann auch einen netten Weltkriegsvergleich…

    vom gepöbel mir gegenüber bis hin zur totalen weltpolitik… mik

  14. 14 Jakob Spatz 17. November 2010 um 14:22 Uhr

    […]

    Ja Danke, dass ich hier mal schimpfen durfte. […]

    bitte…NICHT… mik

  15. 15 Michael 17. November 2010 um 17:55 Uhr

    @Flake
    Die Militäroperationen in Afghanistan, an denen die Bundeswehr beteiligt ist, dienen angeblich der Bekämpfung des Terrorismus und der islamistischen Strömungen. In diesem Zusammenhang möchte man dort Menschenrechte wahren und zur Bildung einer demokratischen Gesellschaft beitragen.
    Tatsächlich ist es jedoch so, dass die Anwesenheit der Streitkräfte von vielen Menschen vor Ort als völkerrechtswidrige Besatzung wahrgenommen wird. Angriffe mit zivilen Opfern wie in Kundus tun da ihr Übriges. Auch das Vertrauen in die vom Westen unterstützte Regierung Karsai tendiert in weiten Bevölkerungsteilen gegen Null.
    Hier haben islamistische Gruppen wie die Taliban die Möglichkeit, sich als „Freiheitskämpfer“ gegen die eher als „Terroristen“ wahrgenommenen westlichen Streitkräfte zu gerieren. Und entsprechend verzeichnen sie einen gehörigen Zulauf auch aus Bevölkerungsteilen, die ansonsten ideologisch eher nicht zu ihrem Sympathisantenspektrum zählen.
    Das Feuer wird mit Öl gelöscht, um mal ein Sprichwort zu bemühen.

    ich betone noch einmal, aber diesmal UNMISSVERSTÄNDLICH: beiträge zu diesem thema und der extremismus-theorie werden hernach kommentar-los gelöscht… mik

  16. 16 Roger 23. November 2010 um 23:52 Uhr

    Eine demonstration hat nichts auf einem Friedhof zu tun. Wer gegen Militarismus protestieren will kann das überall anders machen. Sowas, was da passiert ist, finde ich ekelhaft!

    Auch finde ich, kann man nicht jedem deutschen Soldaten die Schuld in die Schuhe schieben. Nicht jeder ist damals aus überzeugter Nazi in den Krieg gezogen.
    Mit Sprüchen, wie „Soldaten sind potenzielle Mörder“ wäre ich auch vorsichtig. Die wenigsten heutigen Soldaten der Bundeswehr müssen sich schuldig bekennen, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Genausogut könnte man sagen „Familienväter sind potenzielle Mörder“, genügend Beispiele für Amokläufer gibt es genung.

    Klar, mögen die Gründe für die Demonstration ehrenwert gewesen sein, doch sollte man, auch im gedenken an seine eigenen Vorfahren einmal darüberr nachdenken, wie, wo und auf welche weise man demonstriert. Irgendwo sind Grenzen. Die Kritik, ob diese Protestanten auf den tatsächlichen Opfern herumtrampeln finde ich berechtigt. Um noch ein letztes mal aauf die Sache mit dem Friedhof zurückzukommen. Das ist ein Ort der Ruhe, wo man Verstorbener im stillen gedenken soll, das gebührt allein schon der Respekt! Die Aktion war mehr als nur „voll daneben“!
    So, ende meiner Gra(d/b)wanderung.

  17. 17 Antimilitarist 24. November 2010 um 16:27 Uhr

    Interessant dass noch niemand auf die Frage gekommen ist, wie es eigentlich um die Pietät derjenigen Leute bestellt ist, die sich einerseits freiwillig einer Bundeswehr anschließen, die Krieg führt und andererseits in ihrer Eigenschaft als potentielle Mörder (schließlich wollen wir ja den Bundeswehrsoldaten nicht unterstellen, dass sie auf Menschen schließen würden, wenn man es ihnen befielt) Kränze für diejenigen Leute niederlegen, welche aufgrund von Soldaten zu Tode gekommen und dabei noch nichtmal so etwas wie Scham zeigen.

    Meine Kritik an den Gegenprotesten werde ich den beteiligten Leuten beizeiten mal persönlich mitteilen.

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