Gedenken: Nazigegner gedenken am Volkstrauertag Opfer des NS-Regimes

Aachen. Anlässlich des Volkstrauertages haben rund 50 Menschen auf dem Waldfriedhof der Opfer der Nationalsozialisten gedacht. Schwerpunkt des Gedenkens waren Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder, die Widerstand gegen die Nazischergen geleistet hatten. Ralf Woelk, Vorsitzender des DGB-NRW Region Süd-West, mahnte angesichts neuer Gewalt durch Rechtsextremisten gegenüber Menschen dürfe das Treiben von Neonazis nicht durch „falsch verstandenen Liberalismus“ geduldet werden.

Versammelt hatte man sich gegen Mittag an den auf dem Ehrenfriedhof liegenden Gräbern von 52 ermordeten Gegnern und KZ-Häftlingen des NS-Regimes. Gemeinsam mit Vertretern der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) wollte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) damit wie in den Jahren zuvor schon auch an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Für diese wurde auch ein Kranz niedergelegt.

Hauptredner des Gedenkens war der regionale DGB-Chef Woelk [1]. Er erinnerte daran, dass die Toten in den 52 Gräbern Opfer der „zwölf Jahre Gewaltherrschaft und Barbarei“ der Nazis geworden seien. Die Nazis hätten sich selbst über alles gestellt, indes „Andersartige“ und „Andersdenkende“ unterdrückt, misshandelt und ermordet. Die „Befreiung vom Faschismus ist mit friedlichen oder demokratischen Mitteln nicht zu machen,“ sagte Woelk. Neonazis würden heute wieder Menschen drangsalieren, überfallen, bedrohen und terrorisieren.

„Das Menschenbild des Rechtsextremen ist menschenverachtend,“ so der DGB-Chef weiter. Deshalb müsse man sie stoppen, und „wer Hass und Gewalt predigt, der hat sein Recht auf freie Meinungsäußerung verloren.“ Faschismus sei keine Meinung, „sondern ist und bleibt ein Verbrechen.“ Woelk mahnte zudem, man müsse auch „Biedermännern und Brandstiftern“ aus dem „bürgerlichen Lager“ entgegentreten, etwa dem ehemaligen Bundesbanker und Sozialdemokraten Thilo Sarrazin, der gegen Muslime gewettert hatte.

Kurt Heiler sagte für den VVN-BdA, man „verneige“ sich am Volkstrauertag vor den Opfern des Naziregimes. Heiler kritisierte zugleich die Gedenkveranstaltung des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge (VdK). Gefallenen deutschen Soldaten werde dabei ebenso gedacht, wie den Opfern des Naziregimes. Unter dem so „beliebig“ werdenden „Opferbegriff“ könnten die „für ein verbrecherisches Regime gefallenen Täter“ verschwinden, sagte Heiler. Gut die Hälfte der Teilnehmer des VVN-BdA-Gedenkens demonstrierten anschließend daher gegen das VdK-Gedenken auf dem Waldfriedhof (siehe weiterer Bericht).

Am Nachmittag legte auch die Stadt Aachen noch einen Kranz an den KZ-Gräbern nieder, um am Volkstrauertag explizit auch an die Opfer der Nationalsozialisten zu erinnern. [© Michael Klarmann; für AN (ebd. gekürzte Fassung)]

[1] Redemanuskript