Rechts: Historiker immer weiter im rechtsextremen Umfeld aktiv

Linnich. Im Januar machte der Historiker Mario Kandil Schlagzeilen, weil der im Umfeld rechtsextremer Publikationen aufgefallene Linnicher für eine Ausstellung des Weseler Preußenmuseums gearbeitet hatte [1]. Kandil hatte in der Vergangenheit bestritten, selbst ein Rechtsextremist zu sein, war aber mehrfach im Umfeld des „Deutschen Kongresses“ der rechtsextremistischen und geschichtsrevisionistischen „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) und der ebenso ausgerichteten Zeitschrift „Deutsche Geschichte“ aufgefallen [2]. Unterdessen hat der Historiker ein Buch in dem rechten „Druffel & Vowinckel Verlag“ veröffentlicht. Zugleich kündigt derselbe Verlag einen weiteren Titel mit Kandil an.

„Wollte Adenauer die Wiedervereinigung? Die europäische Integrationspolitik der Bundeskabinette 1949 – 1957“ lautet der Titel des schon publizierten Buches. Erschienen ist es im „Druffel & Vowinckel Verlag“, der Teil der rechten „Verlagsgruppe Berg“ ist. Der Verlag bewirbt den neuen Titel unter anderem mit den Worten: „Mit der Gründung des Teilstaates Bundesrepublik Deutschland stellt sich die Frage, ob der erste Kanzler eine aktive Wiedervereinigungspolitik verfolgte oder ob er fremdbestimmt die Bundesrepublik Deutschland in einem integrierten Europa aufgehen lassen wollte.“

Die GfP lobt das „Erstlingswerk“ Kandils auf ihrer Homepage. Der Titel wird ebenso über den NPD-eigenen Buchdienst „Deutsche Stimme“-Versand vertrieben. Die „Verlagsgesellschaft Berg“ ist ein Zusammenschluss verschiedener rechter Verlage und gilt heute als einer der größten rechtsextremen Verlage. Das Verlagsprogramm umfasst überwiegend geschichtsrevisionistische und rechtsextreme Publikationen. Die Verlagsgesellschaft gibt auch die Publikation „Deutsche Geschichte“ heraus. Kandil selbst hat unterdessen nicht nur in dieser Zeitschrift, sondern ebenso in rechtslastigen Publikationen wie „Neue Ordnung“ sowie „Die Aula“ veröffentlicht.

Der Buchdienst „Amazon.de“ kündigt zudem Kandils Buch „Die deutsche Erhebung 1812 – 1815. Europas Kampf gegen Napoleons Fremdherrschaft“ an. Erscheinen soll das Buch demnach im Januar 2011, als Verlag gibt der Buchhändler ebenso den „Druffel & Vowinckel Verlag“ an. Dieser selbst kündigt den Titel an mit den Worten: „Mit der geschliffenen Feder des sachkundigen Historikers schildert der glänzende Kenner den dramatischen Kampf der europäischen Völker gegen die Hegemonialbestrebungen des Kaisers der Franzosen, Napoleon I. […] Und das immer wieder geschmähte Preußen […] riss alle Länder deutscher Zunge ‚Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt’ mit sich.“

Die VHS Aachen hatte im September 2008 ihre Kooperation mit Kandil aufgrund von Hinweisen über dessen Tätigkeiten in rechten Kreisen eingestellt [3]. Zuvor hatte die Antifa Düren aufgrund eines Berichtes in den „Antifaschistischen Nachrichten“ kritisiert, das Kandil zugleich bei Bildungseinrichtungen und „vor neofaschistischem Publikum“ referiert habe [4]. Kandil hatte später darauf erwidert, er arbeite nur aus wirtschaftlichen Gründen für den „Druffel & Vowinckel Verlag“, betreibe aber keine „politische Agitation, sondern historische Aufklärung anhand belegbarer Fakten“.

Bei seiner Teilnahme an einem Kongress besagten Verlages 2007 habe er weder vor einem „neofaschistischen“ Publikum gesprochen, noch „neofaschistische“ oder rechtsextreme Inhalte in seinen Schriften und Referaten verbreitet. „Klarmanns Welt“ hatte darauf hingewiesen, dass Kandil jedoch durchaus hätte bekannt sein können, dass der Verlag, die GfP und der Großteil der Referenten auf den Kongressen aus rechtsextremistischen und geschichtsrevisionistischen Kreisen stammen oder sich eng in deren Umfeld bewegen [5]. [© Klarmann]

[1] Preußenmuseum beschäftigte Historiker aus rechter Szene…
[2] Historiker weiter im rechtsextremen Umfeld aktiv
[3] VHS stellt Kooperation mit Referenten ein
[4] VHS-Dozent auf extrem rechten Abwegen?
[5] Linnicher Historiker erwidert Vorwürfe der Antifa Düren


2 Antworten auf “Rechts: Historiker immer weiter im rechtsextremen Umfeld aktiv”


  1. 1 NPD KV UNNA / HAMM 22. November 2010 um 10:50 Uhr

    Was haben Sie dagegen, dass Kandil über historische Probleme publiziert.
    Dass er in angeblich “ rechten“ Verlagen veröffentlicht liegt vielleicht daran, dass auf Grund Ihrer denunziatorischen Aktivitäten andere Verlage ihn nicht verlegen.
    Schön, das er dann dort heraus gegeben wird.

    wenn meine arbeit für sie „denunziatorische Aktivitäten“ sind, frage ich mich, wie sie das treiben des großteils ihrer „kameraden“ nennen würden… übrigens publiziert er in rechtsextremen verlagen; wir wollen doch die wirklich rechte publizistik nicht gleichsetzen mit ihren „kameraden“ – so viel anstand muss sein (sollte ich das im text nicht sorgfältig genug heraus gearbeitet haben, würde ich diese kritik für die zukunft im hinterkopf behalten). mik

  2. 2 Klar, Mann? 24. November 2010 um 10:59 Uhr

    Übrigens berichtet die SZ heute unter der Überschrift „FPÖ-nahe Zeitschrift ‚Aula‘ – Rechtsradikaler erschleicht Beckstein-Interview“ über einen Vorfall zu eben jener Ausgabe, in der auch Kandil laut „Aula“-Werbung publiziert hat; alles sehr seriös…

    http://www.sueddeutsche.de/politik/2.220/fpoe-nahe-zeitschrift-aula-rechtsradikaler-erschleicht-beckstein-interview-1.1027253

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