Gedenken: Antifa schützt Naziopfer vor dem Zorn des Alten Deutschlands – und einer neuen Nachbarschaft

Erftstadt. Ihren Vorschlag, im Stadtteil Friesheim die nach der rechten Schriftstellerin Agnes Miegel benannten Straße umzubenennen nach einem Opfer der Nazis, will die Antifa Erftstadt zurückziehen. Sie hatte bisher angeregt, die Straße künftig Salomon-Franken-Straße zu nennen [1]. Weil es jedoch in der Sitzung des Hauptausschusses zum Eklat durch Anwohner gekommen war, will man dem Opfer der Nazis nicht zumuten, dass dessen Name mit solchen Anwohnern beschmutzt werde, so die Gruppe in einer Pressemitteilung.

Laut Lokalpresse kam es seinerzeit im Hauptausschuss zwischen Antifa und Anwohnern der Straße, die zum Teil aus Vertriebenen-Kreisen stammen, zu heftigen Diskussionen. Da die Antifa fordert, die Straße umzubenennen nach einem Opfer des Holocausts, soll sogar einer der Anwohner gesagt haben: „Warum muss es schon wieder ein Jude sein?“ [2] Laut Antifa sollen „die Anwohnerinnen und Anwohner [so] gezeigt [haben], welch menschenfeindliche Positionen sie vertreten.“ Eine Anwohnerin soll sogar gesagt haben, sie „würde auch eine Adolf-Hitler-Straße nehmen“.

„Wir können nicht guten Gewissens an dem Vorschlag festhalten die Straße nach Salomon Franken umbenennen zu wollen. Die sich antisemitisch und nazistisch geäußert habenden Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht würdig in einer nach einem NS-Opfer benannten Straße zu leben,“ stellte die Antifa nun fest. Unter diesen Umständen käme eine Benennung der Straße nach Salomon Franken „überhaupt nicht mehr in Frage“.

Anwohner hatten später angeregt, die Straße nur in „Agnes-Straße“ umzubenennen, Namensgeberin solle dabei angeblich die Heilige Agnes von Rom sein. Die Antifa nannte dies „einen faulen Kompromiss“. Es werde durch diesen Vorschlag deutlich, „dass hier keine tatsächliche Umbenennung geschehen soll, sondern Agnes Miegel die positive Bezugsperson bleibt.“ Kommende Woche soll offenbar entschieden werden, wie die betreffende Straße umbenannt wird. [© Klarmann]

[1] Siehe u.a. Kundgebung gegen NS-TäterInnen und deren Verewigung im Straßenbild
[2] Diskutiert und geschimpft


4 Antworten auf “Gedenken: Antifa schützt Naziopfer vor dem Zorn des Alten Deutschlands – und einer neuen Nachbarschaft”


  1. 1 hase 27. November 2010 um 17:59 Uhr

    Schwache Position und fragwürdige Logik, die die Antifa dort vertritt.

  2. 2 EL 27. November 2010 um 20:19 Uhr

    Eine Anwohnerin soll sogar gesagt haben, sie „würde auch eine Adolf-Hitler-Straße nehmen“

    hammer hart :D und das aus der „Mitte des Bürgertums“, ja ne Hallo Deutschland!

  3. 3 nail 28. November 2010 um 14:23 Uhr

    @Hase
    Erklär mal was du meinst!
    Finde ich vollkommen ok.
    Ich fand den Anstoss der Antifa vollkommen richtig. Die haben gegenüber der Politik gut Druck aufgebaut, merken aber das sie mit der Umbenennung der Straße nach einem dportierten und ermordeten Juden nicht landen können.
    Aber das Ziel ist erreicht, die Agnes Miegel ist weg.

  4. 4 hase 28. November 2010 um 16:23 Uhr

    Das mit Agnes Miegel stimmt und das ist eine gute Leistung. Ich finde nur folgende Position etwas schwach und fragwürdig:

    Die sich antisemitisch und nazistisch geäußert habenden Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht würdig in einer nach einem NS-Opfer benannten Straße zu leben

    Sind sie nicht, das stimtt. Deshalb auf eine Benennung zu verzichten setzt allerdings ein seltsames Zeichen und liefert eine Präzedenz, die leicht mißbraucht werden könnte. Um es etwas überspitzt auszudrücken: sollte man demnächst z.B. das Anne Frank Gymnasium umbenennen, weil da ein Paar Nazis zur Schule gehen. So ließe sich ein leicht mißbrauchbares Argument aufbauen, um demnächst Gedenk-Benennungen zu umgehen.

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