Geschichte: Agnes- statt Miegel-Straße in Erftstadt

Erftstadt. Die Agnes-Miegel-Straße im Ortsteil Friesheim soll umbenannt werden in St.-Agnes-Straße. Dies teilt der Stadtverordnete Christian Kirchharz (CDU) auf seiner Homepage mit. Demnach habe der Hauptausschuss in seiner letzten Sitzung Anfang des Monats beschlossen, die nach der durch ihre Nähe zum Naziregime in Verruf geratenen, ostpreußischen Schriftstellerin benannte Straße in dieser Weise umzubenennen.

Angeregt, die Straße umzubenennen, hatte erstmals die Antifa Erftstadt mit einer symbolischen Aktion. Sie hatte das offizielle Straßenschild überklebt und so die Straße nach einem Opfer des Nazidiktatur umbenannt. Später zog sie diesen Vorschlag, die Agnes-Miegel-Straße in Salomon-Franken-Straße umzubenennen, zurück. Anlass dafür waren rechtslastige und antisemitische Ausfälle der Anwohner, die überwiegend aus dem Vertriebenen-Milieu stammen [1].

Genau jene Anwohner hatten vorgeschlagen, die Straße in St.-Agnes-Straße umzubenennen. Namensgeberin soll dabei die Heilige Agnes von Rom sein. Die Antifa hatte dies als „einen faulen Kompromiss“ kritisiert. Es werde durch diesen Vorschlag deutlich, „dass hier keine tatsächliche Umbenennung geschehen soll, sondern Agnes Miegel die positive Bezugsperson bleibt.“ Ungeachtet der Kritik hat der Hauptausschuss nun offenbar den Anwohner-Vorschlag berücksichtig.

Nicht durchsetzen konnte sich demnach zudem die Anregung der Evangelischen Kirche und eines Journalisten. Beide hatte Ende November vorgeschlagen, die Agnes-Miegel-Straße neu nach der Autorin Marion Gräfin Dönhoff zu benennen. Auch ihr Name stehe für Ostpreußen und für Vertreibung, indes ebenso für den Kampf gegen die Nazibarbarei. Zudem sei sie eine der führenden Intellektuellen in der Bundesrepublik gewesen.

Der Journalist Cornelius Bormann aus Lechenich hatte dazu angemerkt: „Die Umbenennung würde der Tatsache Rechnung tragen, dass in dieser Straße mehrere heimatvertriebene Familien wohnen. Auch [wäre] die neue Namensgeberin [Marion Gräfin Dönhoff] frei von dem Verdacht, Lobtexte auf die Nazis geschrieben zu haben.“ Der Vorschlag fand keinen Anklang.

Agnes von Rom wird laut Wikipedia und kirchlicher Onlineportale im Christentum als Märtyrin, geweihte Jungfrau und Heilige verehrt. Ihr Gedenktag ist der 21. Januar. In der katholischen Kirche gilt die Heilige Agnes als Schutzpatronin der Jungfrauen, Verlobten und der Keuschheit. [© Klarmann]

[1] Antifa schützt Naziopfer vor dem Zorn des Alten Deutschlands – und einer neuen Nachbarschaft


1 Antwort auf “Geschichte: Agnes- statt Miegel-Straße in Erftstadt”


  1. 1 Luca Plette 08. Dezember 2010 um 17:40 Uhr

    Genau jene Anwohner hatten vorgeschlagen, die Straße in St.-Agnes-Straße umzubenennen.

    Das ist falsch.

    Die AnwohnerInnen hatten vorgeschlagen die Straße nur „Agnes-Straße“ zu nennen und gaben an Namensgeberin solle die Heilige Agnes von Rom sein.
    Die Politiker_Innen entschieden fraktionsübergreifend, dass eine „Agnes-Straße“ sich nicht deutlich genug von der alten Namensgeberin Agnes Miegel abgrenzt. Um den Bezug zu der Heiligen herzustellen solle die Straße St.-Agnes-Straße heißen, befand der Rat.

    Damit hat die Politik freundlich ausgedrückt, was wir zuvor als „faulen Kompromiss“ bezeichneten.

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