Region. Das Jahr begann mit einer Falschmeldung im Blog: Abermals Konzert von Kategorie C in der Region? lautete die Frage, die zwar auf wirklich kursierenden Gerüchten fußte, aber tatsächlich waren diese falsch. Ein Gericht entscheidet im Januar, dass Schwarzen, die bei der Wohnungssuche wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, Schadenersatz zusteht. Dürens NPD-Ratsmann schreibt bei rot-grünen Ratspolitikern in Köln seine Texte ab – immerhin auch einmal fehlerfreie Prosa. Ein ehemaliger SS-Mann steht vor Gericht und sieht neuen Strafanzeigen ins Gesicht – übrigens nicht durch die Ermittler erstattet, sondern von den Nebenklägern, die selbst ermittelt haben.
Im Aachener Südraum sollen die Nönazis gar nicht sonderlich präsent sein, meint die Polizei – bald darauf wird sich zeigen, dass dies zumindest für die Behörde als schöne Falschmeldung enden wird. Auf ähnliches setzt offenbar auch die NPD, die vorgaukelt in Düren-Merken eine Gaststätte erwerben zu wollen. Der NPD-Landesverband posaunt gar, „[n]ach der Veröffentlichung der Kaufabsichten durch die NPD haben sich mittlerweile auch andere Immobilieneigentümer aus dem Rheinland an die Partei gewandt um ihre Häuser zum Verkauf anzubieten. Auch diese Häuser werden in den kommenden Tagen besichtigt.“ Das Jahr wird zeigen, dass solche Angaben funzen, aber dennoch ziemlich kurze Beine haben…
…dennoch erklärt Haller dem Dürener Vorort Merken den Rhetorik-Kleinkrieg und disst im Februar als Laienschauspieler in einer Glanzrolle politische Gegner und Bürger. In Wegberg verschickt ein Senior weiter seine Bücher über Merkel und den rotsozialistischen Mob in brauner Uniform. Neonazis aus der Region kloppen sich in Dresden mit Nazigegnern und im Aachener Rosenmontagszug spielen Viertelnazis anti-muslimisches Straßentheater, covert by Ganznazis. Der über Monate via Web mächtig auftrumpfende „Nationale Widerstand Alsdorf“ will Rosenmontag auch unterwegs gewesen sein – danach wurde es ernst und man stellte die Web-Aktivitäten ein.
Der Autor dieser Zeilen +1 wirdwerden bei Recherchen in Merken von Teilnehmern der NPD-Jahreshauptversammlung attackiert – die Ermittlungen dazu laufen wohl heute noch. Ein Aachener Friedenspreisträger wird wegen Volksverhetzung angezeigt und Nazigegner erinnern die Justiz daran, dass eine ihrer Aufgaben nicht nur das Ermitteln ist, sondern ebenso das Terminieren und Durchführen von Strafprozessen. Tatsächlich beginnen Prozesse gegen Neonazis, die im März 2008 am Angriff auf eine Antifademo beteiligt waren, noch 2010. Mittlerweile grassiert bei den Prozessen unter Nönazis jedoch der geflügelte Satz vom Isschonsolangeherichweißnixmehr…
Antisemitismus ist im März kein Verbrechen, sondern eine Meinung: Friedenspreisträger angeblich kein Volksverhetzer. Der Autor dieser Zeilen wagt sich indes wegen laufender und der noch kommenden NPD-Immobilien-Deals in eine Spekulationsblase meets Gedankenspiel – beides vielleicht doch ziemlich nah an der Realität gebürstet. Im Aachener Südraum kommt es zu einem kurzen Schlagabtausch: Krawallbruderschaft lässt die Fäuste frei wildern. Nach tagelangen Medienberichten aufgrund eines Schwächenfalles bei dem Rechtspopulisten Geert Wilders hagelt es für diesen Hausverbot im Carat-Hotel in Monschau. Zeitweise pöbelte der anti-islamische Mob so brachial im Web, via Mails und Post, dass Monschaus Bürgermeisterin quasi den Polizeischutz sucht. Die KAL gedenkt der Helden und „Pro NRW“ wird bald das Oecher Stadtwappen von der Homepage entfernen – was aber nicht daran liegt, dass die Rechtsradikalen nicht fähig genug waren, einige Unterstützungsunterschriften zu sammeln oder Unterlagen in Ordnung zu halten.
Geurteilt wird auch im März: Ein Ende mit Schrecken – nach 66 Jahren lebenslang für SS-Mörder. Die Antifa Düren legt das bekannte Spiel der Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polente neu auf. Kein Friedenspreisträger, sondern der Ex-NPD-Chef aus Krefeld und der – heute auch ehemalige! – Landeschef der NPD-Jugend wollen in Krefeld dafür streiten, dass Judenhass kein Verbrechen, sondern eine Meinung ist – wenn dass der Führer wüsste! Hoch geschreckt durch Meldungen des NRW-Innenministeriums, dass durch Neonazis begangenen Straftaten in der Region weniger wurden, beginnen Neonazis und Vertreter der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) nahezu sofort damit, die Statistik wieder auf Vordermann, Vordermann und Vordermann zu bringen… [© Klarmann (April bis Juni folgt kommende Woche)]
Fehlt die Nachricht, dass zumindest 4 Personen Hallers Gequatsche
nicht mehr ertragen konnten, und nach reiflicher Überlegung der
rechten Szene den Rücken kehrten. So wurde zumindest berichtet.
Einer soll sogar zur Führungsebene gehört haben.