Links: Aachener Friedenspreisträger wieder in der Kritik

Köln. Der Aachener Friedenspreisträger Walter Herrmann steht wegen seiner „Klagemauer“ in Köln wieder in der Kritik. Schon im Verlauf des Jahres hatte man Herrmanns Dauerkundgebung wegen antisemitischer Darstellungen kritisiert und Strafanzeigen erstattet [1]. Unterdessen haben Oberbürgermeister Jürgen Roters, weitere Lokalpolitiker, die Ratsfraktionen (ohne Die Linke) sowie religiöse Gemeinschaften und Gemeinden eine Resolution gegen die „Klagemauer“ in ihrer aktuellen Form verabschiedet. „Klarmanns Welt“ dokumentiert den Text nachfolgend im Wortlaut:

Unter dem Namen „Kölner Klagemauer“ startete Ende der 1980er Jahre eine Privatinitiative gegen Wohnungsnot und Obdachlosigkeit. Während des Zweiten Golfkriegs zog sie 1991 als „Klagemauer für Frieden“ vor den Kölner Dom. Was als Forum freier Kommunikation und Mahnung zum Frieden begann, entwickelte sich 2004 zu einem Ort, der in geschichtsblinder Einseitigkeit antiisraelische Ressentiments nährt.

Skandalöser Höhepunkt dieser Entwicklung war die Anbringung einer Karikatur im Januar 2010. Sie zeigte die Umrisse einer jüdisch gekennzeichneten Person, die ein palästinensisches Kind mit Messer und Gabel verspeist. Erst nach lautstarker öffentlicher Kritik zog der Betreiber der Dauerdemonstration diese in unseren Augen volksverhetzende antiisraelische und antisemitische Karikatur zurück.

Auch wenn sich die Initiatoren der Kölner Klagemauer juristisch auf das hohe Gut der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit berufen können, sieht Köln es als seine Pflicht an, grundsätzlich immer dann eine Grenzziehung einzufordern oder vorzunehmen, wo zum Hass gegen andere Völker aufgerufen wird und antisemitische – oder auch andere Religionen verunglimpfende – Botschaften verbreitet werden. Dabei ist es unerheblich, ob diese offen oder in unterschwelliger Form erfolgen.

Mit der in extremer Einseitigkeit gegen Israel gerichteten Dauerdemonstration sind nach unserer Auffassung die Grenzen der Meinungsfreiheit in einer Stadt, die für Toleranz und Frieden steht, schon lange überschritten. Die Dauerdemonstration vermittelt keine Botschaften des Friedens, sondern des Hasses gegen ein Volk, das wie kein anderes Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurde und dessen Existenzrecht als Staat nach wie vor von vielen Kräften in der Region nicht anerkannt wird. Sie verunglimpft die Klagemauer in Jerusalem, das religiöse Zentrum des jüdischen Volkes.

Viele Kölner Vereine und Institutionen pflegen seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen mit Israel und den benachbarten palästinensischen Autonomiegebieten. Als einzige deutsche Stadt ist Köln durch Tel Aviv-Yafo und Bethlehem mit beiden Regionen städtepartnerschaftlich verbunden. Völkerverbindende Kontakte wie diese stützen den immer wieder von Rückschlägen bedrohten Nahostfriedensprozess.

Stadtgesellschaft und Stadtverwaltung stellen sich in vielfältiger Weise dem Extremismus und Antisemitismus durch die Entwicklung von Strategien, mit Bildungsangeboten, gemeinsamen Veranstaltungen, themenbezogenen Einrichtungen oder diversen anderen Initiativen entgegen. Die hier oftmals mühsam erzielten Erfolge werden durch Aktivitäten wie die der „Klagemauer“ konterkariert.

Die Kölner Bürgerinnen und Bürger, Kölns Institutionen und der Kölner Rat können und wollen die Vorgehensweise von Walter Herrmann, dem Betreiber der Dauerdemonstration, nicht länger hinnehmen. Köln fordert daher Walter Hermann auf, alle menschen- und völkerverachtenden Installationen umgehend zu entfernen – genauso, wie er es mit oben erwähnter Karikatur Anfang 2010 getan hat – und künftig auf solche zu verzichten. Eine Verunglimpfung wie im Januar 2010 darf es nie wieder geben. [Textquelle: Erklärung zur Dauerdemonstration „Kölner Klagemauer“ vor dem Kölner Dom]

[1] Friedenspreisträger angeblich kein Volksverhetzer


5 Antworten auf “Links: Aachener Friedenspreisträger wieder in der Kritik”


  1. 1 Monika Schmitz 09. Januar 2011 um 22:59 Uhr

    Es geschieht einiges:
    Das Buch „Die Hasswand – Antisemitismus in der Domstadt
    wurde von europarloir.de veröffentlicht. Unter dem Link „Verlag“ finden Sie oben rechts eine Schnellnavigation zu dem Inhalt des Buches.
    Die Petition gegen Antisemitismus in Köln ist solange aktuell, wie Walter Herrmann auf der Domplatte vorzufinden ist.
    http://www.lobbyingforum.com/petition-detail.aspx?id=199
    WIR BITTEN UM UNTERZEICHNUNG

    Aufgrund der Resolution wurde ein gemeinsamer Brief von Gerd Buurmann, Reiner Schleicher und Monika Schmitz an den Polizeipräsidenten verfasst. Das Antwortschreiben ist auf der Petitionsseite hier zu finden:
    http://reaktionen-und-presse.de/42173.html

    Aufgrund der Resolution wurde ein Schreiben an den Oberbürgermeister verfasst, mit der Aufforderung den Worten Taten folgen zu lassen:
    http://www.lobbyingforum.com/petition-detail.aspx?id=265
    WIR BITTEN UM UNTERZEICHNUNG

    Reiner Schleicher, Autor und Verleger in Frankreich verfasste eine Petition, die insbesondere französische Bürger und Reiseunternehmen auffordert, die Domstadt nicht zu besuchen, solange die „Klagemauer“ dort steht.
    http://www.ipetitions.com/petition/boycott_tourisitique_de_cologne/
    WIR BITTEN UM UNTERZEICHNUNG, AUCH VON NICHT-FRANZÖSISCHEN BESUCHERN.
    Weitere Aktivitäten sind geplant.
    FÜR JEGLICHE UNTERSTÜTZUNG SIND WIR DANKBAR.

  2. 2 Monika Schmitz 09. Januar 2011 um 23:22 Uhr

    Engagierter Journalismus? Warum wird auf einem öffentlichen Blog mein Eintrag gelöscht, der auf Aktivitäten gegen die Klagemauer hinweist???
    Monika Schmitz

    schon mal was davon gehört, dass auch – tagsüber arbeitende – engagierte journalisten nicht rund um die uhr kommentare moderieren, sondern das büro geschlossen halten oder schlicht bettruhe bevorzugen? außerdem schon sehr bezeichnend, dass sie gut 30 minuten nach absenden des kommentars schon mitternachts-ungeduldig werden… mik

  3. 3 Monika Schmitz 10. Januar 2011 um 12:53 Uhr

    Bitte vielmals um Entschuldigung.
    Der Beitrag war zuerst zu sehen und dann wieder verschwunden,
    deshalb dachte ich, sie hätten ihn herausgenommen.
    Nicht böse sein.

  4. 4 Monika Schmitz 12. Januar 2011 um 0:54 Uhr

    Die Petition für einen touristischen Boykott der Stadt Köln, solange die Hasswand steht, gibt es nun in drei Sprachen, französisch, deutsch und englisch
    Wir sind für Unterzeichnung und Verbreitung dankbar:
    http://www.ipetitions.com/petition/boycott_tourisitique_de_cologne/

  5. 5 Monika Schmitz 12. Januar 2011 um 0:56 Uhr

    Klagemauer Köln: Anzeige beim Ordnungsamt. Nachdem der Polizeipräsident in Köln keine Verantwortung sieht, der Oberbürgermeister sich bis heute nicht outet, habe ich einen weiteren Schritt unternommen und Anzeige beim Ordnungsamt wegen Ordnungswidrigkeit aufgrund ungenehmigter Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes gestellt.
    Ich werde weiter berichten.

    bitte nicht jede kleinigkeit posten…beizeiten folgt eh ein nachklapp. mik

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