Gedenken: Rund 70 Menschen gedachten der Opfer der Nazis

Aachen. Wäre sein Tun im KZ Dachau entdeckt worden – er wäre erschossen worden. Martin Hart (83) war 1943 in Nazideutschland als Jugendlicher Mitglied der SS. Dienst an der Ostfront, Erkrankung, Verlegung zur Wachmannschaft des KZ in Süddeutschland. Der Aachener half dort etwa Gefangenen mit zusätzlichen Essensrationen. Hätten seine damaligen „Kameraden“ der SS das bemerkt – es hätte seinen Tod bedeutet.

Hart gehört seit 1983 den Zeugen Jehovas an, in Nazideutschland Bibelforscher genannt. Mitglieder der Glaubengemeinschaft wurden von den Nazis wegen der Verweigerung des Kriegsdienstes verfolgt, in die KZ gebracht und ermordet. Zwar entstammte Hart einer christlichen Familie, wandte sich als Bub jedoch der NS-Ideologie zu und trat aus der Kirche aus. Gefangene, denen er in Dachau half, waren Bibelforscher – und sie brachten ihn abermals zum Umdenken.

Auf Harts bewegtes Leben wurde am 27. Januar bei einer euregionalen Gedenkfeier anlässlich des Holocaust-Gedenktages in Aachen hingewiesen. Unter dem Motto „Damals verfolgt – heute vergessen?“ gedachten dabei rund 70 Menschen der Opfer der Nazis. Nicole Ehlers von der Volkshochschule Aachen sagte, dass das KZ Auschwitz – es wurde am 27. Januar 1945 befreit – symbolhaft als „Mahnung“ stehe. Man müsse alles tun, damit ein solcher Massenmord nie mehr Realität werde.

Die VHS gehört mit anderen Weiterbildungseinrichtungen, Schulen und Initiativen dem „Vorbereitungskreis 27. Januar“ des Arbeitskreises „Grenzen-Los“ an. Hierbei thematisieren etwa Schülern und Lehrer die Erinnerung an die Verfolgung von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten, Andersgläubigen und politischen Gegnern. Die Ergebnisse der Arbeiten werden immer am 27. Januar vorgestellt.

Schülerinnen des Carbooncollege aus Hoensbroek in Holland stellten etwa ein Videoprojekt vor, das sich mit dem niederländischen Durchgangslager Westerbork beschäftigt. Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Maria Montessori Gesamtschule in Aachen zeigten ein Video, das sie bei einem Besuch im ehemaligen KZ Auschwitz aufgenommen hatten. Zudem schilderten sie ihre Eindrücke von dem Besuch und zeigten selbst gezeichnete Bilder.

Andere Initiativen berichteten über die erschreckenden Schicksale von Verfolgten. So verschleppten und ermordeten einst die Nazis Roma-Familien aus Stolberg. Unter jenen 37 Menschen, die die Nazis umbrachten, waren 23 Kinder. Schülerinnen des Gymnasium St. Ursula in Aachen thematisierten bei der Gedenkfeier ihre Arbeiten zu ehemaligen jüdischen Schülerinnen ihrer Schule, die diese wegen der „Rassengesetze“ der Nazis 1938 verlassen mussten.

Hart, heute gesundheitlich gezeichnet, lauschte den Schilderungen. Das Bild eines der KZ-Häftlinge, dem er 1943 und 1944 geholfen hat, sah er 1989 im Jahrbuch der Zeugen Jehovas wieder. Rund 25 der Häftlinge hatten sich zum Gruppenfoto aufgebaut – teilweise in Häftlingskluft. [© Michael Klarmann; für AN]


1 Antwort auf “Gedenken: Rund 70 Menschen gedachten der Opfer der Nazis”


  1. 1 Klar, Mann? 31. Januar 2011 um 9:58 Uhr
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