Archiv für Januar 2011

GegenRechts/Rechts: Reitzianer legen gemeinsam mit Antifa Wuppertal lahm

Wuppertal. Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Wuppertal gegen einen Aufmarsch von Neonazis demonstriert, der sich gegen „linke Gewalt“ richten sollte. Nach Veranstalterangaben nahmen rund 3.000 Menschen an der Nazigegner-Demonstration im Stadtteil Elberfeld teil. Die Polizei sprach von rund 2.500 Teilnehmern, in der Lokalpresse war sogar von 5.000 Gegendemonstranten die Rede [1]. Letztlich marschierten mit dem Pulheimer Neonazi Axel Reitz rund 200 Neonazis auf, darunter auch Rechte aus der Region Aachen.

Laut Polizei und Lokalpresse kam es erst nach der großen Demonstration gegen Neonazis und im Verlauf des Aufmarsches derselben zu Gewalt zwischen linken und rechten Demonstranten. Es seien auch Polizeibeamte angegriffen worden, 14 seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Insgesamt seien 140 Menschen in Gewahrsam genommen, 21 vorläufig festgenommen worden. Es seien Strafverfahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen die Polizei eingeleitet worden. Angehörige des linken Spektrums hatten zur Verhinderung der Anreise der Neonazis auch Bahngleise in Wuppertal und Solingen besetzt.

Zeitweise war der Zugverkehr in und um Solingen wegen der Gleisblockaden komplett gestoppt worden. Laut Lokalpresse [2] hatte es zuvor auch ein „Aufeinandertreffen von etwa 60 Neonazis“ mit Gegendemonstranten gegeben. Neonazis selbst verbreiten die Nachricht, im Rahmen von Auseinandersetzungen seien am Samstag rund 80 „Kameraden“ von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Sowohl Polizei als auch Bundespolizei waren in Solingen und Wuppertal mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Die Wuppertaler Polizei schrieb in ihrem Pressebericht, sie blicke „auf einen zum Teil aggressiven Verlauf einzelner Versammlungen in Wuppertal zurück.“ Sei die vom „Wuppertaler Bündnis gegen Nazis“ abgehaltene Großkundgebung friedlich verlaufen, hätten später „Störer […] gezielt Flaschen auf Polizeibeamte“ geworfen. „Störer“ hätten auch Reizgas eingesetzt, zudem sei es im Stadtgebiet von Wuppertal „zu Angriffen auf Polizeibeamte und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Personen des linken und rechten Spektrums“ gekommen. Gegendemonstranten hätten den Aufmarsch der Neonazis wiederholt gestört, die Rechten mit Gegenständen – darunter auch Steinen – beworfen und sich zudem Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

„Die Polizei musste zur Kenntnis nehmen, dass die eigenen und die Bemühungen zahlreicher Gruppen für einen friedlichen Protest durch gezielte Provokation und Angriffe immer wieder gestört wurden. Durch das konsequente Vorgehen gegen gewalttätige Personen konnten noch weitergehende Ausschreitungen unterbunden werden,“ stellte die Behörde im Polizeibericht fest.

Anmelder des Neonazi-Aufmarsches war der „Hitler von Köln“ (taz), Axel Reitz. Der Neonazi selbst teilte via Twitter wie der Gewinner einer Schlacht und im Duktus eines Kriegsberichterstatters mit, einige „Kameraden“ hätten „Abwehr“ gegen Linke beleistet. Der Antifa sei „es weder gelungen unsere Anreise noch unseren Marsch […] zu verhindern.“ [© Klarmann]

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