GegenRechts: Neonazis ermöglichen verbotenes Blockade-Training

Stolberg. Sie wollten kommen um zu stören und zu provozieren – letztlich ermöglichten rund zehn Neonazis in Stolberg aber nur eines: Antifaschisten konnten spielerisch die polizeilichen Verbotsauflagen für ein „Blockade-Training“ umgehen und so kam es zumindest kurzzeitig doch noch zu einer „Trainingseinheit“. Rund 60 Nazigegner waren dabei in Stolberg auf dem Kaiserplatz vor dem historischen Rathaus zugegen.

Wie berichtet [1], hatte die Polizei strenge Auflagen gegen die Versammlung erlassen, mit der Nazigegner für ihr Vorhaben, Neonazi-Aufmärsche in Stolberg zu blockieren, werben wollten. Die Polizei hatte den Demonstranten untersagt, „Taktiken und Techniken zu vermitteln, die sie befähigen sollen, nicht verbotene zukünftige Versammlungen oder Aufzüge zu verhindern, zu sprengen oder zu vereiteln“. Das „Einüben von Sitzblockaden und so genannte szenische Wegtrageübungen“ wurden zudem untersagt.

Laut Anmelder des „Blockade-Trainings“ habe die Polizei die Auflagen kurz vor der um 15 Uhr beginnen sollenden Demonstration noch „verschärft“. Demnach habe die Behörde zudem untersagt, Flugblätter zu verteilen oder Plakate zu zeigen, in oder auf denen konkret für Blockaden von genehmigten Neonazi-Aufmärschen geworben wird. Auch sei untersagt worden, in Redebeiträgen konkret auf Neonazi-Versammlungen hinzuweisen, welche blockiert werden sollten.

Wegen solcher Auflagen wollte ebenso der DGB-Vorsitzende aus der Region, Ralf Woelk, solidarisch an dem „Blockade-Training“ teilnehmen. Begleitet wurden die rund 60 Nazigegner nicht nur von zahlreichen Streifenbeamten der Polizei, sondern ebenso von Teilen einer Einsatzhundertschaft. Sich persönlich ein Bild von der Aktion machen wollten auch Polizeipräsident Klaus Oelze sowie weitere führende Vertreter der Behörde.

Als gegen 15.10 Uhr rund zehn Neonazis um den Stolberger NPD-Ratsmann und Chef des NPD-Kreisverbandes Aachen, Willibert Kunkel, begleitet von Bereitschaftspolizisten das „Blockade-Training“ provokativ selbst begutachten wollten, hatte jedoch die Versammlung noch nicht regulär begonnen. Antifaschisten und Polizisten stellten sich den Neonazis indes in den Weg. Einige Nazigegner, darunter Woelk, platzierten sich spontan zu einer Sitzblockade auf den Asphalt, um den Neonazis symbolisch den Weg zu versperren. Gezeigt wurden dabei spontan auch Plakate und Transparente, die zur Blockade von Aufmärschen in Dresden und Stolberg aufriefen.

Um der Lage Herr zu werden, erteilte die Polizei Kunkel nebst „Kameraden“ Platzverweise. Eher zäh löste sich die „Blockade“ der Antifaschisten auf und einige der sitzenden Nazigegner wurden von geübten Genossen von der Straße getragen – es sollte niemand im Straßenverkehr zu Schaden kommen müssen. Kurz darauf erklärte man das bis dahin nicht offiziell begonnene „Blockade-Training“ als Nicht-Versammlung für (nicht) beendet – und bat Interessenten, den Platz zu verlassen.

Allerdings besteht die Lokalpresse [2] hartnäckig darauf, dass die Nazigegner „das angekündigte Blockade-Training, in dem sie sich selbst wegtrugen[, trainierten]“… [© Klarmann]

[1] Auflagen gegen Blockadetraining – Aachener Polizei untersagt Wegtrageübungen…
[2] Direktlink


7 Antworten auf “GegenRechts: Neonazis ermöglichen verbotenes Blockade-Training”


  1. 1 hase 05. Februar 2011 um 21:36 Uhr

    Bizarr

  2. 2 Aachener 05. Februar 2011 um 23:23 Uhr

    Der Anmelder der – dann doch nicht eröffneten Versammlung – sollte laut Polizeiauflagen der Polizei vorab die kompletten Personalien von Ordnern, Redner und Blockadetrainern mitteilen – vorab per Fax oder Email oder spätestens persönlich kurz vor Beginn der Versammlung. Das sind natürlich ganz normale Auflagen und keine Polizeischikanen. Pfui Deibel!

  3. 3 tkwm 06. Februar 2011 um 13:37 Uhr

    ++Faketicker:
    „Als einer der maßgeblichen Rädelsführer konnte ein gewisser M. G. Handi ermittelt werden. Es gelang den Ordungskräften bislang jedoch nicht diesen dingfest zu machen.“ ++

  4. 4 Klar, Mann? 06. Februar 2011 um 17:45 Uhr

    Laut Lokalpresse gab es noch eine „Nachspielzeit“:

    http://www.az-web.de/lokales/stolberg-detail-az/1540210

  5. 5 Klar, Mann? 06. Februar 2011 um 18:04 Uhr
  6. 6 Mensch 06. Februar 2011 um 21:38 Uhr

    Zum Kommentar: Nachspielzeit

    Laut Lokalpresse soll es also nachmittags in der Euregiobahn zu einem Körperverletzungsdelikt von mutmasslichen Antifaschisten an mutmasslichen Nazis gekommen sein. Ich bin da sehr skeptisch, was den „derzeitigen Ermittlungsstand“ der Polizei betrifft. Der tatsächliche Sachverhalt wird wahrscheinlich erst bei der Gerichtsverhandlung gekilärt. Jedenfalls ist es in jüngster Vergangenheit zu zahlreichen recht brutalen Naziübergriffen in der Region gekommen, wie man hier im Blog und auch auf der Homepage des „Bündnisses gegen den Naziaufmarsch 2011 in Stolberg (Rhld.) unter der Rubrik „Hintergünde“ (http://blockieren.mobi/hintergruende) nachlesen kann.

  7. 7 Klar, Mann? 09. Februar 2011 um 17:10 Uhr

    Super Mittwoch dazu (Link nur paar Tage aktiv):

    http://www.supersonntag.de/sixcms/detail.php?template=suso_nachrichten_d&id=1542728

    In der Printversion mit vielen Pics und anderem Textaufbau…

    Mik

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