Rechts: Aussteiger verprügelt und die Antirepressionswellenreiter

Koblenz. Vor Wochen berichtete das neonazistische „Aktionsbüro Mittelrhein“ (ABM), das eng mit Neonazis aus dem Raum Aachen und Euskirchen kooperiert, über Polizeiaktionen gegen „Kameraden“ [1] – nun hat die bislang aus ermittlungstaktischen Gründen gegenüber Medienvertreter schweigende Staatsanwaltschaft Koblenz Hintergründe dazu mitgeteilt. Demnach richteten sich die Aktionen gegen acht Neonazis aus dem nord-westlichen Teil von Rheinland-Pfalz, weil diese im Verdacht stehen, eine „massive Gewalttat“ gegenüber einem Aussteiger verübt zu haben. Nahezu alle Verdächtigen sitzen derzeit in Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft Koblenz führt nach eigenen Angaben aufgrund einer Strafanzeige eines 30-jährigen Aussteigers aus der Neonazi-Szene ein Ermittlungsverfahren gegen acht deutsche Staatsangehörige – darunter eine junge Frau – im Alter zwischen 20 und 32 Jahren wegen des Verdachts des Raubes und der gefährlichen Körperverletzung. Die Personen leben in Osann, Bassenheim, Höhr-Grenzhausen, Eberhahn, Merkelbach, Burbach, Wittlich und Hasborn. Den Aussteiger sollen sie in den Abendstunden des 23. Oktober 2010 unter einem Vorwand zu einer Grillhütte in Höhr-Grenzhausen gelockt, ihn verprügelt und ihm ein Handy sowie einige Bekleidungsstücke geraubt haben.

Das 30-jährige Opfer soll dabei u.a. eine Kiefergelenksfraktur und eine Fraktur des rechten Jochbeins sowie eine Vielzahl von Prellungen und Hämatome erlitten haben. Im Zuge der Ermittlungen hatte dann im Februar 2011 das Amtsgericht Koblenz Haftbefehle erlassen. Seit dem 23. Februar sitzen die weibliche Beschuldigte und zwei männliche Beschuldigte aus dem vorderen Westerwald in U-Haft, drei weitere Beschuldigte wurden am 24. und 25. Februar sowie am 2. März festgenommen. Zudem erging ein Haftbefehl gegen einen 22-jährigen Beschuldigten aus Wittlich, der seit Anfang des Jahres eine Jugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen Volksverhetzung verbüßt.

Zwei der Beschuldigten haben laut Ermittler ein Teilgeständnis abgelegt. Die übrigen Beschuldigten hätten – soweit sie überhaupt Angaben zur Sache gemacht haben – die Tat bestritten. Als Tatmotiv vermuten die Ermittler eine Bestrafung des Aussteigers. Gegen einen Beschuldigten wurde unterdessen der Haftbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft Koblenz im Hinblick auf dessen Alter und fehlender Vorstrafen außer Vollzug gesetzt. Gegenüber Medienvertreter will die ermittelnde Behörde zunächst keine Angaben gemacht haben, da man gehofft hatte, einen 32 Jahre alten, noch flüchtigen Mann festnehmen zu können. Dies sei indes nicht gelungen und er sei nun zur Fahndung ausgeschrieben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

In Koblenz waren am vergangenen Wochenende rund 100 Neonazis aus Solidarität mit den Inhaftierten aufmarschiert. Motto: „Politischer Justiz entgegentreten, Repression darf nicht zum Alltag werden!“ Einer der Redner war der Pulheimer Neonazi Axel Reitz, der gemeinsam mit Ingo Haller verantwortlich ist für die fremdenfeindlichen Hetzmärsche in Stolberg Anfang April – sie sollen sich angeblich gegen „Ausländerkriminalität“ richten. Auch eine größere Gruppe von Mitgliedern der Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) hatte an dem Aufmarsch in Koblenz teilgenommen. Auf ihrem Banner war zu lesen: „Demokratie heisst Gesinnungsterror!“ [© Klarmann]

[1] Razzt Polizei Neonazis im nördlichen Rheinland-Pfalz?